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Einmal Karibik und zurück

Tina Otte-Bentz und Peter Otte segelten mit der RUNNING DEER einmal um das Azorenhoch

1. Gedanken zum Wetter
Liebe Freunde, überall in Deutschland stöhnen die Leute über die Hitze, die Trockenheit, das Wetter. Vor einem Jahr noch hatten wir die Riesenüberschwemmung. In Frankreichs Presse werden die Folgen der Hitze reißerisch aufgemacht. Nur wir sind mit diesem Wetter höchst zufrieden, reden vom Glück mit dem Wetter, wie wir es noch nie hatten. Wir sind es von früheren Reisen nach Frankreich oder England gewohnt, dass wir Westwind hatten, also Wind auf die Nase, mit Regenschauern dazwischen, nie aus dem Ölzeug raus gekommen. Jeden Tag nur kurze Etappen, um abends schnell in einen Hafen zu flüchten. So lernt man natürlich auch alle Häfen von Belgien bis zur Normandie kennen, nur Urlaubsstimmung will da nicht recht aufkommen. Immer hatten wir geträumt, einmal kriegen wir Ostwindlage, mit ablandigem Wind, ohne Wellen und dann den Blister hoch, die Selbststeuerungsanlage an und laufen lassen, solange der Wind bläst. Und genau das, wovon wir solange geträumt hatten, finden wir dieses Jahr! Das ist der Grund, weshalb wir in zweieinhalb Wochen schon in Spanien sind.

Der Reihe nach: Natürlich kamen wir nicht wie geplant am 01. August los, sondern erst am 03. Das Boot provisorisch eingeladen, 30 kg Kleidung, 40 kg altkatholische Getränke, 50 kg Bücher, 60 kg Werkzeug, Lebensmittel haben wir nicht gewogen, aber es soll reichen für die nächsten Monate. Dann die Verabschiedung von unseren Freunden mit allen ihren guten Wünschen und in Begleitung von Hidde und Jenny auf der ALLOTRIA los Richtung Amsterdam. In Scheveningen nachts um halb zwei haben wir dann auch Hidde und Jenny Tschüß gesagt, unserer Eile war nicht ihre, und in einem ersten langen Schlag bis Nieuwpoort. Da kann man günstig tanken und wir haben alle Tanks und Kanister gefüllt. Nächster Hafen war Calais, easy going sailing, achterlicher Wind, Blister und Autopilot, erste Reparaturen (Toilettenpumpe), ein-, weg-, aufräumen. Der Blister hatte in einer nächtlichen Aktion ein Loch bekommen, hätten wir die Salingnocks doch besser schon vorher abgepolster, aber das war uns in all der Hektik durch gegangen. Ein Segelmacher in Nieuwpoort hat ihn gut genäht.

Allmählich kam bei uns die Segelroutine auf, Peter macht morgens das Frühstück, Tina das Abendessen, gespült wird von beiden. Peter hat sich abgewöhnt, über die Bordkante zu pinkeln, dabei sind schon viele Segler über Bord gegangen. Geduscht wird auf dem Vorschiff mit der Solardusche. Jeder hat seine Kabine eingerichtet, weil die Kojen so schmal sind (nur 1,10 m), schlafen wir getrennt, besuchen uns natürlich, auch unangemeldet.

Der nächste Hafen sollte Boulogne sein, aber weil es so gut lief, sind wir die erste Nacht durch gesegelt bis St. Vaast La Hogue. Dort haben wir M. Gosslin einen Besuch abgestattet. Das ist ein Delikatessenladen, viel zu groß für diesen kleinen Ort, aber dafür weit über die Region hinaus bekannt. Da laufen einem die Augen über, so appetitlich ist das Angebot. M. Gosslin hat einen Weinkeller, in dessen Tiefe sich wahre Schätze verbergen, die Preise entsprechend. Wir haben uns mit dem versorgt, was der Boden der Normandie hergibt, Apfelsaft, in gegorener und gebrannter Form, Cidre und Calvados. Für Sven eine Flasche fünf Jahre alten zu seinem Geburtstag, den wir am Tag unserer Abreise glatt verpasst hatten (so sorry). Dann kamen die ersten Kribbel-Caps, Cap Barfleur und Cap La Hague, da geht der Gezeitenstrom mit gut sechs Knoten drum herum und man muss gut timen, so dass man zur rechten Zeit mit der Ebbe rumrutscht. Cherbourg zum Wassertanken und Erinnerungen an einen Törn mit Karin und Jürgen dorthin vor Jahren. Guernsey, also merry old England, zum Dieseltanken, das einzige, was dort billig ist. Selten haben wir so viele zweisitzige Sportwagen aller Marken auf den Straßen gesehen. Das hat schon seine guten ökonomischen Gründe. Nach England wieder Frankreich, in einer Rauschefahrt von Guernsey nach Roscoff in der Bretagne und unser Katamaran hat gezeigt, was in ihm steckte, mit ausgebaumter Genua und Groß mit Bullenstander (Peter hat zwei Leinen an der Großbaumnock angeschlagen, die wechselseitig zum Bug gespannt werden können) in elf Stunden neunzig Meilen! Leider kam mit dem Wind auch schlechteres Wetter. So konnten wir die Prozession der geschmückten Fischerboote zu Maria Himmelfahrt nur im Nieselregen beobachten. L’Aber Wrach war der nächste Hafen am westlichsten Ende der Bretagne, eigentlich mehr eine Flussmündung mit Mooringbojen und einem staatlichen Segelzentrum. Ob es an dem verhangenen Himmel lag oder dem Stress, dem die Jugendlichen in den Segelkadern ausgesetzt waren, weshalb die Leute hier zumeist so griesgrämig dreinschauten?

Beim nächsten Abschnitt hatte sich Peter gehörig mit der Tide verrechnet und so brauchten wir über zehn Stunden für die läppischen vierzig Meilen bis Camret sur Mer. Das ist der allgemeine Ausgangshafen für den Sprung über die Biskaya, den uns Uli und Renate empfohlen hatten. Hier gibt es aktuelles Wetter beim Hafenmeister und einen Supermarkt. Die Segelläden sind nicht so gut sortiert wie Frau Loodeman in Elburg, aber es gibt einen Baumarkt fürs Nötigste. Vor dem Wetteraushang hörten wir ein Pärchen in Deutsch die Aussichten diskutieren und siehe da, die beiden wollen den gleichen Törn segeln wie wir, unter ähnlichen Bedingungen (Sabbatjahr) mit gleich großem Boot. Das ist immer sehr beruhigend, wenn man weiß, dass man nicht ganz alleine ist. Nachdem wir uns mit den beiden, Peter und Karin, gegenseitig beschnuppert hatten, beschlossen wir, über Funk auf Kanal 69 um 18.00 Kontakt zu halten. Peter benutzt für seine Wetterprognosen auch das JVCom32 und wir können uns gut austauschen, wie die Aussichten wohl sein werden.

Camaret hatten wir in unseren Vorplanungen Ende August zu erreichen gehofft, um dann auf ein günstiges Wetterfenster für den Sprung über die Biskaya zu warten. Aber jetzt waren wir schon am 16.08. dort und noch immer lag das Hoch über der Biskaya. Also nicht lange zögern, Wasser tanken und los. Aus den Erfahrungen der zurückliegenden Tage hatten wir mit einer Fahrt von drei Tagen für die 324 Meilen gerechnet, eher weniger. Um nun nicht in der Nacht anzukommen, sind wir abends gegen sieben losgefahren, mussten die ganze Nacht wegen Windmangel denselben aus dem Dieseltank nehmen und bekamen erst morgens in Peters zweiter Nachtwache Wind für den Blister. Mittags hatten wir Besuch von einer Schule Delfine, die uns eine halbe Stunde begleiteten und zu viert gleichzeitig zwischen den Rümpfen vor den Bug sprangen. Phantastisch! Peter überlegt, ob er nicht besser Lehrer an einer Delfinschule wird - aus aktuellem Anlass versteht sich! Mittags nahm dann der Wind allmählich zu und hatte sich bis zur dritten Nacht auf gute fünf bis sechs Beaufort gesteigert. Dazu gab es Wellen von etwa drei Metern, die von hinten heran rollten, das Heck anhoben und das Boot nach vorne schießen ließen. Die Gefahr, dass eine Welle von hinten ins Cockpit einstieg, hat es nie gegeben. Nur Spritzwasser kam gelegentlich über. Was allerdings sehr nervig war, waren die Stöße der Wellenspitzen von unten gegen den Bootsboden zwischen den Rümpfen. Das knallte, wie wenn jemand mit einem Hammer gegen den Boden schlug. Nach drei Nächten und zweieinhalb Tagen sahen wir dann die gebirgige Küste Galiziens, der Wind nahm ab und mit schöner Rauschfahrt fuhren wir an einer Küste vorbei, die aussah wie das Allgäu, Wälder, grüne Matten, darin eingebettet Felsbrocken, einzelne Häuser mit tiefgezogenen roten Dächern, davor gelber Strand und blaues Wasser. Am Chiemsee gibt es eine Stelle, die ähnlich ist.

Das war sie nun, unserer erste größerer Seestrecke auf dieser Reise mit bisher 1001 Seemeilen. Anstrengend war es! Das Wache gehen, die drei Stunden Schlaf, abwechselnd das Boot übergeben, die Schaukelei in den Wellen, nicht nur rauf und runter, sondern auch seitwärts und über die Diagonale. Das machte müde, besonders Tina hatte anfangs mit Übelkeit und später mit Müdigkeit zu kämpfen. Zu tun hatten wir nicht viel, denn der Autopilot hat die ganze Zeit gesteuert. Wegen des bedeckten Himmels konnten die Solarzellen nicht viel bringen, also mussten morgens und abends ein gute Stunde ein Motor mitlaufen, immer abwechselnd auf der Seite, wo keiner schlief. Nach zwei Tagen waren wir soweit, dass wir in unseren Freiwachen sofort einschliefen und die ganze Wache ausnutzten. Tagsüber war es schwierig, etwas an Bord zu erledigen. Das Schloß von der Toilettentür war kaputt gegangen, Peter hat versucht, es zu reparieren, aber bald aufgegeben. Bei der Schaukelei war jeder Handgriff doppelt schwer. Peter konnte gut lesen, Tina wurde übel dabei. Tina war erschrocken über die hohen Wellenberge und ängstlich wegen der Schläge der Wellen von unten gegen das Brückendeck. Erst allmählich sah sie, wie das Boot von alleine die Wellen nahm und gewann Vertrauen in die Stärke des Rumpfes. Belohnt wurde diese Mühe durch La Coruna! Wir sind fasziniert von dieser Stadt. Wir wandern durch die Stadt, Granitplatten unter den Füßen, enge Gassen, nach jeder Ecke ein neuer Ausblick, ein kleiner Platz, noch ne’ Kirche, enge Straßen mit Cafe an Cafe. Als Besonderheit haben die Häuser hier schmale gläserne Vorbauten vor der Fassade, um im Winter den Regen und den Wind und im Sommer die Hitze abzuhalten. Wir sind erstaunt, wie sauber die Straßen sind, wie rücksichtsvoll die Autofahrer und wie freundlich die Verkäuferinnen sind. Jetzt werden wir einige Tage diese Stadt genießen, uns mit detailierten Seekarten für den nächsten Abschnitt versorgen und dann langsam weiterbummeln. Wir haben ja durch das günstige Wetter Zeit geschenkt bekommen. Hier fängt erst richtig Urlaub an nach der Eile der letzten zweieinhalb Wochen, dem Stress des Schuljahrendes und der Hektik der Vorbereitungszeit..

