rilpoint_mw113

FUN TOO auf der Hanse Sail

FUN TOO auf der Hanse Sail
Gertraud Filgis berichtet

Vor dem Leuchtturm vom Seebad von Warnemünde und dem Hotel "Neptun", das die Schweden 1968 bauten, befinden sich am Sandstrand wieder tausende von Urlaubern mit Strandkörben und bunten Zelten. Den Fluß Warnow flankieren 2 große Feuer auf hohen langen Molen. Fähren laufen dazwischen ein und aus. Beim roten Leuchtfeuer sitzen in den Steinen Petrijünger und warten, mit langen Angelruten, auf ein Wunder. Hinter der Mole mit dem grünen Feuer liegt, so zu sagen in deren Schutz, der neue Jachthafen von Warnemünde "Hohe Düne" Er ist seit April in Betrieb, aber noch nicht ganz fertig und bietet 750 Liegeplätze. Daneben wird ein Hotel hochgezogen. Der representative Hafen an dieser östlichen Warnowmündung ist nach seiner kompletten Fertigstellung ein Kernsstück der Olympiade-Bewerbung Rostock für 2012.

Fun Too segelt mit "Schmetterlings-segeln" in die Warnow rein und die 12 km nach Rostock hoch, In Warnemünde ist der kleine Stadthafen schon knackvoll. Am Tummelplatz dreht sich das Riesenrad, ist Gedränge und Geschiebe zwischen den Schaubuden und das schon am Vormittag. Auf dem Wasser herrscht quirliger Betrieb von ein und auslaufendenYachten, gläsernen Sightseingbooten, es kreuzen 2 lokale Fähren, es motoren Fischerboote zu ihrem Hafen Richtung Fischkombinat. Wir segeln durch eine Allee von Kränen, ein Werftkran kann 50 t auf 30 Meter Entfernung heben. Links geht's zum "Breitling", einer seenartigen Verbreitung der Warnow, mit Silos , Kontainer- und Ölhafen. Weiter, am Skandinavienkaj, liegt die Fähre "Dronning Margarethe II", nebenan die Trelleborgfähren "Tom Sawyer" und "Huckelberry Finn" der TT-Line, beide alte Reisegefährten von uns. Es legt ab der 5-stöckige Finjet nach Helsinki. Und über allem schwebt ein grüner Zeppelin und macht Reklame für Fujifilm.

Rechterhand stehen die Hochhäuser der Plattenproblemsiedlung, am Ufer davor an einer roten Anlegestelle eine Bronzefigur, ein Pferd darstellend, auf dem Neptun mit dem Dreizack reitet. Am Kaj liegt schon der Dreimaster "Fritjof Nansen" und vor uns motort ein polnischer Oldy, die "Fryderyk Chopin" aus SZCZECIN, sowie ein Bodder mit Totenkopfflagge, den wir schon in der Trave sahen. Mittlerweile kamen wir auf der Flußstrecke schon an 6 Clubmarinas vorbei, alle voll belegt von Lokalmathadoren. Am Ufer folgen Luxusanwesen wie in Starnberg, mit Privatstegen am Schilfgürtel. Wer sagt, es geht hier nicht aufwärts?? Nach der letzten Biegung staunen wir noch mehr, wie sich hier durch Neubauten und Anlagen alles verändert hat, seit dem Fall der Mauer. Die Stadtkulisse wird verdeckt von Segelmasten des privaten Yachthafens. Vor 9 Jahre war hier gar-nichts!! Dann sind wir in der Hansestadt Rostock angelangt.

Rostock: Hanse- und Hauptstadt von Mecklemburg-Vorpommern liegt an der Warnow und ist berühmt durch seine Backsteingotik. Die Altstadt hat den 2. Weltkrieg gut überstanden. Spaziergang: das Kröpeliner Tor ist mit seinen 54 Metern das höchste der 4 noch erhaltenen Stadttore. Am Universitätsplatz (Fußgängerzone) steht das in weiß-rot-schwarz gehaltene Hauptgebäude von 1870, dessen umlaufende Terrakotta-Schmuckbänder bes .sehenswert sind, dazu Figuren, welche div. Fakultäten symbolisieren. Auf diesem Platz steht auch das Blücher-Denkmal. Der große Feldherr ist ein Sohn Rostocks. In den Befreiungskriegen gegen Napoleon wurde er als "Marschall Vorwärts" berühmt. Wir schlendern an hohen, sehenswerten Fünfgiebel-Häusern vorbei. Ebensogut gefällt uns der Rostocker Hof.

