Enterprise auf der Ostsee (Format 34)
In Gedanken wollte ich mir schon oft ein eigenes Boot bauen. Seit Jahren geht mir das nicht mehr aus dem Kopf. Damals galt ein schweres Stahlschiff als nonplusultra. Mit Reinke hatte ich geliebäugelt, denn schweißen kann ich schließlich auch. Mit der Diskussion um Mehrrumpfboote informierte ich mich über die leichte Alternative.
Warum ich mich dann für einen Kat entschieden habe? Mein neues Hobby, das Segeln, wollte ich gerne mit meiner Familie teilen. Hierzu gehören meine Frau, meine beiden Jungs - damals ein und drei Jahre alt - und ich. Somit war für mich Segeln ohne Lage und mit großem Raumangebot bestechend. Bald hielt ich Ausschau nach verschiedenen Cats, womit auch die Designliste von Format-System auf meinem Schreibtisch landete.
Bei den Katamaranen von Jürgen Peter gefielen mir auf den ersten Blick die fließenden Linien und die durchdachte Raumaufteilung. Zudem versprach der Prospekt „individuelle Änderungen im Rahmen des Gesamtkonzeptes“, sicher würde ich hier und da auch etwas ändern wollen.
Insbesondere die Raumaufteilung des FORMAT 34 mit dem gemütlichen Salon und dem geschützten Cockpit hatten es mir angetan. Nach einem schönen Segeltag im Spätherbst im Warmen sitzen und mit den Kindern Karten spielen, oder in der erbarmungslos stechenden norddeutschen Hochsommersonne im Schatten ein Nickerchen halten? Meine Frau war auch begeistert. Hier könnte sich die Familie auch bei schlechtem Wetter aufhalten, also würden wir zusammen losziehen können. Immerhin gab es auch ein Dingideck, auf dem ich meine Surfbretter mitnehmen könnte und ein Beiboot für die Kinder. Meine Frau könnte hier stundenlang in der Sonne liegen, während wir Männer die Ankerbucht unsicher machten.
FORMAT 34 kann in verschiedenen Baustufen erworben werden. Das Handwerkliche sollte für mich kein Problem sein. Und wie sieht es aus mit dem Geld? Und mit der Zeit? Für einen Betriebswirt führt kein Weg an einer Kosten/Nutzen-Analyse und dem Break Even Point vorbei. Als optimales Ergebnis kam für mich ein großer Bausatz mit allen Sandwichteilen wie Rumpfhälften, Schotten, Deck und Formteilen heraus.
Für meinen Zeitplan hat sich als Vorteil erwiesen, dass die Montage der Einzelteile von unten nach oben hin erfolgen konnte.
Hierdurch ist kein Drehen der Rümpfe etc. notwendig. Dieses Argument gefiel mir auf Anhieb, denn ich hatte nur begrenzten Platz zur Verfügung und unnötigen Aufwand sparen gefällt mir immer. Der Cat sollte bis zum Herbst soweit fertig sein, dass er winterfest eingepackt werden konnte. Im Winter wollte ich dann innen weiterbauen.
Im Nachhinein kann ich sagen, dass meine Planung stimmte und es im Großen und Ganzen so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aus einer kompletten Lieferung wurde in nur einer Woche ein sichtbares Gerippe meiner langjährigen Träume. Ich habe zunächst den Kasko mehr oder weniger provisorisch zusammengesetzt und dann abgedeckt. Alle Innenlaminate und die Einrichtung waren im Winter dran, im geheizten und gut isolierten Rohbau ist das möglich. Im Sommer wurden Außenverklebungen und Finish hergestellt.
Bevor es ans Bauen ging, musste ich mir noch über genaue Raumaufteilung und Ausrüstung im klaren werden. Das Schiff sollte in erster Linie für unsere Familie sein. Da unsere Urlaubszeiten allerdings begrenzt sind und der Cat nicht ungenutzt im Hafen dümpeln muß, wollte ich ihn - hier schlägt wieder der BWLer durch - auch als Charterschiff anbieten können. Somit entschied ich mich für eine Aufteilung in zwei abgeteilte Doppelkabinen.
Der Antrieb sollte durch zwei aufholbare 4-Takt-Außenborder erfolgen, die sich in den hinteren Beam klappen - die Praxis hat gezeigt, daß sich damit gut manövrieren läßt, dies die preiswerteste Lösung ist und wartungsfreundlich dazu.
Um den Kat familientauglich herzurichten, war es für mich unumgänglich, das Schiff einhandtauglich zu machen. In Absprache mit dem Konstrukteur erhielt „mein“ Format ein 7/8 Rigg mit Lattengroß und Selbstwendefock. Fock-, Großschot und Traveller werden zentral vom Steuerstand aus bedient. Mit einer großen Plexiglas-Salontür sollte ein unmittelbarer Kontakt der Mitreisenden vom Cockpit zum Salon ermöglicht werden.
Fazit: Die Erwartungen in meine Träume haben sich erfüllt! Das Schiff ist kräftig und steif. Es ist gut steuerbar und wendet selbst unter Segeln fast auf dem Teller, zeigt ein sehr angenehmes Wellenverhalten ohne Wellenschlag unter Brücke oder Rümpfen. Auch die Mehrinvestition für dickeren Schaum hat sich gelohnt, Enterprise ist innen absolut trocken und läßt sich gut heizen. Unterm Strich bin ich mit dem „Gesparten“ ausgekommen und das Bauen selbst hat hingehauen.
Inzwischen war ich oft mit meiner Familie unterwegs, die Sommerferien verbringen wir selbstverständlich auf dem Wasser. Es ist genug Platz für jeden zum Spielen, Malen, Navigieren, Kochen, Angeln, Muscheln zählen, Faulenzen oder was einem im Urlaub noch so alles einfallen kann. Einige Chartertörns hat Enterprise nun auch schon auf dem Buckel.
Autor: Till Stegmann, Kiel

