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Abenteuer Yachtkauf

... Wie Schuppen von den Augen!


Angekommen in Les Sables, Atlantikküste, 100 Kilometer nördlich von La Rochelle, gab es erst mal lange Gesichter, als wir (Carla und Freund Kurt Ecker) in der Werft Alubat eintrafen. Man erzählte uns, von einer Terminsabsprache nichts zu wissen. Nach längerem Hin und Her, erklärte sich der Werftboß bereit, mit uns zu reden. Aber da war noch das sprachliche Problem. Kathrin, Angestellte bei der am gleichen Ort ansässigen Konkurrenz-Werft Feeling (Kyrie), wurde herbeigeholt, und sie sprang als Dolmetscherin mit exzellentem Deutsch ein. Ich kannte Kathrin, hatte ich sie doch vor 10 Jahren in Ägypten beim Eckercup kennengelernt, als sie dort für den Representanten der Feeling-Werft ins Deutsche dolmetschte. Dessen Namen: Eric Tabarly. Seine Schweigsamkeit war berümt und berüchtigt zugleich.

Das hatte der Werftchef von Alubat mit dem erst kürzlich ertrunkenem französischen Seehelden gemeinsam: Das Gespräch zog sich wie Kaugummi. Dabei war ich gut mit Informationen eingedeckt, hatte mich doch Jimmy Cornell, damaliger Veranstalter des ARC, entsprechend informiert. Der hatte sich kurz zuvor eine Alubat 435 (43 Fuß) eben in dieser Werft bauen lassen und war auch damit zufrieden. Wir wollten eine 455 (45 Fuß) bestellen, weil mir vor allem das starke Aluminium gefiel.

Sicher, die Yachten, die da auf dem Hof und in der Halle herumstanden, wirkten mit dem wuchtigen, doch praktischen „Überrollbügel“ für Beiboot und Antennen am Heck, nicht gerade elegant. Auch die Kielschwert-Lösung war nicht nach unserem Geschmack, konnte ich mir nur schlecht vorstellen, auf einen Platz zu segeln, wo ich mich mit 1,30 Meter hintraue und mit zwei Meter nicht. Aber, wer weiß das schon? Ich solle mal meine Sonderwünsche durchgeben, brummelte der Werftboß. Bis wann? Das habe kein Eile, die Lieferzeit sei ohnehin zwei Jahre!

Schwer zu glauben, wenn man immer das Gejammer hört über die schlechte wirtschaftliche Situation in Europa! Aber, das war kein Verkaufstrick, das war echt. Zwei lange Jahre? Zusätzlich an Land! Nein, bloß das nicht, wir wollten ja wieder lossegeln! Und besonders schön waren die Yachten auf dem Hof ja auch wieder nicht. So trösteten wir uns, als wir mißmutig von dannen zogen.

Nachmittags besuchten wir die Feeling-Werft. Charmant führte uns Kathrin durch die Hallen. Der „Duft“ nach frisch angerührtem Polyester stieg in die Nase, was bei mir immer Sehnsucht nach der großen Fahrt erzeugt. Schließlich war unsere erste Weltumsegelyacht THALASSA mit ihren zehn Metern Länge auch aus GfK. Die schönen Feeling-Schiffe beeindruckten von der Bauqualität, waren aber vom technischen Layout nicht sehr nahe dran an meinen Vorstellungen. Deshalb schien es mir nicht möglich, meine Sonderwünsche hier zu realisieren.

So war also unser Ausflug nach Les Sables ein ziemlicher Reinfall und am anderen Morgen wollten wir nach Hause fliegen. Wir drängelten Kurt wegen des schlechten Flugwetters und wollten möglichst früh weg. Kurt hatte nur noch einen kurzen Termin in der Katamaran-Werft Jeantot, welche die vor allem in den USA renommierten Privilège-Katamarane herstellt. Na ja, war vielleicht mal interessant, schnell noch die Geburtsstätte von Katamaranen zu besichtigen. Wir hatten einige Ferien bei Wolfgang Hausner auf seinem Kat TABOO in den Cayman-Islands und auf den Philippinen verbracht und waren von den Segeleigenschaften dieses 17 Meter-Katamarans sehr beeindruckt. In Tahiti bin ich mit dem ersten Kat von Wolfgang, ebenfalls TABOO, und nur 10 Meter lang, rumgesegelt. Klasse! Aber wer kann schon solche Kats bauen? Einige Kats hatten wir auch auf den Weltumsegler-Ankerplätzen angetroffen und waren, natürlich, von dem Platzangebot immer wieder beeindruckt. Die Langfahrt-Yachties auf zwei Rümpfen ließen aber auch keinen Zweifel aufkommen, daß die erreichbaren Geschwindigkeiten, die Etmale bei all der Zuladung auf einer Langfahrtyacht im Bereich von guten Einrumpfyachten lagen.

