ANNAS Osmose-Kur
Suva, Fiji, Februar 2001
Hallo liebe Mehrrumpfbboot-Freunde,
Anna ist immer noch in Fiji. Ein Grund ist die Wirbelsturm-Saison, die aber hier dieses Jahr nicht statt zu finden scheint. Es gibt hier sehr gute Cyclon Schlupflöcher. Der andere Grund ist Fiji, wo man es ziemlich gut eine Weile aushalten kann., bei 1.20 DM für ein großes Glas Bier oder 3,50 DM für ein feines chinesisches Essen. Als ich im Royal Suva Yacht Club, (inzwischen bin ich Mitglied), bei meiner Ankunft anfragte, ob jemand etwas von Yanmar Diesel Outboards verstünde, beide waren reparaturbedürftig, bekam ich die Antwort: Aber ja: Yamaha Outboards reparieren wir jeden Tag. Ein Australier fragte mich, ob der fragliche Diesel Outboard älter als zwei Jahre sei. Was zutraf. In diesem Falle solle ich beide Motoren im Hafen versenken, denn länger als zwei Jahre hielten sie ohnehin nicht. Die Probleme mit meinen Yanmar Diesel Outboards habe ich inzwischen selbst lösen können, und mich dabei zu einem Spezialisten dieser kostbaren, kleinen, mechanischen Wunderwerke entwickelt.
Letzte Woche lag ANNA wieder einmal auf dem Strand, der Bewuchs war inzwischen gigantisch. Beim Abkratzten der Pocken kam mir der Gedanke, etwas über Osmose bei GfK-Schiffen und die Behandlung für den BOTEN zu schreiben.
Anfang der 80ziger Jahre lag ANNA in Spandau an Land, während ich in Saudi Geld für meine Segelzeit verdiente. Weil damals so viel über Osmose zu lesen war, schliff ich während eines Urlaubs das Gelcoat des Unterwasserschiffes etwa zur Hälfte ab und versiegelte alles mit einem relativ dünnflüssigen Epoxid von International, genannt Interprotect. Von Osmose war bei ANNA im Alter von ca.15 Jahren nichts zu sehen, es war eine reine Vorsorge.
Einige Jahre später traf ich in San Juan de Puerto Rico den alten Weggefährten Wilfried Sell, mit dem ich so viele Erfahrungen beim Ausbau von ANNA in Berlin ausgetauscht hatte. Er war etwas bedrückt, denn sein wunderschönes, relativ neues Boot zeigte erste Anzeichen von Osmose, was für ihn so peinlich zu sein schien, wie Gonorrhoe für eine Jungfrau. Beim Abschied ließ er mich wissen: ... auch Dein Boot wird Osmose bekommen.
Als ich ANNA in Puerto la Cruz Venezuela zum ersten mal seit Jahren wieder aus dem Wasser nahm, war der Bewuchs zwar beachtlich, aber von Osmose sah ich keine Spur.
In Venezuela konnte man damals für etwa 5U$ Taglohn einen Helfer mieten, was ich wegen meiner Bandscheiben-Probleme leichtsinniger Weise auch tat. Der gute Mensch machte ganze Arbeit, er fand das schmutzige Grau des International Interprotect Anstriches nicht sehr schmückend, und schliff alles schön sauber weiß. Ich versuchte den Schaden wieder auszubügeln, indem ich venezuelanisches Interprotect darübermalte. Aber ein Jahr später waren die ersten Anzeichen von Gelcoat Osmose unübersehbar.
Es folgten in Jahresabstand verschiedene Versuche, dem Problem Herr zu werden, ohne nennenswerten Erfolg.
Als ich in Panama auf einen Baumstamm fuhr, der das Steuerbordruder beschädigte, war mir klar, daß die Reise nach Mexiko die Lösung zweier Probleme sein würde: Die endültige Reparatur des Ruders, und die fachgerechte Behandlung der Osmose.
