Das Marley Point Rennen
Das Marley Point Rennen ist ein Klassiker in Australien mit gew�hnlich hunderten von Startern � der Teilnehmerrekord liegt bei �ber 700. Das Rennen geht durch die Nacht �ber zwei Seen, die ein 5 Meilen langer und nur 90 m breiter Fluss bzw. Kanal verbindet, in dem sich manches Drama abspielt. Die letzten beiden Male hat Dean Snow mit einem F-9A und einem F-82 gewonnen und Dean ging diesmal mit seinem eben fertiggestellten F-9R FULL BORE an den Start. Den Email-Report hat er mit �Man sollte nie aufgeben� �berschrieben:
Das Marley Point Race war ein Muss f�r uns. Es fing schlecht an und alles wurde noch schlechter. Beim Runterlassen vom Trailer an der steilen Rampe von Paynesville, der Wind blies auflandig, versetzte uns das Boot in Angst und Schrecken, weil es sich beinahe �berschlagen h�tte. Es verrutschte um 35-40 Grad, ein Crewmitglied schubste am Want und das Boot legte sich mit gleicher Schr�glage auf die andere Seite. W�hrend das so ablief rutschte der Bug aus den seitlichen Trailerf�hrungen (lange Bretter), blieb auf einem davon sitzen, brachte dieses zum Kippen, worauf eine Bretterstrebe den Rumpf besch�digte. Durch das Verrutschen fiel uns die wahre Windst�rke nicht auf, der starke Wind zerrt am Fl�gelmast mit 2,5 qm Fl�che, ein leichtes Boot, dessen Bug noch auf dem Trailer sitzt, eine steile Ramp , � so passiert es halt.
Elf Mehrr�mpfer traten an, zehn Farriers und ein International 23 Kat. Wir waren der Meinung, dass unser Hauptgegner der F-31R Party Time sein w�rde und der Rest der Flotte
(1 - F-24, 3 - F-25As, 3 - TT680s, 1 -TT620) sich einreihen w�rde.
Der Schlag zum Startpunkt war hei� und langsam, B�en aus S�d waren angesagt, die dann auch schnell n�her kamen, einige Meilen vor dem Ankerwerfen zum Start. Wir machten jetzt �ber 20 Knoten, der Himmel im S�den wurde schwarz und wirbelte meilenweit Staub auf.
Gerade noch rechtzeitig refften wir ein, als wir die B�en �ber den See kommen sahen. Sie hielten nicht lange an, zur Startzeit waren es freundliche 10 kn. Beunruhigend war nur, dass man uns sagte, dass das nicht der vorhergesagte Wetterwechsel gewesen sei, dass dieser erst in der Nacht erfolgen w�rde.
Wir legten einen guten Start hin, machten schnell Strecke zur Flotte gut. Leider fiel uns auf halber Strecke zur ersten Bahnmarke der Spinnaker mit Sack �ber Bord, doch dank eines gekonnten MOB-Man�vers hatten wir den Sack nach 15 Sekunden wieder an Bord.
Das hatte aber schnell keine Bedeutung mehr, denn wir kamen wegen etwas anderem ins Schwitzen: Die Bahnmarke, auf die wir zuhielten, ein gelbes Blitzlicht, ging aus!
Wir segelten weiter und hielten nach einem 30 cm gro�en Ding in der Nacht Ausschau, und unser Frust wurde noch gr��er, als wir erst rote und dann wei�e Positionsleuchten sahen,
die an der unbeleuchteten Bahnmarke im Dunkeln 2 Meilen hinter uns abdrehten.
Die Stimmung an Bord ging von Euphorie nach dem schnellen MOB-Man�ver nahtlos in die totale Depression �ber. Sehr wenig Worte wurden gewechselt, die meisten sind hier nicht wiederholbar.
Als die nette 10 Knotenbrise auf 3 kn runterging rutschten wir an den Schwanz der Flotte und hatten noch nicht mal in Erw�gung gezogen, den Sreecher durch den Spinnaker zu ersetzen. Das Rennen war f�r uns gelaufen.
Als wir das Gebiet der unbeleuchteten Marke wieder erreichten, war noch ein Boot von hundert oder so am Suchen nach dem nicht existierenden gelben Blitzlicht. Niedergeschlagen wie wir waren passierten wir einige Monomarane bis wir kleinere Mehrr�mpfer einholten. Unser alter Kampfgeist lebte pl�tzlich wieder auf, als uns klar wurde, dass der Schwachwind die Multihulls ausgebremst hatte.