Katherine von Jeantot, eine andere Kathrin, führte uns durch die Werft. Die Werfthallen von Jeantot waren neu. Paarweise glitzerten riesige Rümpfe im Scheinwerferlicht. In weißen Kluften bewegten sich freundliche Arbeiter mit Preßluft-Tools über die schwankenden Laufbretter zu den Rohbau-Kats. Im Salon einer 43er (Privilege 435) zählte ich mehr als ein Dutzend Leute, ohne, daß er überfüllt gewirkt hätte. Kann ich mal den Motor sehen? „Den Steuerbordmotor oder den an Backbord?“ Ein Blick in die Tiefe zeigte mir ziemlich verlassen den Yanmar-Vierzylinder mit irre Platz drumherum. Listig warf Katherine ihr Netz aus: „Weil wir keine so große Werft sind, können wir auch bestens Extrawünsche erfüllen!“ Meine Gegenfrage: „Hat einer Eure Kats schon mal umgeschmissen?“

Das war ja wohl etwas, was - natürlich - jeder Kaufinteressent fragt. Und so konnte es sich Kathérine, ganz Verkäuferin, leisten, das Thema von sich aus nicht anzurühren, auf sich zukommen lassen: „Wir haben 350 Yachten gebaut, und noch nie ist eine gekentert!“. Ich war kein Kaufinteressent, aber ein paar Prospekte und Preislisten sollte ich wohl mitnehmen. Schadet ja nichts.

Zu Hause besorgte ich mir ein Video von einer Atlantiküberquerung mit einer 50-Fuß-Privilège. Drei Stunden lang hatte da ein Segler die Kamera draufgehalten. Ungeeignet für einen Familienabend, mich aber faszinierte das Video. Da sah man zum Beispiel eine fröhliche Gruppe Männer beim Frühstück am Tisch sitzen und von hinten rollten mit 7 Beaufort gischtige Seen heran. Die Obstsaftgläser blieben eisern stehen, auch die Kaffekanne, aus der gelegentlich der Kaffee hochspritzte. Ich schnitt mir eine Filmszene zurecht: Linkes Halbbild: Blick auf den Frühstückstisch bei 7Bft auf dem 50-Fuß-Kat. Rechtes Halbbild: Blick auf das Cockpit der 56-Fuß-Sarita, ebenfalls bei achterlichen 7 Bft! Schienenkat und Rolling Home standen sich gegenüber.

Ein Abstecher zur Bootsmesse nach Cannes verunsicherte weiter. An einem der großen Stege lagen mindestens 20 Katamarane, keiner unter 40 Fuß, meistens größer. Es scheint eine riesige Gemeinde von Kat-Fans zu existieren, jedenfalls drängten sich die Menschen auf dem Steg, stießen Begeisterungsschreie beim Betreten der riesigen Kat-Salons aus. Ja, „betreten“ ist das richtige Wort. Da, wo man beim Monohuller, in den Salon, sozusagen „in den Keller“ steigt, öffnet man beim Kat die Türe - und geht rein. Und dann der Sicherheitsaspekt: Ruderbruch? Beim Kat gibts zwei davon! Was ist, wenn die Maschine verreckt? Siehe oben. Wieviel wiegt eigentlich so ein Kat? Um die 12 Tonnen. Nicht viel für ein Schiff mit 14.30 m Länge (und 7.40 m Breite)! Na klar, es muß ja auch kein Blei transportieren wie eine Einrumpfyacht. Nur ein Aber, ich machte mir keine Illusionen: Das mit der völligen Unempfindlichkeit gegen Seekrankheit stimmt nicht ganz, schließlich nimmt der Kat jede größere See zweimal. Trotzdem: Mein Freund Martin kotzte sich die Seele aus dem Leib, was ihn zwang, das Segeln aufzugeben. Dann probierte er es nochmals mit einem Kat, und siehe da, das Segeln hatte ihn wieder.

All das ging mir in diesen Tagen durch den Kopf: Du wirst doch nicht ...? Na ja, wenn man all dies bedenkt, und die langen Lieferzeiten bei Einrumpfschiffen, und die zwei Ruder und Maschinen, und das Platzangebot und der Preis, der gerade für ein Einrumpfboot gleicher Länge, nicht Breite, gereicht hätte - und die fehlende Krängung (ich war nie begeistert von den schrägen Vögeln unter den Hochseeyachten), also, wenn man allmählich eine Einrumpfyacht als halben Katamaran* ansieht mit ihrem Segelangebot auf der Kante oder im Keller, dann sollte man sich vielleicht das Ganze doch mal überlegen!

In Wirklichkeit hatte uns das Katfieber schon längst erfaßt und wir waren taub geworden gegenüber den Warnungen unserer Freunde: „Katamarane sind keine richtigen Segelschiffe!“ Aber da waren eine Reihe von Kats um die Welt gesegelt, Kollege Kaluscha und Bullmer aus München, die Fallado ums Kap Hoorn und vor allem Wolfgang Hausner, die hatten doch alle prächtige Reisen mit ihren Kats gemacht - und nicht nur in Schönwettergebieten!

Warum also nicht selbst auf Weltumsegelung gehen und offen vergleichen mit unseren früheren Weltreisen auf Einrumpfschiffen? Inzwischen steht der Liefertermin für die neue THALASSA, einer Privilege 465 von Jeantot.

Die Farben auch schon: Wie bei unserer früheren THALASSA II: Weiß mit roten Längsstreifen!

Mail an den Autor: bobbyschenk@t-online.de; Internet: www.esys.org/schenk

Autor: Bobby Schenk

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