In Guaymas im nördlichen Teil der Sea of Cortez bekam ich ein trockenes Plätzchen für ANNA in einer Schrimper Werft für 100 U$ pro Monat an Land. Die nahe Sonora Wüste macht das Klima ziemlich trocken, außerdem erreicht man in 6 Std. Busfahrt Arizona, wo es alles preiswert zu kaufen gibt, was das Herz eines Selbstbauers erfreut.
Zunächst dachte ich an Sandstrahlen, aber davon kam ich wieder ab, als ich sah, wie ein Mexikaner etwas verträumt ein Loch in den Rumpf eines anderen Schiffes geblasen hatte.
Das gesamte Gelcoat mit der Flex abzuschleifen fand ich auch nicht so attraktiv. Schließlich begann ich mit einer Obenfräse, bestückt mit einem Kugelfräser aus Karbid, die einzelnen Osmosebläschen aufzufräsen. Diese Methode hat den Vorteil, daß die Referenz-Oberfläche erhalten bleibt und der Bläscheninhalt gleich mit entfernt wird.. Eine gute Idee ist es, wenn man einen Teil des Unterwasser-Anstrichs anschleift, denn alle prominenten Bläschen, werden weiß und somit gut erkennbar.
Wenn dieser aufwendige Arbeitsgang beendet ist, schleift man das ganze Unterwasserschiff mit einem Exzenterschleifer sauber. Der Staub wird gründlich abgewaschen, danach läßt man das Ganze eine Weile trocknen.
MEK ist die Abkürzung für Methyl Etyl Keton. Diese Flüssigkeit ist sehr stark Wasser bindend. Wenn das Klima nicht so trocken wie in Sonora ist, kann man die Oberfläche damit gut austrocknen. Aber Vorsicht, das Zeug ist nicht gerade gesundheitsfördernd.
Als nächstes füllt man die Fräslöcher mit einem Gemisch aus Epoxid und Microballons mit Hilfe eines flexiblen Spachtels aus. Die Microballons sind meist braun oder grau, was sich gut gegen das weiße Gelcoat abhebt. Mit dem Excenterschleifer und 100er Schleif-Körnung schleift man das überstehende Epoxid- Gemisch auf Niveau des Gelcoats. Da die Microballoons zum Austropfen neigen, muß nachgearbeitet werden, bis alles wieder ganz glatt ist.
WEST rät nun, ein Gemisch aus Epoxid und Graphit mehrfach aufzurollen, um eine stabile Schutzschicht zu erzeugen.
Ich habe nach einigen Versuchen eine andere Methode angewendet. Ich mixte mir ein Gemisch aus Silica-Filler und Epoxid. Dieser Filler besteht aus kleinsten Glasblättchen, die sich im Epoxidgemisch dachschindelartig übereinander legen. Das Gemisch sollte die Konsistenz von Mayonnaise haben. Mit einem flexiblen, großen Spachtel trägt man es auf, was nach einiger Praxis sehr gleichmäßig gelingt. Große Sorgfalt sollte man darauf verwenden, die Fläche nach dem Aushärten wieder zu planieren und anzuschleifen, da sonst die neue Schicht auf dem ausgehärteten Epoxid wegen Fehlens von Poren nicht haften kann. (Daß Epoxyd sehr sorgfältig abgemessen und vermischt werden muß, dürfte wohl bekannt sein.)
Etwa 3 solche Spachtelschichten erzeugen eine Dicke von etwa 1 mm. Das Glattschleifen ist wegen der Zähigkeit des ausgehärteten Gemischs etwas mühsam. Aber das Resultat, nach einem zusätzlichem Epoxydprimer Anstrich ist ein schön glattes Unterwasserschiff. Der Silica Filler erweist sich als sehr robust. Wenn man später Muscheln und Pocken abkratzt, wird man das zu schätzen wissen.
ANNA ist jetzt etwa 3 Jahre seit der Mexikokur wieder dauernd im Wasser. Eine erneute Osmosebildung ist nicht erkennbar.
Für Holzbooteigner bzw. für Alu- oder Stahl- Boote war das Geschriebene leider nichts.
Beste Grüße aus Fiji, wie immer von Thomas von der ANNA
thomasneuber@hotmail.com Autor: Thomas von der ANNA