2. Alltag an Bord
7. September: Wir liegen in Bayona in einem nagelneuen Hafen und draußen regnet es sich ein, wie bei uns im Herbst in Deutschland. Peter kommt gerade von draußen rein und hat den Schornstein für die Heizung aufgeschraubt! Sind wir wirklich in Spanien? Nach tagelangem sonnigen, warmen Wetter und gutem Wind aus der richtigen Richtung erfahren wir, dass Nordspanien, Galizien, wirklich eine Wetterecke ist, die auch viel Regen und Windveränderungen kennt. Tina nutzt die Zeit, in der es draußen regnet, um ein bißchen zu schreiben:

Die Tage in La Coruna haben uns sehr gut gefallen und nach fast einer Woche werfen wir die Leinen an der Boje los, verabschieden uns am Steg von der Seglergemeinde und segeln mit achterlichen Wind ein Stück dem Cap Finister entgegen, aber immer den Wetterbericht und die Windrichtung im Auge und im Hinterkopf. Bei strahlend blauem Himmel und „eigentlich“ glatter See laufen wir an den Stränden von Coruna entlang. Irgendwie muss ich doch dieser Seekrankheit zuvorkommen und ich höre Peters wohlgemeinte Worte:“ Du mußt dich von Anfang an beschäftigen!“ Ich mache ich mich also mutig aufs Vorschiff, um die Segelkleider zu bergen. Zeit, mich mit dem Schwell an der Boje auseinanderzusetzen, hatte ich ja genug. Jeder Fischer, der in die Bucht rein- oder rausfuhr, hatte meine volle Aufmerksamkeit. Wenn dann seine Heckwelle unsere Rümpfe nacheinander anhob, wurde jede Tätigkeit zur Anstrengung und kostet viel Kraft! Nachdem ich das Segelkleid der Genua geborgen habe, bemerke ich die Dünung, das Schiff geht rauf und runter und hinzu kommt noch eine leichte Welle schräg von vorne. Wie soll man das alles auf einmal koordinieren und dann noch einer einfachen Arbeit wie das Zusammenlegen eines Segelschlauches nachkommen. Tief Luft holen und alles auf einmal machen! Nach dieser Arbeit habe ich das Gefühl, Schwerstarbeit geleistet zu haben. Dann heißt es nur noch hinstellen mit leicht angewinkelten Knien und die Bewegungen des Schiffs mit den Füssen, den Knien und der Hüfte ausbalancieren. Mir fallen sämtliche motorischen Abläufe und Zusammenhänge der Psychomotorik ein und wieder wird mir schlecht.

Mit latenter Übelkeit versuche ich, mich auf die Küste zu konzentrieren. Die bizarren Felsen, denen man das rauhe Klima deutlich ansieht, lassen mich auf andere Gedanken kommen. Nur wenig Bewuchs und Forst sind zu sehen. An einzelnen Stellen sieht man deutlich, dass der Versuch einer Aufforstung betrieben wird. Und an vielen kahlen Stellen säumen Windräder die Küste, die kräftig laufen und sicher eine ganze Menge Energie speisen, aber schön sehen diese gespickten Hügel nicht mehr aus. Durch einen aufgeregten Schwarm Möwen werden wir auf eine Delfinfamilie aufmerksam. Sie kommen neugierig, elegant zu uns geschwommen und begleiten uns in unsere Bootsgeschwindigkeit ein Stück, bis sie wieder ihres eigenen Weges ziehen. Meine Übelkeit ist fast weg! Wir sind fast vor der Einfahrt des Ria de Corme. Der Wind hat deutlich zugenommen und wir haben den Wind jetzt auf die Nase, sodass wir gegenan kreuzen müssen. Eine riesige fjordähnliche Bucht, in die ein Fluß mündet, tut sich vor uns auf. Wir kreuzen in eine kleine Bucht, deren große breite Kaje uns und dem Boot Schutz vor dem Wind gibt. Wir lassen den Anker fallen und haben das Gefühl in eine andere Welt einzutauchen. Windgeschützt, türkisblaues Wasser füllen den Saum des hellen Sandstrandes, Wälder so weit das Auge reicht und wir bekommen wieder das Gefühl, irgendwo in Garmisch zu sein und nicht in Galizien. Überall dort, wo an der Felsenküste ein Stück Sandstrand ist, kann man Boote ans Land ziehen. Das machen seit Jahrhunderten die Fischer und haben ihre Häuser dorthin gebaut. Liegt dann der Sandstrand noch etwas geschützt, sind Ortschaften entstanden. So ziehen sich die Orte ähnlich wie in den Alpen die Hügel hinauf. Nur die ersten Palmen, die gelegentlich auf den Dorfplätzen stehen, erinnern uns daran, dass wir im Süden sind. Der Alltag beim Ankern hat sich so ganz langsam bei uns eingestellt. Der Schwell und die Schiffsbewegungen lassen den ein oder anderen blauen Flecken bei Unaufmerksamkeit noch entstehen. Auch das Kochen ist nicht mehr so beschwerlich wie am Anfang, man bekommt Routine! Beim Fahren auf dem Atlantik ist die warme Küche allerdings noch nicht so routiniert wie vor Anker. Das gilt jetzt nur für meine Person, Peter hat damit nicht die Schwierigkeiten wie ich. Aber verhungern tun wir ganz sicher nicht, denn dafür gibt es noch andere Möglichkeiten der kalten Versorgung!

und „eigentlich“ glatter See laufen wir an den Stränden von Coruna entlang. Irgendwie muss ich doch dieser Seekrankheit zuvorkommen und ich höre Peters wohlgemeinte Worte:“ Du mußt dich von Anfang an beschäftigen!“ Ich mache ich mich also mutig aufs Vorschiff, um die Segelkleider zu bergen. Zeit, mich mit dem Schwell an der Boje auseinanderzusetzen, hatte ich ja genug. Jeder Fischer, der in die Bucht rein- oder rausfuhr, hatte meine volle Aufmerksamkeit. Wenn dann seine Heckwelle unsere Rümpfe nacheinander anhob, wurde jede Tätigkeit zur Anstrengung und kostet viel Kraft! Nachdem ich das Segelkleid der Genua geborgen habe, bemerke ich die Dünung, das Schiff geht rauf und runter und hinzu kommt noch eine leichte Welle schräg von vorne. Wie soll man das alles auf einmal koordinieren und dann noch einer einfachen Arbeit wie das Zusammenlegen eines Segelschlauches nachkommen. Tief Luft holen und alles auf einmal machen! Nach dieser Arbeit habe ich das Gefühl, Schwerstarbeit geleistet zu haben. Dann heißt es nur noch hinstellen mit leicht angewinkelten Knien und die Bewegungen des Schiffs mit den Füssen, den Knien und der Hüfte ausbalancieren. Mir fallen sämtliche motorischen Abläufe und Zusammenhänge der Psychomotorik ein und wieder wird mir schlecht.

Mit latenter Übelkeit versuche ich, mich auf die Küste zu konzentrieren. Die bizarren Felsen, denen man das rauhe Klima deutlich ansieht, lassen mich auf andere Gedanken kommen. Nur wenig Bewuchs und Forst sind zu sehen. An einzelnen Stellen sieht man deutlich, dass der Versuch einer Aufforstung betrieben wird. Und an vielen kahlen Stellen säumen Windräder die Küste, die kräftig laufen und sicher eine ganze Menge Energie speisen, aber schön sehen diese gespickten Hügel nicht mehr aus. Durch einen aufgeregten Schwarm Möwen werden wir auf eine Delfinfamilie aufmerksam. Sie kommen Ganz langsam wohnen und leben wir auf dem Boot wie zu Hause. Lebensmittel werden mit dem Beiboot vom Land geholt und man braucht eine gute Liste, denn diesen Weg macht man nur einmal am Tag, abhängig von der Entfernung des Ankerplatz zum Land. Am nächsten Tag gehen wir nach dem Frühstück und sorgfältiger Navigation ankerauf und segeln mit gemütlichem Wind von achtern aus den Rias heraus. Wir haben uns das nordwestlich vom Ria de Muros gelegene Cabo Fisterre vorgenommen, das Kap Finister, das die Römer während ihrer Besatzungszeit für das Ende der Welt (finis terrae) hielten. 144 m über dem steilen Kliff steht das Leuchtfeuer in den Felsen, noch ein wenig höher liegt die Radarstation von Finisterre- Radio. Sie überwacht das Verkehrstrennungsgebiet 20 Meilen vor der Küste, die hier Costa del Muerte heißt, Küste des Todes. Irgendwo da draußen vor der Küste auf 3000 m Tiefe liegt die „Prestige“ und spendet Öl. Wir hatten welches an unserer Ankerkette und hatte schnell das ganze Vorschiff damit beschmiert. Wir umsegeln das Kap bei 3-4 Windstärken mit Wind von achtern und einem gut stehenden Blister! Also keine Gefahr für uns. Peter versenkt seine alten Segelschuhe vor dem Kap!

Gegen Abend nimmt der Wind wieder zu und wir laufen in die Ria de Muros ein. Eine windgeschützte Ecke für die Nacht bietet uns eine kleine Bucht namens Ensenada de San Franzisco. Auch hier wieder türkisfarbenes Wasser am Sandstrand. Die nächsten zwei Tage verbringen wir in Muros. Das soll laut Reiseführer die schönsten Frauen Galiziens haben. Peter schaut sich die Augen aus, kann den Reiseführer aber nicht bestätigen. Die Insel Cies ist der nächste Höhepunkt für uns. Der Sandstrand ist grandios und die vielen Tagesgäste, die mit der Katamaran-Fähre täglich vom Festland zum Baden kommen, verlaufen sich in den weitläufigen Dünen. Zur Seeseite hin fällt die Insel steil zum Meer ab. Wir machen einen langen Spaziergang, klettern auf die Spitze der Felsen zum Leuchtturm und schauen den Seevögeln zu, die zwischen den Klippen herumkurven. Nach zwei Tagen bezieht sich der Himmel und wir verziehen uns nach Bayona, wo Peter die Heizung anschaltet, siehe oben!

3. Zugvögel
Vor dem Schaukasten beim Hafenmeister in Camret sur Mer in Frankreich steht ein Paar und diskutiert auf deutsch die Wetterlage für die Überfahrt über die Biskaya, kommt zu dem Schluss, dass man in zwei Tagen fahren könne. „Stimmt!“ sagt Peter dazu, ebenfalls auf deutsch - so lernen wir die beiden kennen. Wir tauschen uns aus über das Woher und Wohin und stellen schnell fest, dass sie die gleichen Pläne haben wie wir, ein Sabbatjahr und einmal rund um das Azorenhoch, Peter, Physiker am Frauenhofer-Institut, und Karen, Geographin in einem Planungsbüro aus Dresden. Wir beschließen, während der Überfahrt Kontakt zu halten und funken uns gegen 18 Uhr täglich auf UKW an.

Nach der Überfahrt in La Coruna treffen wir Reiner, siebenundzwanzig Jahre bei einer Bank, und Tina, Notariatssekretärin, am Steg. Beide sind in fünf Tagen ohne Autopilot von England durch gesegelt und völlig entnervt. Reiner hat gleich seine Karten für die Karibik verkauft und beide haben ihre Pläne aufgegeben. Jetzt wollen sie „nur“ noch ins Mittelmeer. Ein bißchen weiter liegt ein holländisches Boot mit einer fünfköpfigen Familie drauf. Henk hat das Boot erst vor einem drei viertel Jahr gekauft mit tausend Liter zehn Jahre altem Diesel im Tank. Jetzt sucht er eine Möglichkeit, den Diesel abzupumpen und zu entsorgen, weil er eine ganze Bakterienzucht drin hat. Seine jüngste Tochter hat es Tina angetan, immer wenn sie vorbeikommen, schäkern sie miteinander. Wieder ein paar Boote weiter liegen Stefan und Ilja. Sie wollen nach Sydney und dort heiraten. Sie haben eine Homepage, auf der sie für ihren Sponsor Berichte ihrer Erlebnisse verfassen (Norderney- Sydney.de).