Eines der schönsten spätgotischen Giebelhäuser ist das Ratschow-Haus. Am Ziegenmarkt steht eine bronzene Ziegenskulptur mit prallem Euter. Nebenan erhebt sich mächtig die gotische Marienkirche aus dem 13.-15.Jh. Am großen Neuen-Markt gibt es Obst-Gemüsestände .Es duftet nach Erdbeeren und Kirschen, Pfirsichen und Pflaumen. Den Wespen geht es gut! Das Rathaus ist ein Blickfang des Platzes. Auffallend ist die spätgotische Schaufassade mit den 7 Türmen und der barocke Vorbau mit 7 Rundbogenarkaden. Seitlich davon steht ein gut angepasster Neubau mit Treppengiebeln, darin sind Post, Stadtverwaltung und das Touristbüro untergebracht. Einige Gehminuten weiter steht das imposante Backstein-Ständehaus. Der Name bezieht sich auf die Landstände: Adel, Bürgertum, Klerus. Hinter dem Rathaus steht noch das Kerkhoffhaus, sehr sehenswert. Interessant ist auch das Steintor. Es stammt aus dem 15.Jh. wurde 1942 durch Bomben schwer zerstört und wieder hergestellt. Bei der Umrundung fallen 2 sehr unterschiedlich gestaltete Seiten auf: Stadtauswärts ist die Wand sehr einfach gehalten, die der Stadt zugewandten Seite ist aufwändig ausgeführt. Löwen halten die 3 Wappen Rostocks, die im Laufe der Zeit benutzt wurden. Darunter in goldenen Lettern der lateinische Spruch "In deinen Mauern herrsche Eintracht und Wohlstand".

Der Stadthafen erstreckt sich vom Mönchstor bis zur Fischerbastei. Hier am alten Hafen an der Warnow zeugen erhaltene Speicherhäuser von der einstigen Bedeutung als Umschlags- und Handelsplatz. Diese nördl. Altstadt wurde im 2. Weltkrieg stark bombardiert. Beim Wiederaufbau wurde grünglasierter Klinker verwendet. Durch Arkaden und Sattelgiebel sieht alles gut angepasst aus. Seit dem Fall der Mauer wurde mittels Westgeld die ganze Stadt saniert. Selten noch sind graue Mauern vorhanden, wo der Putz sich selbständig macht, wie wir es noch vor 19 Jahren erlebt haben. Rostock, Du bist eine Reise wert!

Was uns diesmal angelockt hat, ist die 14. Hanse Sail Rostock, die vom 5.-8- August stattfindet. Aus 10 Nationen werden 270 Boote erwartet zum größten Treffen im gesamten Ostseeraum. Großsegler, Koggen, Bodder, Traditionssegler, Windjammer, Brigantinen, Museumsschiffe , Oldtimer, sowie Wasserflugzeuge. Und es kommen natürlich jede Menge "normale" Yachten, zu welchen auch Fun Too gehört. Nach einigen Schwierigkeiten dürfen wir doch in einer kleinen Lücke am Kaj festmachen, wir waren nicht gemeldet. 2 Plätze weiter liegt eine schmale lange Rennyacht mit der Aufschrift "ABC Grundbesitz" die wegen ihres Tiefganges von 3,85 m nur hier liegen kann. Es ist die ehemalige "Illbruck", welche 2002 die Weltumseglung gewann. Sie wurde verkauft, aber ohne den Familiennamen.