F�r den Spinnaker war es zu sp�t, da wir schon die unterste Bahnmarke rundeten und auf die Steuerbordkreuz gingen und Marley Point erreichten. Als wir dann die letzte Dreiecksmarke in Lake Wellington passierten briste es etwas auf, gute Raumschotsbedingungen lie�en uns mehrere Tris passieren. Wir waren wieder im Rennen.
Das Dreieck auf dem Wellington See ist normalerweise der leichte Teil des Rennens, aber nach dem Erlebten waren wir schon etwas z�gerlich, als wir an der Einfahrt des 90 m breiten und 5 Meilen langen MacLennans-Kanal standen, der vom Anfang bis zum anderen Ende mit den Booten der langsameren Klassen gef�llt war, die nur geradeaus, nicht im Dreieck, �ber den Wellington See zu segeln hatten. Wir mu�ten also hundert Boote �berholen.
Als wir die Einfahrt erreichten war ein Lichtschimmer �ber den B�umen von den Positionslampen. Ohne Leuchtfeuer, gerade mal ein gr�nes Blitzlicht am Strand, konnte man leicht durcheinander kommen. So erging es uns jedenfalls. Wir zogen das Schwert, fuhren bei leichten Raumschotsbedingungen in den Kanal und sahen W�nde von Positionslichtern. Zu unserer Erleichterung segelten die Monos mit ihren etwas k�rzeren Masten auf der Leeseite des Kanals, wegen der besseren Windausbeute und lie�en uns so eine schmale Gasse freie, too easy! Man kann sich das Gemetzel bei Gegenwind im Kanal vorstellen, bei hunderten Booten, die hin und her kreuzen.
Einige Skipper waren ernsthaft bei der Sache, im Pulk Wind zu finden, ein innen liegendes ruft nach Wasser und alles was es kriegt sind B�sche im Cockpit.
Wir machen 5kn und schaffen so den 5 Meilen langen Kanal in einer Stunde. Dale will ein bi�chen Spa� und steht auf dem Backbordschwimmer, um m�glichst nahe an den �berholten zu sein, manchmal weniger als ein halber Meter, stellt sich vor und fragt dann: �Gef�llt euch das Rennen?� und w�nscht dann beim Vorbeilaufen einen sch�nen Abend. Ich kann nicht alle Antworten verstehen, weil ich damit besch�ftigt bin, die Steuerbordseite im Auge zu behalten und das ehrfurchtgebietende Hinter uns, das mir vorkommt, als ob uns ein riesiger, gurgelnder Weihnachtsbaum durch den Kanal blasen w�rde.
Als wir den Kanal verlassen fragen wir den letzten Mono, wieviele Boote noch vor uns liegen w�rden. Zu unserer �berraschung hei�t es, nur noch zwei Boote seien voraus. Wir dr�cken aufs Gas: Eines der Boote mu�te der F31R sein. Wir ziehen den Spi hoch und mit Spitzen von 16 kn rollen wir den Victoria See auf, passieren einen schnellen Mono, nur noch eine Hecklaterne ist einige Meilen vor uns zu sehen.
Als wir die McMillans Stra�e bei Paynesville erreichen verlieren wir das Hecklicht aus den Augen. Ein auffrischender S�d l��t uns zur Genua wechseln f�r den Kreuzschlag rund um Raymond Island. Auffrischende 14 kn Wind und zum Ziel hin 21 kn sind eine gro�artige Entsch�digung f�r das, was w�hrend des Rennens so passiert ist
Da wir aber das Licht voraus nicht eingeholt hatten, sahen wir uns nur als zweite �ber der Linie. Wir legten in aller Ruhe an und holten uns den notwendigen Schlaf nach dieser stressigen Nacht.
Nachdem wir am n�chsten Tag die Zeiten uns angesehen hatten wurde klar, dass wir ein Geisterschiff verfolgt hatten.Wir hatten die Ziellinie eine halbe Stunde vor dem zweiten, SIDEFX TOO, ein F24 MK I I�berquert. So the morale of the story is, THE SHOW AIN'T OVER TILL THE FAT LADY SINGS!
PS: Die Bauzeit f�r FULL BORE betrug 1800 Stunden, einschlie�lich Beams und Trailer. FULL BORE zog auch schon einen Wasserskifahrer. Als n�chstes Abenteuer will Dean in einem Rennen einen Wasserskifahrer �ber die Zeillinie ziehen. Marley Point war ihm nicht recht, weil der Zieleinlauf im Dunkeln stattfindet :-)
Autor: ???