Von La Coruna aus fahren wir, weil der Wind so günstig ist, in Tagesetappen weiter. In Corme treffen wir Sören aus Schweden wieder, er hat sein Geschäft seinem Sohn übergeben und will nie wieder nach Schweden zurück. Sein Aufbruch schien etwas fluchtartig gewesen zu sein und er hat mehr als nur sein Geschäft zurückgelassen... In Muros liegen wir neben Peter und Karen vor Anker, Tina und Karen pflücken Miesmuscheln von den Felsen, die wir gemeinsam mit anderen Leckereien im Cockpit verspeisen. Bajona ist der letzte Hafen vor Portugal mit guten Einkaufsmöglichkeiten. Wir bleiben ein paar Tage und treffen sie fast alle wieder, die TIMO, die SYDNEY, die INTI, den Olaf aus Dienslaken, den Günter aus Kamen...... In Figuera legt sich ein holländisches Boot neben uns, Wim und Mareike wollen mit ihren beiden Töchtern ebenfalls in die Karibik. Wim hat seine Praxis als Hausarzt verkauft und Mareike ihren Job als Physiotherapeutin aufgegeben, ihre Töchter haben sie nur mit Mühe aus der Schule freibekommen. Beinahe hätten sie die holländische Staatsbürgerschaft aufgeben müssen, nur um die Kinder der Schulpflicht zu entziehen.

In Porto besuchen wir gemeinsam mit Peter und Karen die Portweinkeller von Sandeman und Karens Peter, der nie Alkohol trinkt, nippte auch ein bißchen. Eine Woche lang liegen wir gemeinsam in Lisboa im Hafen. Wir besuchen die alten Stadtviertel, verhandeln mit dem Segelmacher, arbeiten an den Booten, sitzen zusammen und erzählen von unseren Jobs.

In Peniche treffen wir Stefan und Ilja wieder. Ilja hat starke Rückenschmerzen und Tina behandelt sie aus unserer Bordapotheke. Es verschafft ihr zwar Linderung für eine Nacht, aber am nächsten Tag bringt Stefan sie doch ins Krankenhaus. Dort wird sie geröngt, bekommt Spritzen und wird an den Tropf gehängt. Danach geht es ihr wieder besser. Stefan zahlt die Behandlung bar - vierzig Euro! Darin enthalten 3 Euro fünfzig für die Röntgenaufnahme - soviel zum Thema Kostenexplosion im Gesundheitswesen!!! In Sines lernen wir Max kennen, pensionierter Realschullehrer, der alleine segelt, so wie er auch alleine seinen Sohn großgezogen hat. Natürlich segelt auch der Sohn - vor zwei Jahren mit der Mini-transat nach Brasilien. In Cascais an der Mündung des Tejo liegen Stefan und Ilja vor Anker, als wir in die Bucht kommen. Sie wollen am nächsten Morgen direkt nach Tenerifa segeln, mutig und entschlossen. Heute, wo wir wegen des schlechten Wetters in Sines im Hafen liegen, klopfen sie plötzlich an unser Boot. Der Wind hat, ganz untypisch für die Jahreszeit, auf Südwest gedreht und zugenommen. Deshalb haben die beiden vernünftigerweise kehrt gemacht und sind hier hinein gekommen.

So ziehen wir wie ein ganzer Schwarm Zugvögel nach Süden und treffen uns immer wieder. Je öfter wir uns treffen, um so mehr erfahren wir voneinander, lernen Lebensentwürfe und Lebensentscheidungen kennen, manchmal wohlvorbereitet und überlegt, manchmal spontan und risikobehaftet, und wir mittendrin. Bis zum nächsten Mal!

4. Portugal ist ganz anders!
Als wir in La Coruna das erste Mal das Hafengelände verließen und auf die Straße traten, um in die Stadt zu gehen, hielt ein Autofahrer am Zebrastreifen und ließ uns mit einem freundlichen Wink passieren. Sieht man uns an, dass wir drei Tage nicht an Land waren, dachten wir und freuten uns über die Geste. Aber das machten alle Autofahrer an allen Ze brastreifen. Und wie sie es machten, das hatte Stil, spanische Grandezza. Anders in Portugal. Dort ernteten wir böse Blicke, wenn wir unseren Fuß auf die Straße setzten. „Nehmen Sie lieber einen Wagen mit zwei Airbags!“ riet uns die Frau bei der Autovermietung in Portimao. So freundlich die portugiesischen Männer sind, im Auto würden sie zum Stier. Portugal habe die höchste Unfallrate in Europa. In den französischen und spanischen Häfen geht man nach dem Anlegen zum Hafenmeister und bezahlt seinen Liegeplatz, fragt nach dem nächsten Bäcker und das war´s. In portugiesischen Häfen nimmt man seine Schiffspapiere und geht zur Policia Maritima, zum Zoll und zur Hafenbehörde und jedesmal werden Formulare ausgefüllt oder PC´s gefüttert und ein Beamter schreibt, ein zweiter sieht zu und ein dritter kommentiert „Bentz? Hat Ihr Vater eine Autofabrik?“ - „Nein, dann müsste ich Mercedes heißen und nicht Ursula - Maria - Gisela!“ das dauert alles schon eine gute Weile. Dann erst kommen die wichtigen Infos nach Supermercado, Wäscherei, Bank, Internetcafe...

Auf dem Parkplatz im Hafen von Sines steht ein kleines Holzhaus, so groß, dass gut ein Schreibtisch hinein passt. Darin sitzt eine junge Frau in Uniform, frisch gebügelt, mit Pistole am Gürtel - und tut nichts. Neben dem Holzhaus steht ein noch kleineres Holzhaus, etwa kniehoch, darin sitzt ihr kleiner Hund - und passt auf und lässt sich von allen Leuten, die vorbeikommen, ausgiebig streicheln. Man muss sagen, dass in dem Holzhaus über der Tür ein Fernseher angebracht ist. Den sieht man von außen nicht, aber vom Schreibtisch aus. So hat die junge Frau wenigstens etwas gegen die Langweile. Herr Homeier, der Stützpunktleiter auf Porto Santo von Trans Ocean, dem „Verein zur Förderung des Hochseesegelns“ erklärte dies als portugiesische Variante der Arbeitslosenpolitik: die Gehälter der Beamten wurden gekürzt, von dem Geld wurden Arbeitslosen eine Uniform verpasst und ein Posten gegeben und so haben einen Job sind sie etwas.

Portugal hat etwas getan für die Yachties. Im ersten portugiesischen Hafen bekamen wir eine Broschüre in deutsch und englisch mit Beschreibungen, Plänen und sogar Luftaufnahmen der zwanzig Yachthäfen und der jeweiligen Landesteilen, in der Aufmachung beeindruckend, vorbildlich. Da muss die EU wohl Geld gegeben haben. Die Häfen, meist unter staatlicher, selten unter privater Leitung, sind fast fertig mit Steganlagen, Molen und Wasser- und Stromanschlüssen am Steg. Nur für die Außenanlagen reichte es wohl nicht mehr, denn wo die Gebäude schon fertig sind, durchweg aufwendig im postmodernen Stil, wächst drum herum noch Unkraut. Wo die Gebäude noch nicht fertig sind, stehen Container als Provisorien. So begnügen wir uns denn auf unserer Fahrt von Hafen zu Hafen mit abgebrochenen Duschköpfen, rostigen Wasserhähnen und überschwemmten Fußböden. Aber immer gibt es fünfzig Prozent Aufschlag für unseren Katamaran. Da hilft kein Argumentieren, dass wir nur ein schmales Boot haben und nicht mehr Platz als ein großes Motorboot einnehmen, 50 % ist Vorschrift!

Wir sind erstaunt darüber, wie viele Einzelhandelsläden es in den Städten, (noch?) gibt für Metallwaren, Möbel, Kinderkleidung, Trikotagen, Schuhe (Peter hat gleich zweimal, Tina einmal zugeschlagen). Die Angebote waren günstig, aber die Qualität überzeugte uns nicht immer. Überrascht waren wir über das mäßige Angebot an Lebensmitteln. Fisch in Dosen, na klar, jede Menge. Aber Gemüse und Obst? Wir sahen Tomate, grün, ungleichmäßig, mit braunen Flecken, wie aus dem Garten. Von Spanien her kannten wir eine Auswahl von sechs verschiedenen Tomatensorten, verschiedene Äpfel und Pfirsiche, auch eine Sorte, die wir noch nie gegessen hatten, eine schöner als die andere. Portugal, obwohl traditionell ein Agrarland, scheint den Produktionsstandard der anderen EU-Länder noch nicht erreicht zu haben. Die besten Weintrauben und Nektarinen werden aus Spanien importiert. Nur die Bananen sind aus Madeira, das ja auch zu Portugal gehört, und die schmecken hervorragend, aromatisch, fest im Biss und nicht so mehlig wie die amerikanischen. Wir sorgen immer für einen genügenden Vorrat. Dass sie optisch nicht mit Chicita konkurrieren können, stört uns nicht. Als wir uns verproviantieren wollen, um für die Karibik einen Vorrat an Grundnahrungsmitteln zu haben, geben wir in unserer Verzweiflung www.lidl.ptein und merken uns die Häfen.

In den Cafes, auch den noblen, erstaunt uns die einfache Einrichtung. Wir sitzen auf Stahlstühlen an Stahltischen in kahlen Räumen. Viel Personal steht rum, schwatzt mit einander und muss gerufen werden, wenn wir etwas bestellen wollen. Parallelen zur Ex-DDR fallen uns ein. Portugal hat ja nach Salasar auch seine sozialistische Phase gehabt. Wir sehen den anderen Gästen zu und amüsieren uns über die Handymanie. Zu - hören bringt uns garnichts. Zwei Semester Volkshochschule reichen gerade, die Überschriften der Tageszeitungen zu erahnen. Die gesprochene Sprache bleibt uns leider ganz fremd. Portugiesen sind Weltmeister in der Kunst, aus drei Wörtern eins zu machen. Ganze Silben verschwinden. „Sesimbra“ und „Setubal“, zwei hübsche Städte südlich von Lissabon, werden zu „Schimbre“ und „Stubl“ und keine Gelegenheit wird ausgelassen, wo es geht oder nicht ein „sch“ einzufügen. Das gesprochene Portugiesisch zu lernen, wäre eine echte Herausforderung! Tina hat Peter zum Geburtstag eine CD mit Fado geschenkt, das Booklet mit den Texten war dabei, aber außer „Lischboa, Lischboa“ können wir nichts identifizieren. Fado-Freunde mögen uns verzeihen, aber nach mehrmaligem Hören finden wir die Stücke nicht mehr melancholisch, sondern irgendwie jammervoll - fader Fado. Der Führer schreibt, die Melancholie des Fado spiegelt die Sehnsucht der Portugisen nach dem verlorenen Goldenen Zeitalter, als Portugal das reichste Land Europas war und es allen gut ging. Das war von 1495 bis 1521. Bisschen lange her - eigentlich genug Zeit, um inzwischen etwas Neues auf die Beine zu stellen... Die Stadt Porto besuchen wir mit dem Bus, schlendern durch die echte alte Altstadt und sind begeistert. Steilste Strassen, verwinkelt, verschachtelt, übereinander gebaut, Restaurant an Restaurant. Die Leute lachen uns an, wie wir Fremden uns durch ihr Gewusel bewegen. Natürlich gibt es einen Besuch und eine Führung bei Sandeman. Wir erfahren was über Portweinproduktion in Deutsch. Unsere Führerin ist in Berlin groß geworden. Wir probieren und nehmen was mit.

Peniche ist eine großer Fischereihafen. Wir schaukeln im Dauerschwell von den ein- und auslaufenden Fischerbooten. Jedesmal wenn ein Fischer rein fährt, tags oder nachts, ertönt kurze Zeit drauf eine Sirene wie bei einem Feueralarm. Sie ruft die Fischhändler zur Auktion für den Fang.