Zum Auftakt pilgern wir vor zur Hanse Sail Bühne und über den ausgelegten roten Teppich, der bewacht wird von Polizei und Securitasleuten. Es ist 17 Uhr. Auf der Bühne singt erst ein Shantychor und dann Jo Cocker, sehr beleibt, und krächzt ins Mikro "You are so beautiful". Im Anschluß hält der Bürgermeister eine Rede. Ebenso der Ministerpräsident Harald Ringstorff, unter dessen Schirmherrschaft die Veranstaltung steht. Nach ihm betritt im hellgrauen Anzug der Finanzminister, Herr Hans Eichel, die Bühne zur Ansprache. Er macht hier an der Ostsee gerade Urlaub und bedankt sich für die Ehre, nach Rostock eingeladen worden zu sein. Im Eifer des Gefechtes verwechselt er zunächst kurz Mecklemburg-Vorpommern mit Schleswig Holstein, bemerkt es aber sofort. Das ist menschlich und verzeihlich, bei einem in letzter Zeit so viel gereisten Mann. Er kommt gerade zurück von Tallin und Riga, lobt überall das Vorankommen und gelobt auch weitere Unterstützung. Er spricht vom Meilenstein des friedlich geeinten Europas, dem Zusammenschluß mit den nördlichen Staaten, weist auf den Fortschritt des Handels mit ihnen hin, denn Rostock ist schon immer durch Handel groß geworden. Er mahnt noch, das Geld in Deutschland zu lassen und nicht mit der "Pavenee" in die Karibik zu schicken, deren Masten gut zu sehen sind. Dann wird dem Minister eine Schiffsglocke in die Hand gedrückt, die er lachend einige Male anschlägt. Es ertönen Salutschüsse, die 14. Hanse Sail Rostock ist um 18.15 Uhr eröffnet.

Es folgt ein ausgezeichnet guter Musikabend mit Dixi, Jazz und Rock `n Roll und ich mache die Erfahrung, dass Alsterwasser eine Radlerhalbe ist. In einer Musikpause kommen wir durch Zufall dazu, als der Eisbrecher "Stettin" vom Kohlebunkern die Warnow wieder hochkommt. Die 7 Meter kleine "Unikum", ein nachgebautes Piratenschiff mit Ausguckskorb am Masten, schwarzem Rahsegel und Totenkopfflagge, die Besatzung mit Dreispitzhüten, Augenklappen und Sektgläsern versehen, kommt dem eisernen Riesen gefährlich nahe vor den Bug. Dieser lässt Dampf ab und tutet und tutet. Bevor der kleine Pirat sich gasgebend aus dem Staub macht, feuert er aber noch schnell einen Böllerschuß aus seiner1 /2 m langen (Start) Kanone auf die Stettin ab. Großes Lachen und Händeklatschen. Übrigens, es werden 1 Million Besucher erwartet, das Wetter ist um die 30 Grad heiß.

Auf einer Fläche von 1,5 Km ist ein Volksfest entlang dem Kaj aufgebaut, mit Riesenrad, Geisterbahn, Autoscooter, Kettenkarussel und modernen Sachen. Beim Skyrider z.B. wird man in einer Kugel, die aus Rollbügeln besteht, in einen Sitz geschnallt. Diese Sitzkugel hängt an dicken Gummiseilen, die an ca 40 m hohen Eisenstangen befestigt sind. Beim Start wird die Kugel, einer Steinschleuder gleich, 50 m, also über die Stangen hinaus, in die Luft katapultiert, wie ein Astronaut in die Umlaufbahn, nur dass hier die Gummiseile die Fliehkraft abbremsen. Die Kugel wird zum Jojo. Ein Jugendlicher findet das "rischtisch oberaffengeil" und drängt sich zur Kasse vor. In hunderten von Buden gibt es alles zu kaufen: von der Kuckucksuhr, Sonnenbrillen, Modeschmuck über schwedische Holzpantinen, OstseeMöwen und ­Türme, Ledertaschen, CD`s und lustige Essbrettchen, bis hin zum Tanga als Sonderangebot für 1 Euro das zartknappe Stück, und die Leute kaufen wie verrückt.