Cascais, der Badevorort von Lissabon, mondän, reich, hektisch, aber schon mit einer Ahnung Algarve. Hier gibt es die höchsten Marinapreise, keiner von den Yachties geht rein, alle ankern vor dem Strand.

In Lissabon bleiben wir eine gute Woche. Wir erkunden die Stadt mit der Straßenbahn. Aber unser Aufenthalt leidet unter den großen Entfernungen. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten erfordern immer lange Anfahrten oder Fußmärsche. Dafür haben wir die Amüsiermeile gleich nebenan. Die alten Hafengebäude und Lagerhäuser sind mit viel Stahl und Glas renoviert und zu einem Businesspark umgebaut. Der wird zwar noch nicht so ganz angenommen, dafür aber die Diskos um so mehr. Um ein Uhr nachts geht der Betrieb los. Um drei Uhr nachts sind alle Parkplätze voll, techno im einhundertzwanziger Beat dröhnt über das ganze Ufer des Tejo. Peter steht um vier Uhr auf, um sich das Ganze anzusehen, schlafen ist eh nicht mehr möglich. Die Jugendlichen, gestylt, stehen in Gruppen vor den Diskos, wechseln von hier nach da, unterschiedliche Musikstile sind raus zu hören, ein bisschen Shit in der Luft, viel Handy-Gepiepse. So geht das jede Nacht der Woche bis morgens um sieben, halb acht. Bei zwei Millionen Einwohnern gibt es scheinbar immer genug Menschen, die sich an jedem Wochentag die Nacht um die Ohren schlagen wollen...

Also: Lissabon ist für uns sehr laut. Der Yachthafen liegt nahe der großen Hängebrücke über den Tejo. Eigensinnigerweise haben die Ingenieure die Brücke nicht mit einem Asphaltbelag belegt, sondern mit Gitterrosten. Da kann man von unten den Autos unter die Röcke schauen, aber es surrt ständig. Zudem liegt der Flughafen so, dass die Einflugschneise über das Stadtzentrum geht. Ab achtzehn Uhr schwebt alle zehn Minuten ein Flieger mit ausgefahrenem Fahrwerk über die Brücke und die dahinter liegenden Stadtviertel. Dann ist da auch gerade Rushhour. Ob die Menschen, die hier leben, wohl gefragt worden sind? Am Großsegel sind die Lattentaschen durchgescheuert, nicht von zuviel Wind sondern von zu wenig, dann flappen die Segel. Das muss repariert werden und es dauert seine Zeit bis wir in Lissabon einen Segelmacher gefunden haben, der das kann. Alle, die wir fragen, sind sehr hilfsbereit. Aber der einzige, der es kann, kommt nur donnerstags. Zudem hat er seine Werkstatt auf der anderen Tejoseite. So kommen wir noch in den Genuss einer einstündigen Flussfahrt mit der Fähre, als wir das reparierte Segel wieder abholen.

Nach Lissabon sind wir in Sines (siehe oben) für ein paar Tage eingeweht. Es pustet gewaltig, aber schlimmer ist der Schwell, der in den Hafen steht. Wir haben zum Glück einen Liegeplatz weit innen. Einige Yachten, die schon auf dem Weg nach Madeira oder den Kanaren waren, kommen zurück und laufen in Sines ein. Irgendwie beginnen wir doch mit den anderen mit zu denken und zu fühlen. So sind wir froh, als wir sie in den Hafen kommen sehen. Als der Wind abnimmt, machen wir uns auf zur Algarve. Anfangs bläst es noch und wir haben die dicken warmen Überlebensanzüge an. Doch als wir um die Ecke fahren, d.h. das Kap St. Vincente, den südwestlichsten Punkt Europas, umrunden, wird es schlagartig wärmer (gemessen um drei Grad). Wir sind an der Algarve!

5. Anders als gedacht!
Oder: was wir erwartet hatte und wie dann alles anders kam. Mit der Algarve verbinden wir einen Traum. Die Landschaft ist faszinierend, die Strände goldgelb, das Wasser klar, die Luft seidig und warm. Als wir um das Kap Sao Vincente biegen, auf dem Heinrich der Seefahrer seine Seefahrtschule errichten ließ, wird der Wind innerhalb von Minuten um drei Grad wärmer. An einem anderen Kap sehen wir Ausflugsboote. Wir stoppen die RUNNING DEER, rollen die Segel weg, schnell ist der Anker ausgebracht und das Beiboot zu Wasser und so machen wir mutig unsere eigene Rundfahrt durch die Felsgrotten. Uns ist mulmig zumute, aber es ist zu spannend.

Die Städtchen, die wir anlaufen, sind gemütlich und leer, weil im Moment keine Saison ist. In Portimao liegen wir einige Tage in einer schicken Marina und beobachten reiche Leute auf großen Yachten. In Alvor sehen wir lange Zeit jungen Künstlern zu. Die machen hier wohl einen Workshop in Bildhauerei und bearbeiten mit Flex, Mundschutz und Schutzbrille ausgewachsene Felsbrocken. In Faro geraten wir in eine Gruppe adrett gekleideter Wirtschaftsstudenten, die ihre Mittagspause in einem Altstadtcafe machen, und sind erstaunt, wie diskret vornehm sie sich verhalten, obwohl sie unter sich sind.

Unser Traum ist seit langem, ob wir in diesem Landstrich wohl einen Wohnsitz für später finden könnten. Wir fahren mit dem Auto die Küste ab von Faro bis Lagos und ins Landesinnere. Die angebotenen Wohnungen sind teuer und liegen zumeist in touristischen Hochburgen. Faro hat eine Uni mit studentischem Leben. Die Sprache zu lernen, müsste hier wohl möglich sein. Für einen Flug nach Münster zahlt man 114,- Euro. Aber die günstigen Flugpreise, die Infrastuktur, die Gestaltung der Städtchen, alles hängt am Tropf des Tourismus und der ist im Sommer fürchterlich. In einem Restaurant essen wir hervorragend Piri Piri, marokkanisch gewürztes Huhn, wir kommen mit dem Wirt ins Gespräch und er bietet uns den ganzen Laden zum Kauf an. Er will mit seiner amerikanischen Frau zurück nach Californien. Das ist nett gemeint, aber nicht das, was wir suchen. Wir hatten gehofft, soviel zu erfahren, dass wir der Realisierung unseres Traumes näher kommen. Aber wir sind unentschlossen und mit wehmütigen aber auch zwiespältigen Gefühlen legen wir nach einer Woche ab und machen uns auf den Weg nach Madeira.

Für die Überfahrt waren uns günstige Winde vorausgesagt. Die finden wir immer bei www. wetterzentrale.de/topkarten und dann links oben zu „Wind und Wellen“ klicken. Am ersten Tag lief es gut, abends kam ein Gewitter, vor dem wir uns in Sicherheit brachten. Am zweiten Tag konnten wir den Blister setzen und bis zum nächsten Mittag stehen lassen. Dann hatte auch er keinen Wind mehr und wir mussten motoren. Der Atlantik wurde ruhig wie ein Ententeich. Selbst die Dünung war nicht mehr zu spüren. Am dritten Tag fing Tina eine fünfzig Zentimeter lange Goldmakrele, die für zwei Mahlzeiten reichte. Unsere Wachen gehen jetzt im gemischten Rhythmaus, zwischen sechs und acht abends wird gekocht, gegessen und gespült, von neun bis nachts um eins wacht Tina, von eins bis fünf Peter, dann bis neun Tina und Peter macht danach das Frühstück, das wir beide gemeinsam um elf halten. Die Nächte waren so ruhig, dass wir nur alle viertel Stunde einen Rundumblick machen mussten. Peter konnte seine Hundewache benutzen, Briefe zu schreiben. Ein Motor lieferte ja genug Strom für den Laptop. So kamen wir nach achtzig Motorstunden nach Porto Santo, der ungleichen Schwester von Madeira.

Porto Santo, zu deutsch etwa Heiligenhafen (Was, weiter seid ihr nicht gekommen?), ist karg, wenig bewachsen und kaum spektakulär, wäre da nicht ein acht Kilometer langer goldgelber Sandstrand, der flach ins klare Wasser geht, bevor das Wasser drei Tausend Meter tief abfällt. Deshalb wärmt sich das Wasser auch besser auf und das Bad am Morgen nach der Ankunft war ein Genuss. Dass dort relativ viele Menschen wohnen, hängt wesentlich mit der früheren Natobasis zusammen. Die hatte dort die Mitte der Insel platt gewalzt, einige Hügel versetzt und Täler aufgefüllt, um drei Tausend Meter Landebahn anzulegen. Heute liegt das fast alles brach, nur noch einmal am Tag kommt eine kleine Propellermaschine. Aber die Insel ist dadurch fast zweigeteilt. Der Rundfahrtbus besuchte erst die eine Hälfte, machte dann einen Riesenbogen, um dann den anderen Teil anzusteuern. Wir schlendern an diesem sagenhaften Strand entlang zu der kleinen Ortschaft, alles ist hübsch angelegt, ein postmodern gestalteter Hauptplatz mit dem entsprechenden Gemeindehaus und Geschäften drum herum, mit Tiefgarage für die Autos der Gemeinderatsmitglieder. Alles geht etwas langsamer, gemütlicher, für das Einklarieren muss man sich eine Stunde Zeit nehmen. Wir bleiben eine Woche, genießen die Langsamkeit und segeln dann den Katzensprung zu der mondänen Schwester Madeira.

Churchill war da und Kaiserin Sissi, na, und wir also auch. Die vielen englischen Gäste haben ihren Stil hinterlassen, very british, war unser Eindruck. Von diesen Gästen lebt eigentlich Madeira und die kommen entweder für einen Tag oder kaum mehr mit dem Kreuzfahrtschiff - jeden Tag lagen ein oder zwei dieser schwimmenden Hotels im Hafen - oder sie kommen mit dem Airbus, für die eigens eine Landebahn auf Stelzen ins Meer gebaut worden ist. Und sie kommen nach Madeira in den ewigen Frühling. Tina schwelgte im Betrachten der Blumenpracht, die, obwohl es Ende Oktober war, noch immer frisch aussah. Wie prachtvoll muss es wirklich im Frühjahr hier sein! Ein Augenschmaus war die Markthalle, das Obst zu Pyramiden aufgebaut, Möhren in Reih und Glied gelegt, Christophene, ein Mittelding zwischen Gurke und Zucchini, Datteln, Feigen, Strelizien, Challa, Hibiskus, Hortensein, Geranien (kennen wir doch!)... und Fisch. Weil es an der Oberfläche fast nichts mehr zu fischen gibt, hat man sich auf Tiefseefisch spezialisiert, der Degenfisch z.B. ist armdick, knapp zwei Meter lang, schwarz, hat riesengroße Augen und wird in tausend Metern Tiefe geangelt. Uns war sein Fleisch etwas zu weich, oder lag es an der Zubereitung? Wir haben im Vorhafen geankert, trafen einige der Zugvögel aus den früheren Häfen wieder und verbrachten viel Zeit mit ihnen. Das Einklarieren hatte zehn Minuten gedauert, es geht also auch so. Leider war das Wetter nicht ganz so gut. Madeira hat zwei Wochen Regen im Jahr, sagt der Reiseführer, eine im November und eine im Oktober. Die hatte das Ehepaar aus Belgien, mit dem wir uns im Bus unterhielten, komplett gebucht. Wie unangenehm der Regen sein kann, haben wir zu spüren gekriegt, als wir mit der Seilbahn in den berühmten Villenvorort Monte gefahren und dann ohne Regenschutz zu Fuß den Berg runter gegangen waren, wir hatte keine trockene Faser mehr am Leib. Erstaunlich wie man die Straßen an den Berg gebaut hat, parallel zum Hang oder senkrecht hinauf, fünfunddreißig Prozent Steigung war nix. Da ist „Anfahren am Berg“ wirklich eine Kunst.

Tina hat eine wunderschöne Wanderung gemacht zusammen mit dem Paar aus Dresden von der INTI entlang der Levadas. Das sind Bewässerungskanäle, die das Wasser aus den Bergen in die Anbauflächen leiten, kilometerlang mit wenig Gefälle immer dem Verlauf der zerklüfteten Berghänge folgend. Die Kanäle und damit das Wasser sind seit Generationen in den Händen weniger reicher Familien, die Bauern müssen das Wasser kaufen. Zu dem mondänen Funchal waren die ärmlichen Dörfer im Hinterland ein herber Kontrast. Peter ist derweil an Bord geblieben und hat auf die Schiffe aufgepasst, denn an diesem Tag war viel Wind und wir waren uns der Anker nicht sicher. In einer Nacht zuvor war nämlich unser guter Anker geslippt und ein freundlicher Segelnachbar war mit seinem Schlauchboot morgens gekommen und hat uns geweckt, bevor wir ins offene Wasser gedriftet waren. Neun Tage waren wir auf Madeira. Dann lockte das nächste Ziel, Lanzarote.

Für die Überfahrt hatte der Wetterbericht 4 bis 5 Bf aus Nordwest angesagt, also eigentlich eine für unser Ziel günstige Richtung. Etwa zwei Tage rechneten wir für die 260 Meilen. Leider war der Himmel wieder stark bewölkt und es regneten auch gelegentlich, also ungemütlich trotz der 22 Grad Lufttemperatur. Der erste Tag lief recht zügig. Die beiden von der INTI waren schon drei Stunden vor uns gestartet - die kommen morgens immer schneller in die Klotten als wir. Am zweiten Tag nahm dann der Wind etwas zu, so dass wir sie bis auf Sichtweite einholen konnten. Doch am zweiten Abend, Tinas Wache hatte gerade angefangen, nahm der Wind noch stärker zu. Was wir nicht erwartet hatten, war, dass er nicht wie angesagt aus Nordwest, sondern aus Nordost kam. Wenn der Wind so einen halben Tag mit fünf bis sechs Bf geweht hat, bläst er ganz schön hohe Wellen vor sich her. Wir schätzten sie auf zwei bis drei Meter. Wenn er dann weiter zunimmt, werden es auch schon mal vier Meter. Ungünstig für uns war nun, dass wir mit unserem Kurs nach Südost - von Madeira muss man wieder ein Stück zurück nach Osten, um nach Lanzarote zu kommen - dass wir also auf diesem Kurs den Wind und diese Wellen genau querab hatten. Da macht sich dann ein Nachteil des Katamarans bemerkbar: die anrollenden Wellen heben erst den einen Rumpf, klatschen dann mit einem Donnerschlag unter das Brückendeck, heben dann den zweiten Rumpf, während der erste sich wieder ins Wellental neigt. Da bleiben auch bei uns keine Tassen mehr auf dem Tisch stehen. Durchs Schiff zu gehen wird zum Balanceakt, wenn man irgendwo hingehen will und das Bein hebt, ist das Schiff schon woanders, bevor man den Fuß wieder auf den Boden gesetzt hat. Also eine Zeit der Knuffe und blauen Flecken. Außerdem bringt diese Kombination aus querlaufenden Wellen und querblasendem Wind den Kat auch leicht in die Gefahr, dass er umgeblasen wird. Als Tina nun immer öfter 28 bis 30 Knoten auf dem Windanzeiger ablas und die weißen Schaumstreifen auf uns zu rollen sah, wurde ihr doch etwas mulmig. Sie kuppelte den Autopiloten aus, um mit der Hand zu steuern und das Boot gegebenenfalls nach Lee zu lenken. Das ist bei einem Kat anders als bei einem Einrumpfboot: wenn eine Böe kommt, fällt man ab und entlastete durch die Drehbewegung den Leerumpf. Der Autopilot hält jedoch trotz Böen unbeirrt seinen Kurs. Das kann gefährlich werden. Tina weckte mich dann und wir refften die beiden Segel noch ein Stück weg. Wir beobachteten dann eine Zeit lang beide, wie sich Wind und Welle und Bootsbewegungen weiter entwickeln würden. So richtig schlafen konnten wir dann doch nicht mehr in unseren Freiwachen, und erst als es hell wurden, so gegen sieben Uhr, nahm dann der Wind etwas ab und wir konnten uns ausruhen. Hätte der Wind weiter zugenommen, so hätten wir unseren Kurs ändern müssen, so dass die Wellen das Boot von achtern nehmen. Allerdings hätten wir dann hinterher auch wieder zurück segeln müssen. Na ja, einige Stunden in den falsche Richtung segeln, kann man dann schon verschmerzen. Mittags erreichten wir La Graciosa, eine kleine Insel nördlich von Lanzarote, und wieder erlebten wir das Gleiche wie vor dem Kap St. Vincente, wir bogen um die Ecke, die Wellen waren weg, der Wind nahm ab, wir sahen einen wunderschönen goldgelben Strand, das Wasser ruhig und blau. Auf drei Metern Tiefe ließen wir den Anker fallen. Ankommen ist das Schönste.

6. Herb aber interessant.
La Graciosa, die Anmutige, ist die erste der Canarischen Inseln, die wir anlaufen. Sie ist klein, kaum größer als Bielefeld. Ein wenig wie der Planet des kleinen Prinzen, denn es gibt vier kleine Vulkane, viel Sand, keine Bäume, keine befestigten Straßen und nur ein kleines Dorf. Die Fischer fangen nicht mehr viel, aber einige Touristen bringen Geld. Die Häuser sind einstöckig, weiß, ohne Dach und wie Bausteine auf den Sand gesetzt. Es gibt drei Häuserreihen, jetzt meist als Ferienwohnungen, und dazwischen breite Straßen aus goldgelbem Sand. Mittags durch den Ort zu gehen, lässt Bilder aus Westernfilmen aufkommen, der Gang wird wiegend, die Augen zum Schlitz, die Hände an den Hüften, high noon in Santa Fee...

Wir liegen zunächst in einer Bucht, schlafen aus nach der anstrengenden Nacht, springen ins Wasser und erholen uns. Auf dem Weg zum Dorf sehen wir einen großen Rennkatamaran auf dem Strand liegen. Juan, ein Segelmacher aus Barcelona, erzählt uns dessen Geschichte: Der Kat gehörte dem Mann, er sich bei einem Transatlantikrennen ein Stück von der Zunge abgebissen hatte und es dann mit funkärztlicher Unterstützung selber wieder angenäht hat. Das ging damals durch die Presse. Danach ging der Kat auf Urlaubsreisen und vor Graciosa hielt der Anker nicht und er wurde über die Felsen auf den Strand gesetzt. Dabei wurden nur die Rümpfe von unten beschädigt. Juan hat das komplette Boot gekauft, sich ein Zelt daneben aufgestellt und repariert die Rümpfe. Er ist bald fertig und wir diskutieren mit ihm die Möglichkeiten, das Boot wieder heile über die Felsen in sein Element zu bringen. Ein Kat in der Wüste auf dem Sand ist auf die Dauer deplaziert.

Am Nachmittag verholen wir uns in den Hafen von La Graciosa und suchen den Hafenmeister zum Einchecken. Er ist nur selten erreichbar und offensichtlich nicht sehr erbaut von vielem Scheibkram. Geld will er auch kaum. Wir sind nicht mehr in Portugal! Zu Fuß erkunden wir die Insel. Wir gehen über eine große Sandebene, leer wie eine Wüste, auf einen der Vulkane zu, da klingelt plötzlich das Handy. Tinas Schwester ist dran und will mit ihr ein Schwätzchen halten. Tja, das ist schon merkwürdig mit den Handies.

Nach fünf Tagen segeln wir weiter nach Arrecife, der Hauptstadt auf Lanzarote und bleiben über eine Woche. Mit einem Auto sehen wir uns drei Tage lang die Insel bei strahlend blauem Himmel und 26Grad an. Die Insel hat kaum Vegetation, ist sehr karg, aber sie hat viele bemerkenswerte Gesichter. Eines davon hat uns sehr interessiert. Der Künstler und Architekt Cesar Manrique lebte und arbeitete hier. Die Insel wurde stark durch seine künstlerischen Ideen geprägt. Der Besuch seines Hauses, das nach seinem Tod in eine Stiftung zur Förderung künstlerischer, kultureller und umweltschützender Aktivitäten überging, hat uns beide sehr beeindruckt. Das unterirdische Stockwerk erstreckt sich über fünf Hohlräume vulkanischen Ursprungs. Die fünf Lavablasen wurden von ihm durch kleine Höhlengänge verbunden und bewohnbar gemacht. Die Einrichtung selbst ist im Stil der 60er Jahre. Dieser Wohnstil hat Tinas und Peters Ästhetik damals unabhängig voneinander sehr geprägt, so dass wir es gemeinsam genießen, durch diese 1200 qm Wohnlandschaft zu gehen. Die oberen Etagen beherbergen eine Ausstellung seiner Bilder, die sich ausschließlich mit der Natur und deren Materialien beschäftigt. Tina geriet ins Schwärmen, und wir haben ein Bildband gekauft, um die Eindrücke des Hauses und seiner Kunst mit nach Hause zu nehmen.

Im Hafen in Arecife an unserem Steg liegt ein Polizist der Guadia Civil mit seinem Boot. Er feiert drei Monate Überstunden ab und lebt mit seiner Familie an Bord. Die Kinder werden morgens von der Mama mit dem Auto zur Schule gebracht. Er erzählt uns Geschichten vom Drogenschmuggel und von Yachten, denen auf Trinidad viel Geld angeboten wird, um zweihundert Kilo Koks zu den Canaren zu bringen. Das seien alles nur Ablenkungsmanöver, manchmal bekäme die Guardia sogar Tips, derweil bringt dann eine große Yacht zwei Tonne Koks über den Teich. Peters Tochter Frigga war mit ihrer Familie in dieser Zeit auf Lanzarote im Urlaub. Das war nicht von Anfang an geplant, ergab sich aber so. Um so schöner ist das Wiedersehen. Gemeinsam fahren wir durch die Lavalandschaft des Nationalparks. Die letzten Vulkanausbrüche waren vor zweihundert Jahren, aber es sieht so aus, als wäre es nur zwanzig Jahre her. Lava fließt, wie wenn man Rührteig auf das Backblech gießt. In einigen Metern Tiefe ist es schon 140 Grad warm. Für die Touristen wird Wasser in Erdlöcher gegossen, das dann in einer Dampffontäne hochschießt.

Vor der Weiterreise entdeckt Peter beim Checken des Riggs eine gebrochene Halterung. Zum Glück passiert uns das in Arrecife, denn gegenüber vom Steg gibt es mehrere Werkstätten. Obwohl Peters Spanisch eher poor ist Handwerker verstehen sich schnell mit Zeigen und Handbewegungen. So ist die Halterung schnell geschweißt und der Schaden nach zwei Stunden behoben. Wir fahren weiter in die neue Supermarina nach Plaja Blanca, wo Frigga, Jörg und Juri in einer Ferienanlage mit all inclusiv wohnen. Als wir dort in die Lobby treten, haben wir das Gefühl, in ein mittelgroßes deutsches Bankhaus zu kommen, chromblitzend, mit Marmorböden und automatischen Glastür. Frigga und Familie bewohnen ein Apartment zu ebener Erde, das ist bequem für Juri zum Spielen. Tina und Peter benutzen nach vier Monaten das erste Mal wieder eine Badewanne, all inclusiv! Einen Tag lang laden wir alle ein und segeln zu einem der Papageienstrände zum Baden. Das ist das Richtige für Juri, den Minipiraten.