Überall brutzelt und dampft es in Pfannen, auf dem Grill oder der Creppesplatte. Es riecht nach Zimt, Eis, Zuckerwatte, Fett, Curry, Fisch, Bier und Erbrochenem und jeder kaut, schleckt oder trinkt etwas. Bei einer Million Besuchern wird hier ganz schön was in 4 Tagen/Nächten umgesetzt werden. Am Bernsteinstand von Danzig erfährt man über das Gold der Ostsee, dass es schwimmt, brennt und gegen Gelenkschmerzen und Exzeme hilft und das Zahnen bei Babys lindert. Darum Leute, kauft Bernstein und tragt es immer bei Euch! Als wir um Mitternacht Fun Too entern, ertönt vom übernächsten Boot Akkordeonmusik. Trotz der Verlockung mit immitierter Hans Albers Stimme ,,komm doch Sü-ße Klei-ne, sei die Mei-ne..." kriechen wir brav in die eige- nen Kojen.

Nächster Morgen. 95 % der Großboote fährt mit zahlenden Gästen die Warnow runter, um auf der Ostsee die Segel zu hissen , um 1-2 Stunden Segelromantik vorzuführen. Wir fahren 3 Km flussabwärts, um zu ankern und vom Logenplatz alles aus der Nähe zu sehen, wenn die Mastenparade sich um 10 Uhr in Bewegung setzt und an uns vorbei defiliert. Es kommen die Aphrodite-Stavoren, die Hansekogge Ubema ­Bremen, voller Wappen. James Cook-Gibraltar, der Raddampfer Freya und der Missisippi Raddampfer Riverstar. Die Astrid ­ Harlingen. Die Russen haben Cyrillische Buchstgaben. Auf der Regina Moris sorgt eine 3 Mannkapelle mit Klavier, Saxofon und Baß für Stimmung. Der schönen Abel Tasman sieht man die vielen Seemeilen ihres Daseins an. Die beiden schwedischen Damen, mit vollbusigen Gallionsfiguren, kommen aus den Schären nördlich von Göteborg: die Gunillaa von Öckerö und Lady Ellen aus Skärhamn ­Orust/Tjörn. Der Eisbrecher "Stettin" aus Hamburg wurde 1933 in der Stettiner Werft gebaut, und war bis in die 60er Jahre tätig. Mit seinem breiten, schweren Bug schob er sich auf das Eis und drückte so die Fahrrinnen frei. Er wird mit Kohle beheizt und ist der Liebling der mitfahrenden Touristen, die sich königlich über jedes Tuten freuen, wenn der gelbe Schlot Dampf ablässt. Durch einen Lautsprecher erfährt man, dass es mal sogar ein Fünfmast-Vollschiff gab. Es zerschellte aber an den Untiefen bei den weißen Klippen vor Dover. Es fährt die "Donau" vorbei, ein Versorgungsschiff der Marine mit Hubschrauberlandeplatz und Marco Polo-Daartmouth, dann der herrliche Dreimaster Oosterschelde-Rotterdam. Die Linden kommt von den Alandsinseln zwischen Finnland und Schweden. Ebenfalls mit Gallionsfigur die Baltic Beauty aus Schweden. Artemis NL, Albert Johannes mit 3 Mast-Gaffelrigg NL.

Das Fernsehen kreist per Hubschrauber über unseren Köpfen. Sie filmen eine bilderbuch schöne gelbe Karavelle mit kyrillischen Buchstaben und russischer Flagge. Die Siris führt die deutsche Nationale, ebenso die Odin und Rudolf Virchow-Stralsund. Thalassa-Harlingen NL und der Gaffelschoner Emden, und über alles hinweg fliegt die Luftwaffe in 4er Formation kühne Bögen mit Rauchschwaden. Willem-Amsterdam, Twister-Oban, England. Von irgendwo ertönt Sinatras Stimme "I did it my way" und Rod Stu- ards rauchiger Ausruf "Im flying, I am flying" Zwischen all dem starten und landen in Ufernähe Wasserflugzeuge. Fetzen von Akkordeonmusik ertönen und mein Film ist zu Ende. Man könnte noch ein paar hundert Namen aufführen voll Begeisterung.