In der Marina herrscht hektische Stimmung, weil etwa dreißig Segler von hier aus zu einer Parallelrally zur ARC nach Antigua starten. Henning und Katrin haben daher viel zu tun. Sie haben in der Marina gerade einen Betrieb zum Bau von Masten und Riggs aufgemacht. Wir bringen ihnen Grüße aus Portimao, wo wir die neuen Besitzer ihres verkauften Katamarans getroffen haben. Einen Abend verbringen wir zusammen beim PaellaEssen und unterhalten uns über die Lebens und Arbeitsmöglichkeiten für Deutsche auf Lanzarote. Es gibt viel zu tun, aber durch den Tourismus sind natürlich die Mieten und Preise für Häuser völlig aus den Fugen geraten. Die Einheimischen können nur noch weit im Hinterland bezahlbare Wohnungen bekommen und fahren manchmal bis zu fünfzig Kilometer zu ihrer Arbeit in den Touristenzentren. Von Playa Blanca ist es ein Katzensprung nach Corralejo auf Fuerteventura. Peter war vor vierzehn Jahren mal da mit Beatrix. Damals gab es noch viel Fischerei in diesem Städtchen, aber wegen des steten Windes war es schon ein Geheimtip für Surfer. Uns war es damals zu kalt hier oben, daher sind wir mit Mietwagen und Zelt zu den sagenhaften Stränden im Süden gefahren. Jetzt war Peter erschrocken darüber, wie sich der Ort verändert hat. Das Ufer der Bucht ist zur Strandpromenade mit vielen Restaurants ausgebaut, hier kann man schön bummeln und den Leuten auf den Teller gucken, und die ehemalige Einkaufsmeile ist um das vierfache verlängert, hier kann man...

Das Jahr ist ja nun bald zu Ende und richtig, nächsten Sonntag haben wir schon den 1.Advent. Hier auf dem Boot und den Temperaturen von 25Grad geht das doch fast an einem vorbei. Die Geschäfte sind zwar ein wenig dekoriert, aber das ist, glaube ich, nur für die Touristen, von denen es hier auf Fuerte eine ganze Menge gibt. Von der Ursprünglichkeit eines Fischerdorfes ist fast nichts mehr zu spüren, die Engländer haben Fuerte voll im Griff. Entlang des Strands liegen verlassene Hotelanlagen, die von Hunden bewacht werden und direkt daneben, zwischen einer frischen Baugrube wird eine neue noble Bettenburg gebaut. 5 Sterne versteht sich, darunter gibt es hier fast nichts. Die Einkaufsmeile versetzt uns in eine andere Welt, Kitsch, billige Chinaartikel füllen die Schaufensterläden. Die Restaurants haben ihre Angestellten vor den Eingängen postiert, um den vorbeigehenden Leuten bei der Wahl der zahlreichen Angebote behilflich zu sein. Es ist schon erschreckend, wie man so Urlaub machen kann. Wir suchen uns in der dritten Reihe eine nette Tapasbar und stellen fest, dass wir die einzigen Touristen unter spanischen Einheimischen sind, und hier sehr freundlich bedient werden. Das ist das was uns gefällt!! Es gibt Deutsche, die nur unter Deutschen leben, aber die Gemeindeverwaltung bietet Spanischkurse für ausländische Residenten an und lockt mit Kulturprogramm.

Nach zwei Tagen wird der Himmel bewölkt und es beginnt eine Zeit ohne Sonne. Wir finden es kalt bei 22 Grad in der Kabine und holen wieder die Fliesjacken raus. An einem Tag mit weniger Wind und etwas mehr Sonne fahren wir weiter nach Castillo und haben unser erstes unangenehmes Erlebnis auf dieser Reise. Der Boss der Hafenanlage brüllt seine Mitarbeiter an und macht abfällige Bemerkungen über die Deutschen und das macht er auch gegenüber Tina. Sie kontert ihm in Englisch, aber er ist so arrogant mit seinen Bemerkungen, dass sie heulen könnte vor Wut und ihn stehen lässt. Seine Mitarbeiter kommen schließlich zu uns an den Steg und entschuldigen sich für ihn. Wir scheinen nicht die einzigen zu sein, die hier abgezockt werden. Um so besser gefällt uns Gran Tarajal, der zweit größte Hafen auf Fuerte. Wir liegen vor der malerischen Kulisse dieser alten gewachsenen Stadt und beobachten zwei Schulklassen, die komplett zum Wassersport kommt.

Dreißig Zehnjährige und zwei Lehrer, die eine Hälfte paddelt mit Kajaks, die andere Hälfte probiert Optimistensegeln. Viel Gelächter und Gejohle, aber auch Ängstlichkeit. Die Lehrer in Schlauchbooten immer zwischen drin. Das müsste man nach Deutschland exportieren, das Vertrauen in die Fähigkeiten der Kids, für den Wassersport fehlt uns ja die geeignete Fläche. In der Ecke des Hafenbeckens liegen vier etwa fünf Meter lange, einfache Holzboote, zwei davon halb unter Wasser. Wir meinen, dass es wohl Nachbauten von traditionellen Fischerbooten sind. Gegen Mittag kommt ein Patrouillenboot der Guardia Civil und hat ein weiteres solches Boot im Schlepp. An Deck des Patrouillenbootes sitzen etwa dreißig Afrikaner. Erst jetzt begreifen wir das Ganze. In den Holzbooten sind Emigranten aus Marokko des Nachts über das Meer gebracht worden und die Boote wurden von der Guardia aufgebracht. Es ist unbeschreiblich, wie die Enge in den Booten auf die Menschen gewirkt haben muss. Einige können nicht alleine die Kaimauer hochklettern. Sie schwanken und straucheln auf dem festen Boden und werden an die Hafenmauer gesetzt. Wir sind erschüttert und können uns die Angst dieser Menschen, die meist nie das Meer gesehen haben und kaum schwimmen können, vorstellen. Jemand erzählt, dass sie Glück gehabt haben, aufgegriffen worden zu sein, denn wenn sie an einem steinigen Strand anlanden, zerbrechen die Boote sofort und die, die hinten sitzen, können ertrinken, weil sie sich die kurze Strecke bis zum Strand nicht über Wasser halten können. Dieses Erlebnis geht uns noch lange nach.

Eine Zeit mit wolkenverhangenem Himmel. Wieder an einem Tag, an dem die Sonne scheint, machen wir uns parallel zu Marion, Bernd und ihrem Redreaver Sam in ihrer VINETA auf den Weg nach Gran Canaria. Die Fahrt ist schnell, gerade zehn Stunden, aber gegen Abend zieht sich der Himmel zu und lässt für mehrere Tage keine Sonne durch. Das Wetter ist an der ganzen Westseite des Atlantiks grottenschlecht. Wir bereiten uns auf die Überfahrt zu den Kapverden vor. Checken die Motoren, woran die Firma Volvo kräftig verdient, kaufen Lebensmittel ein, beschäftigen uns mit dem Wetter. Das ist das Hauptthema der Segler, die am Steg fünfzehn liegen. Man tauscht Infos und Dinge aus, einmal Stecker Anlöten gegen ein FaxProgramm, die Stimmung ist angespannt, weil alle auf anderes Wetter hoffen, als wir jetzt haben.

7. Vorbereitung, Vorfreude, Vorahnung
Las Palmas, diese elegante Metropole hat uns ganz schön in Atem gehalten. Wir kannten die Stadt schon von früheren Besuchen mit dem Flugzeug und immer wieder zieht sie uns in ihren Bann. Aber der Termin zur Abfahrt stand ja nun an und zuvor mussten noch Einkäufe für drei bis vier Wochen gemacht werden. Zum Glück waren die Leute im Hiper Dino, so heißt eine Supermarktkette in Spanien, schon durch die ARC darauf eingestellt, den Seglern kistenweise Lebensmittel an den Steg zu bringen. Die ARC Stimmung hatte auch uns eingeholt. Das sei kurz erklärt. ARC heißt Atlantic Rally for Cruisers und ist eine Ansammlung von Leuten, die unter dem Vorwand, eine Rally zu fahren, gleichzeitig über den Atlantik segeln, um sich gegenseitig Mut machen. So sieht Peter das. Mittlerweile ist das eine Großveranstaltung geworden mit zweihundert fünfundzwanzig Booten und etwa tausend Teilnehmern. Es gibt einen gemeinsamen Start, ein Rating der Boote, wodurch kleinere Boote gegenüber den großen eine Zeitvergütung erhalten. Also nicht wer zuerst ankommt, hat gewonnen. Es gibt Sieger nach gesegelter und nach berechneter Zeit und das in den verschiedenen Klassen.

Die meisten Boote sind von ihren Eignern nach Las Palmas gesegelt worden. Die meisten Crews sind zusammengewürfelt aus Leuten, die ihren Jahresurlaub aufgespart haben, um für vier Wochen eine Koje bei der ARC zu chartern. Es geht immer in der letzten Novemberwoche los, damit die Crews Weihnachten wieder Zuhause sind. Und es gibt ein Rahmenprogramm zur Vorbereitung mit Seminaren zum Thema Sicherheit oder Wetter. Das ist es, was die ARC so populär gemacht hat. Denn sie vermittelt das Gefühl der Sicherheit für die Atlantiküberquerung durch die Organisation und durch den Pulk, in dem man gemeinsam losfährt.

Vor dem Start entsteht Hektik. Die Boote werden vorbereitet, meist unter Zeitdruck, und die Leute haben unterschiedliche Strategien, mit ihrer Angst vor der Überquerung, vor den Nächten und vor dem Atlantik umzugehen. Und genau dem wollten wir uns nicht aussetzen und sind deshalb erst Anfang Dezember nach Las Palmas gesegelt. Außerdem kriegt man vor dem Start keinen Platz mehr im Hafen. Wie wir dachten auch viele andere Segler und so trafen sich nach der ARC in Las Palmas die ARC-Verweigerer und machten eine ähnliche Hektik...

Wir wurden von Lothar begrüßt, der mit seinem Katamaran und Freundin Renate von Rostock zu den Kanaren gesegelt war und über seine Erfahrungen geschrieben hatte. Das war eine von Peters Vorbereitungslektüren für die Fahrt. Lothar erzählte uns begeistert von seinen Möglichkeiten, über Funk auf Kurzwelle emails zu verschicken und er brachte uns mit Fred zusammen. Den kannte Peter schon aus früheren Reiseberichten. Jedenfalls schilderten uns die beiden die SailmailSache so, dass sie uns genau an dem Punkt erwischten, wo wir Lust bekamen, nämlich Mails von unterwegs auf hoher, hoher See an die Lieben zu verschicken und zu empfangen. Also machten wir Kassensturz und schliefen eine Nacht drüber und bestellten. Jetzt hat die RUNNING DEER eine Peitschenantenne am Heck in Form einer schönen blauen Angelrute und der Backbordrumpf ist innen mit Kupferblech ausgekleidet (eine Sauarbeit für Peter), um ein Gegengewicht zu der Antenne zu haben. Auf Tinas Uralt-Laptop wurde Platz geschaffen für das Programm, wir kriegten Einweisung, bis wir’s einigermaßen beherrschten und dann ging es los. Unsere Weihnachts und Neujahrsgrüße müsstet ihr ja schon bekommen haben, wenn dieser Bericht raus geht, mit allen Einschränkungen, die dieses neue Medium mit sich bringt, z.B. dass diese Berichte zu lang sind und wir sie auch weiterhin über Internetcafés verschicken werden...

Es ist jetzt drei Uhr nachts, wir sind auf dem Weg zu den Kapverden, Peter hat die Hundewache und der Motor brummt unter der Koje. Gerade war er im Cockpit, um den üblichen Sicherheitsrundumblick zu machen. Aber es ist nix los auf der Gass. Außer dass ihm plötzlich ein fliegender Fisch vor die Füße ins Cockpit fällt. Den hat er erst mal wieder dahin befördert, wo er hingehört. Jetzt stinken seine Finger nach Fisch. Der Wind hat nachgelassen. Die RUNNING DEER dümpelt mehr in der alten Dünung, als dass sie fährt. Deshalb läuft jetzt der Motor und liefert Strom für den Laptop.

Heute Nachmittag haben wir endlich die Art von Besegelung gefunden, mit der wir am bequemsten und schnellsten vorwärtskommen. Der Wind kommt etwas schräg achterlich und wir haben die Genua nach Lee ausgebaumt und die kleine Fock fliegend, d.h. nur oben und unten befestigt, nach Luv gesetzt. Das brachte uns bei fünfzehn Knoten Wind immerhin sieben Knoten Fahrt und das Boot lief wie auf Schienen gerade aus.

Wir haben schon viel herum experimentiert mit der Segelstellung, aber entweder lief das Boot beim Runterrutschen von der Welle aus dem Ruder und der Autopilot musste heftig korrigieren, oder alles war zu kompliziert. Z.B. die Sache mit dem Fallschirm. Peter hatte vor einiger Zeit in der Yacht einen Artikel gelesen, wie jemand einen Fallschirm zum Segel benutzt hat und damit erfolgreich über den Teich gefahren ist. Dabei wurden viele Vorteile dieser Art des Vortriebs genannt, etwa dass die Segel nicht einfallen, wenn das Boot im Wellental ist, weil der Fallschirm immer über der Dünung schwebt oder dass kein Schatten von den Segeln auf die Solarzellen fällt und die immer gut die Batterien laden. Also, das hat ihn so begeistert, dass er sich Fallschirme besorgt hat, abgelaufene Fallschirme von den Segelfliegern, die die nach zwölf Jahren nicht mehr benutzen dürfen. Eine Anzeige in der Fachzeitschrift genügte und schnell waren fünf Fallschirme in der Schorenstraße.

Dann kam die Praxis. Vor der Bretagne war guter Wind und hoch mit dem Ding, ein schöner blau weiß roter Ex-Drachenfliegerschirm. Er stand sofort und zog das Boot gleich schnell wie der Blister durchs Wasser. Dafür liefen die entgegenkommenden Boote aus dem Ruder, weil ihre Steuerleute vor Staunen nicht mehr auf den Kurs achteten. Dann ließ der Wind etwas nach und wir setzten die Genua dazu. Da stimmte die Fahrt wieder. Aber der Fallschirm wurde jetzt durch den zusätzlichen Fahrtwind von der Genua zur Seite gedrückt, so dass er eigentlich immer quer zum Schiff stand. Bis er dann hinter der Genua gar keinen Wind mehr bekam und zusammenfiel und da lag er auch schon im Wasser und dann fing die Rödelei an. Also, dass ist schön und gut, aber die vielen Leinen auf dem schwankendem Vorschiff zu sortieren ist auch ist kein Vergnügen. Dabei hatte Peter sich das Passatsegeln so vorge stellt, dass er kurz hinter den Kapverden den Schirm hochzieht und vor Trinidad wieder runter holt....

Wir sind noch etwa vierzig Meilen vor der Insel Sal in den Kapverden. Es ist die sechste Nacht seit Las Palmas und wir wollen morgen rechtzeitig im Hafen sein, denn am Abend holen wir Sven vom Flughafen ab. Der wird dann mit uns nach Trinidad segeln.

8. Europa in Afrika
Wir fahren auf den Hafen von Sal zu, Palmiera, im Archipel der Kapverden und erwarten vielleicht drei, vier europäische Boote. Als wir näher kommen, sehen wir an die zwanzig Fahrtenyachten, französische, italienische, eine Schweizer Yacht und drei deutsche. Wir sind also nicht allein. Wir hatten uns vorbereitet auf dieses Land und in den sechs Tagen unserer Überfahrt noch mal viel gelesen. 1974 von den Portugiesen sich selbst überlassen, gehören die Kapverden zu den ärmsten Ländern der Erde. Das merken wir, als wir unseren ersten Bummel durch das Dorf machen. Die Häuser sind klein und viele sind unfertig. Nur wenige Straßen sind gepflastert. Frauen tragen Wasserbehälter auf dem Kopf. Viele, viele dunkle Kinder spielen dazwischen im Sand auf den Wegen oder mit zerbeulten Fußbällen auf den kleinen Plätzen zwischen dem Gerümpel. Die Läden sind meist in einem kleinen Raum untergebracht und bieten nur wenig Ware, ein paar Regalbretter an der Wand mit wenigen Konservendosen drauf. Einheimisches Gemüse gibt es nicht, denn auf Sal wächst nichts. Was angeboten wird, kommt von den anderen Inseln und ist klein und wenig appetitlich. Tina entdeckt auf einem Haus einen TO Wimpel, wir fragen nach und finden Carlos zusammen mit den Crews der anderen deutschen Yachten in einem aus zusammengesuchtem Material gebauten Hinterhof, einem Restaurant. Carlos, der eigentlich Karl Heinz heisst, lebt seit vier Jahren in Palmeira, baut an seinem Haus und ist seit neuestem Stützpunktleiter von Trans Ocean. Er kennt die Insel gut und wir hören von ihm viel über das Leben der Leute, die Merkwürdigkeiten der Entwicklungshilfe (drei Müllautos aus Deutschland, aber keine Tonnen, geschweige denn Müllbewußtsein der Leute; drei Windkraftanlagen aus Dänemark, aber keine Techniker zum Warten, so stehen zwei still...) und die verworrenen Versuche, eine Bürokratie auf zu bauen. Peter kriegt das am nächsten Tag beim Einklarieren auf dem Flughafen zu spüren. Die Beamten im Büro unterhalten sich erst einmal weiter, einer spielt Karten am PC. Nach zehn Minuten wiederholt Peter seine Bitte und wird wieder in die Warteschleife geschickt. Peter schwankt zwischen Ärger und Neugierde, was da wohl als nächstes passiert. Diese Staatsdiener sind sicherlich noch keine Diener des Staates und genießen ihre Macht, den Europäer erst mal waren zu lassen. Dann langes Telefonieren über Gott weiß was und schließlich nach einer dreiviertel Stunde erfährt er, dass sich alles geändert habe und er zur Polizei in den Hauptort Espargos müsse. Dort wieder warten zusammen mit anderen Einwanderern, schließlich wird Peter hungrig und bricht das ganz ab. Erst am nächsten Tag gelingt es mit Carlos Hilfe, die nötigen Stempel in den Pass zu bekommen. Carlos ist es auch, der einen Pickup besorgt und mit allen deutschen Yachties eine Inselrundfahrt organisiert. Wir besichtigen eine Hummerzucht, die etwas Geld ins Land bringt, weil die netten Tierchen lebend direkt nach Paris in die Restaurants geschickt werden. Nach einer langen Fahrt durch wüstenähnliches Gelände nähern wir uns Espargos durch ein Gebiet, in dem sich Einwanderer aus Ölfässern Hütten gebaut haben, Favelas ähnlich, und irgendwie die Zeit verbringen in der Hoffnung auf Arbeit und eine Sozialwohnung. Aber es gibt in Espargos auch einen ganz gut sortierten


klimatisierten Supermarkt, der in eine europäische Kleinstadt passen würde, und eine schicke moderne Bibliothek, ein Geschenk von Luxemburg, aber noch keine Bücher. Aber das ist eine Investition auf die Zukunft, die Analphabetenrate liegt bei 50 %. Fast alle Kinder gehen mittlerweile zur Schule, sechs Jahre lang. Abends besuchen Erwachsene die Schulgebäude und lernen Lesen und Schreiben.

Das einzig wirtschaftliche auf der Insel ist der Flughafen, vor zwanzig Jahren von der ApartheitRegierung Südafrikas zum Auftanken der Flugzeuge gebaut, als die nicht über schwarz Afrika fliegen durften. Ja, da war mal so was, lang ist es her. Jetzt transportieren die Maschinen nicht nur obige Hummer nach Paris und Sven zu uns, sondern auch viele italienische Touristen in die Hotels im Süden der Insel. Dort gibt es einen sagenhaften Sandstrand, den italienische Konsortien touristisch industriell ausnutzen wollen. Leider bleibt das Geld nicht im Land, aber inzwischen hat sich zwischen den Hotels eine einheimische TourismusSzene gebildet, die doch einigen Menschen eine Chance gibt.

Von Carlos Freundin Elisabeth, die eigentlich in Hamburg lebt, aber mehrmals im Jahr ihr Haus mit der Hütte in Palmiera vertauscht, erfahren wir etwas über die Geldprobleme der Nachbarn. Es fehlt an Stiften und Papier für die Kinder in der Schule. Es gibt Lehrer, die Kindern den Schulbesuch verwehren, weil sie keine Hefte haben ein Relikt kolonialistischer Arroganz. Tina gibt ihr einen Teil unserer ausgemusterten TShirts, die wir eigentlich für die Grenadinen mitgenommen haben, und Elisabeth wird damit sicher einigen Kindern eine Weihnachtsfreude machen können. Gemeinsam überlegen wir, ob wir nicht mehr Hilfe leisten können. Wenn wir zurück sind, wollen wir sehen, was wir machen können.

Nach vier Tagen und voll mit Eindrücken verabschieden uns die Segler mit lautem Tuten und wir fahren, jetzt zu dritt, eine Nacht lang zur Insel Sao Nicolau. Wir liegen im Hafen von Tarafal, einem etwas größeren Ort, es gibt richtige Häuserzeilen, einen Markt, sogar ein Internetcafé. Wir haben uns diese Insel ausgesucht, weil auf ihr Obst und Gemüse angebaut wird und natürliches Wasser vorhanden ist, nicht entsalzenes wie auf Sal, schreibt der Führer. Ja, das Obst sind im wesentlichen Bananen und Papayas, das Gemüse Kartoffeln und Möhren, der Salat ist kinderhandgroß.

Wir treffen Hennie, einen mehrsprachigen vielberufigen Holländer, siebzig Jahre alt und seit drei Jahren TO Stützpunktleiter in Tarafal. Er war unter anderem auch mal Koch in großen Restaurants und hatte selber eins in Utrecht. Jetzt macht er ein kleines Entwicklungsprojekt, drei Jugendliche lernen in seinem Haus kochen und servieren. Einen hat er schon auf ein Kreuzfahrtschiff vermitteln können. Wir bestellen ein Abendessen bei ihm und können uns von der Kochkunst seiner Lehrlinge überzeugen, marinierter Thunfisch, Röstkartoffeln, Reis und eine Gemüseplatte, zum Nachtisch flambierte Ananas hervorragend. Wir sind beeindruckt, wie akkurat das Fischbesteck aufgelegt wird. Wir trinken Kapverdenwein und haben selber einen 94iger Gewürztraminer mitgebracht.

Hennie kennt eine Stelle, wo das Meer den Tuffstein ausgewaschen hat, so dass es hinduistischen Tempeln ähnelt. Das besuchen wir und ein abgelegenes Dorf in einem Baranco und tauchen für einen Moment in die fast heile Welt dieses Landes. Wir sehen wieder viele Kinder, die älteren tragen das Wasser in Kannen auf dem Kopf nach Hause, nur wenige Männer, die sind meist im Exil, arbeiten dort und kommen selten heim. So ist es auf den Kapverden auch natürlich, dass die vielen Kinder einer Frau viele Väter haben...

Am nächsten klimatisierten Supermarkt, der in eine europäische Kleinstadt passen würde, und eine schicke moderne Bibliothek, ein Geschenk von Luxemburg, aber noch keine Bücher. Aber das ist eine Investition auf die Zukunft, die Analphabetenrate liegt bei 50 %. Fast alle Kinder gehen mittlerweile zur Schule, sechs Jahre lang. Abends besuchen Erwachsene die Schulgebäude und lernen Lesen und Schreiben. Das einzig wirtschaftliche auf der Insel ist der Flughafen, vor zwanzig Jahren von der ApartheitRegierung Südafrikas zum Auftanken der Flugzeuge gebaut, als die nicht über schwarz Afrika fliegen durften. Ja, da war mal so was, lang ist es her. Jetzt transportieren die Maschinen nicht nur obige Hummer nach Paris und Sven zu uns, sondern auch viele italienische Touristen in die Hotels im Süden der Insel. Dort gibt es einen sagenhaften Sandstrand, den italienische Konsortien touristisch industriell ausnutzen wollen. Leider bleibt das Geld nicht im Land, aber inzwischen hat sich zwischen den Hotels eine einheimische TourismusSzene gebildet, die doch einigen Menschen eine Chance gibt.

Von Carlos Freundin Elisabeth, die eigentlich in Hamburg lebt, aber mehrmals im Jahr ihr Haus mit der Hütte in Palmiera vertauscht, erfahren wir etwas über die Geldprobleme der Nachbarn. Es fehlt an Stiften und Papier für die Kinder in der Schule. Es gibt Lehrer, die Kindern den Schulbesuch verwehren, weil sie keine Hefte haben ein Relikt kolonialistischer Arroganz. Tina gibt ihr einen Teil unserer ausgemusterten TShirts, die wir eigentlich für die Grenadinen mitgenommen haben, und Elisabeth wird damit sicher einigen Kindern eine Weihnachtsfreude machen können. Gemeinsam überlegen wir, ob wir nicht mehr Hilfe leisten können. Wenn wir zurück sind, wollen wir sehen, was wir machen können. Nach vier Tagen und voll mit Eindrücken verabschieden uns die Segler mit lautem Tuten und wir fahren, jetzt zu dritt, eine Nacht lang zur Insel Sao Nicolau. Wir liegen im Hafen von Tarafal, einem etwas größeren Ort, es gibt richtige Häuserzeilen, einen Markt, sogar ein Internetcafé. Wir haben uns diese Insel ausgesucht, weil auf ihr Obst und Gemüse angebaut wird und natürliches Wasser vorhanden ist, nicht entsalzenes wie auf Sal, schreibt der Führer. Ja, das Obst sind im wesentlichen Bananen und Papayas, das Gemüse Kartoffeln und Möhren, der Salat ist kinderhandgroß.

Wir treffen Hennie, einen mehrsprachigen vielberufigen Holländer, siebzig Jahre alt und seit drei Jahren TO Stützpunktleiter in Tarafal. Er war unter anderem auch mal Koch in großen Restaurants und hatte selber eins in Utrecht. Jetzt macht er ein kleines Entwicklungsprojekt, drei Jugendliche lernen in seinem Haus kochen und servieren. Einen hat er schon auf ein Kreuzfahrtschiff vermitteln können. Wir bestellen ein Abendessen bei ihm und können uns von der Kochkunst seiner Lehrlinge überzeugen, marinierter Thunfisch, Röstkartoffeln, Reis und eine Gemüseplatte, zum Nachtisch flambierte Ananas hervorragend. Wir sind beeindruckt, wie akkurat das Fischbesteck aufgelegt wird. Wir trinken Kapverdenwein und haben selber einen 94iger Gewürztraminer mitgebracht.

Hennie kennt eine Stelle, wo das Meer den Tuffstein ausgewaschen hat, so dass es hinduistischen Tempeln ähnelt. Das besuchen wir und ein abgelegenes Dorf in einem Baranco und tauchen für einen Moment in die fast heile Welt dieses Landes. Wir sehen wieder viele Kinder, die älteren tragen das Wasser in Kannen auf dem Kopf nach Hause, nur wenige Männer, die sind meist im Exil, arbeiten dort und kommen selten heim. So ist es auf den Kapverden auch natürlich, dass die vielen Kinder einer Frau viele Väter haben...

Am nächsten Tag gehen wir Wasser holen. Eine ältere Frau hat den Schlüssel zur öf fentlichen Wasserstelle und verdient sich schnell eine paar Escudos, weil sie lange auf uns warten muss. Das Wasser läuft hier nur als schwaches Rinnsal und so dauert es, bis unsere Kanister voll sind. Dreimal fahren wir mit dem Dinghi hin und her, dann sind unsere Tanks voll. Wir trinken ein letztes Bier im Restaurant am Hafen. Als Tina von der Toilette kommt, erzählt sie, dass die Wasserspülung permanent mit hohem Druck rauscht und rauscht und rauscht...

Wir verabschieden uns von den braunen Kindern am Strand, die sich immer bemüht haben, das Dinghi durch die Wellen zu ziehen, mit den letzten Bonbons, machen die RUNNING DEER segelklar, holen den Anker hoch und segeln los.

9. Wasser, Wasser, Wasser
2224 sm sagt das GPS bis nach Tobago. Wir rechnen mit ungefähr sechzehn Tagen. Weil der Wind noch recht schwach ist, richten wir unseren Kurs zunächst nach Süden, bis wir den Passat erreicht haben. Das macht unsere Strecke zwar länger, aber wir hoffen dann auf stetige Ostwinde. Unser erstes Etmal, die gesegelte Strecke von 12 Uhr mittags bis 12 Uhr mittags, ist auch nur schlappe 110 sm. Wenn das so weiter geht, werden wir länger brauchen.

Weil wir jetzt zu dritt sind, kann jeder nachts sechs Stunden am Stück schlafen und wir empfinden das als eine große Erleichterung. Jeder wacht nachts drei und tags vier Stunden. Dadurch verschiebt sich die Reihenfolge von Tag zu Tag und jeder hat mal die Hundewache von eins bis vier. Tina übernimmt das Kochen nachmittags um fünf. Sven und Peter spülen und machen meist morgens um zehn das Frühstück..

Morgens um neun gibt es eine Funkrunde. Zur Zeit sind etwa ein Dutzend deutscher Yachten unterwegs. Eine übernimmt unabgesprochen die Regie und fragt alle täglich nach ihrer Position. Langsam lernt man sich kennen und tauscht sich aus über das Woher und Wohin. So gehen zu Weihnachten die Menülisten hin und her und zu Sylvester die besten Neujahrswünsche . Tristan fährt mit Frau und vierjährigem Sohn in seinem Aluminium Katamaran von 14 Metern Länge natürlich die besten Etmale. Aber da er lange in einer Schwachwindzone steckt, sind wir bald in seiner Nähe. Die Festtage sind für uns Anlass, das Mailen per Funk bis zur Zeitgrenze auszuschöpfen. Einen Tag lang werden wir sogar gesperrt kein Wunder, wenn wir Tinas große Familie und alle Freunde mit den besten Wünschen bedenken, ist die Zeit schnell überschritten. Wir haben wirklich nicht das Gefühl, mutterseelen allein zu sein, obwohl jeder von uns schon mal einen Hänger hat und fragt, Peeeter, wie lange noch??? Das hat Peter noch im Ohr von langen Autofahrten, als Frigga und Sven klein waren. Jedenfalls haben wir drei selten so viel gelesen wie in dieser Zeit, und wir sind wirklich mit spannender Lektüre bestückt: Mit einem Tiger im Rettungsboot, mit Kommissar Montale in Marseilles, mit Ellen McArthur um die Welt, mit einem Kühlschrank um Irland... In der ersten Woche liegen wir in einer Passatstörung und einige Tage ist der Himmel ganz bewölkt. Es regnet aber nicht und hat auch nicht viel Wind. Wir fahren meist den Blister, aber wenn es auffrischt, ist Segelwechsel angesagt, auch nachts. Dann hilft immer der, der noch nicht im Tiefschlaf ist. Vier Tagen lang bläst der Passat dann konstant und kräftig, wie es im Buche steht. Der Himmel ist blau und gibt sein Blau an das Meer weiter, so dass wir immer wieder hinsehen müssen. Dieses Blau ist so tief, das es sich in die Seele legt. Einzelne kleine Wolken ziehen über uns hinweg, sie hängen wie Wattebäuschen am Himmel. Fliegende Fische stieben vor den Bügen aus dem Wasser und fliegen manchmal hundert Meter über die Wellen. Wir fahren die ausgebaumte Genua und die Fock fliegend. Leider ist uns der lange Bootshaken, den wir auch zum Ausbaumen benutzt haben, schon zweimal durchgebrochen. Jetzt müssen wir uns ein bisschen behelfen. Hauptsache das Boot liegt ruhig auf dem Ruder, dann kann der Autopilot gut den Kurs halten. So leben wir eigentlich recht komfortabel. Der Kühlschrank läuft, wir können mit anderen kommunizieren, wir haben Spaß mit einander und vertragen uns. Zwar gibt es kein frisches Obst und Gemüse mehr, aber gestern gab es frischen Bonito, wir essen also gut, Süßwasser wird weniger, wir benutzen immer mehr Seewasser, aber Säfte und Bier sind noch genügend da. Nachmittags besuchen uns Delfine oder Grindwale und schwimmen stundenlang vor den Bügen her. Abends holt Sven die Guitarre und spielt das Realbook rauf und runter, Peter improvisiert manchmal dazu auf der Harmonika.

Ehrlich gesagt, ohne GPS und Autopilot hätten wir die ganze Reise bis hier her nicht so unproblematisch geschafft. Ja, vielleicht hätten wir sie erst gar nicht geplant. Wußten wir doch von früheren Reisen, was das doch für eine große Erleichterung ist und wieviel Sicherheit es bringt! Na und was ist, wenn die Geräte mal ausfallen, hört Peter fragen? Dann hat er für jedes zwei Ersatzgeräte in der Kiste, in der Bootsboerse gebraucht gekauft! (Aber Tafeln und Sextant sind auch noch da.) RUNNING DEER gibt uns immer mehr ein sicheres Gefühl und verzeiht uns manchen Steuerfehler. Natürlich rennen sich bei starkem Wind die Wellen unter dem Brückendeck die Köpfe ein, das rummst dann wie Hammerschläge und macht uns schon Angst. Aber wir vertrauen darauf, dass die Bootsbauer gute Arbeit gemacht haben und es uns nicht ergeht wie Henk van de Velde, dem die Wellen den Cockpitboden rausgeschlagen hatten. Aber das war in den Brüllenden Vierziegern. Unser Kat ruckelt und zuckelt durch die Wellen in kurzen kleinen Bewegungen und man muss immer aufpassen, wenn man durchs Boot geht, dass man gut ausbalanciert. Aber dafür sitzen wir bei den Mahlzeiten am Tisch und die (Fisch)Suppe bleibt im Teller. Tina keilt sich beim Kochen mit dem Rücken am Schrank fest und so gelingt es ihr gut, für uns immer etwas Leckeres auf den Tisch zu bringen.

In den letzten drei Tagen hatte der Wind zugenommen auf etwa 24 kn. Die Wellen wurden höher. Da mussten wir die Tassen festhalten. Wir saßen im Cockpit und beobachteten genau, wie die Wellen das Heck anhoben und einmal rauschte das Boot mit 12 Knoten die Welle hinab. Wenn eine kleine Welle auf der großen Welle dann das Heck aus der Richtung drängte, mussten wir selber steuern, denn so schnell konnte der Autopilot nicht reagieren. Wir stellten uns vor, wie es werden würde, wenn der Wind noch mehr zunähme, und legten uns Taktiken zurecht, um damit umzugehen. Nach einiger Zeit gewöhnten wir uns auch an diese Bewegungen, jeder ging wieder seinem Job nach, Schlafen, Lesen, Navigieren ...

Die Temperaturen sind seit den Kapverden von 26 auf 29 Grad geklettert. Aber das ist nicht unangenehm, der Passat bläst immer Kühle in die Kajüte und über dem Cockpit schützt das Sonnensegel. Temperaturmäßig sind wir genau da, wo wir immer hin wollten. Wir denken an euch, wenn der Deutschland Funk den Wetterbericht durchgibt...

Tina meldet gerade, noch 99 Meilen bis Tobago. Morgen Vormittag werden wir also da sein. Wir sind erleichtert, freuen uns und sind gespannt, wie es da sein wird ...

Jetzt ist es geschafft! Wir umarmen uns, beglückwünschen uns, springen ins Wasser, begießen unserer Ankunft mit CamparieOrange. Dann machen unseren ersten Landgang, doch davon mehr beim nächsten Mal ...

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