Am Nachmittag segeln wir mit der Fock runter nach Warnemünde. Das einstige Fischerdorf an der Mündung der Warnow wurde schon bald vom 12 Km flussaufwärts liegenden Rostock "erworben" und ist heute ein Ostseebad mit breitem Sandstrand, gepflegten Häusern und gemütlichen Kneipen. Fun Too findet im "Alter Strom", der normalerweise den Fischern vorbehalten ist, ein Plätzchen im Päckchen, Liegegebühr 14,--Euro. Alter Strom ist eine Fortsetzung der 500 m langen Westmole, auf der auch der aus lasierten hellen Ziegelsteinen vor 100 Jahren gebaute Leuchtturm steht. Sein Licht reicht 24 SM weit. Bei der Warnoweinfahrt schiebt sich das 10-stöckige Kreuzfahrerschiff "Norabeg-Nassau" an den Kaj. Davor hängt die "Lili Marlene", die Dreimastbarkentine mit einer Länge von 74 Metern. Auch sie ist ausgebucht und führt 50 Passagiere mit sich.

Ihre Reise geht zu den alten Ankerplätzen der Koggen von Neustadt in Holstein, Kiel, die Dänische Südsee, Kopenhagen, Südschweden mit Helsingborg und Ystad, dann Rönne auf Borgholm, Wismar und Warnemünde. Es kommt die riesige finnische Fähre "Superfast VII", ausgerüstet wie eine Kleinstadt, die in 24 Stunden die Strecke Rostock-Helsinki zurücklegt !Wir leben in einer schnellen Welt. Von Bahnhof und Autoparkplätzen strömen immer mehr Schaulustige, drängen sich an Schaubuden, Essständen und Trinktheken vorbei zum Kai, denn wegen ihres Tiefgangs liegen hier die Attraktionen der Hanse Sail und Tausende wollen 2 Stunden mitsegeln, wenn die 3 Riesen per Bugsierer flottgemacht und zwischen den Molen zur Ostsee hinausfahren. Alle mussten nach dem 2. Weltkrieg als Reparations-Zahlungen abgegeben werden .Es sind stolze Schiffe!!! Es sind dies die schwarze "Kruzenshtern", die rote Khersones" und die weiße "Sedov". Ihr Tiefgang beträgt fast 7 Meter, was Warnemünde ihnen bieten kann.

Bei der Kruzenshtern handelt es sich um die ehemalige "Padua", das Schwesterschiff der in Tavemünde liegenden "Passat" aus der "P-Liner-Serie". Die Viermastbark ist 114 m lang und 51 m hoch. Inzwischen hat auch eine Regatta der Superlative von Kiel aus Warnemünde erreicht. Tim Kröger steuerte die "Khersones" und Jochen Schümann die "Sedov". Sie starteten am Ende der Kielerwoche über die Däneninsel Bornholm und sind rechtzeitig zur Hansa Sail hier eingetroffen.

"Khersones", das Segelschulschiff aus der Ukraine, ein 108 m langer, 51,5 m hoher Dreimast Rahsegler. Dieses Vollschiff kann 2771 qm Segel führen. Es hat 1997 Kap Hoorn umsegelt und 2004 das Kap der Guten Hoffnung. Es ist das einzige aktive Segelschulschiff der Welt, das auch einige zahlende Passagiere mitnimmt, die auch zupacken dürfen, falls sie wollen. Die Hauptarbeit im Rigg wird von 72 Kadetten, 10 Matrosen, Bootsleuten und Trainees verrichtet. Wenden dauern bis zu einer Stunde und werden kaum gefahren. Halsen sind ein Perfektions-Manöver von 90 Köpfen und 180 Händen. Eine Dauer von 10 Minuten gilt als Meisterleistung Man bekommt Herzklopfen, wenn man die Jungs oben in den Rahen klettern und arbeiten sieht. In dieser Höhe sehen sie aus wie fleißige Heinzelmännchen.

Das russische Segelschulschiff "Sedov" ist das größte Segelschulschiff der Welt mit 200 Seeleuten und Kadetten. Es ist ein ehemaliger Frachtsegler aus alten Windjammerzeiten, gebaut 1926, die ex "Kommodore Johnson" und ex "Magdalene Vinner". Den jetzigen Namen schließlich erhielt es nach dem russischen Polarforscher und Weltreisenden SEDOV.

Wir sitzen draußen auf der Mole und sehen zu, wie der rote Ball der Sonne in der Ostsee versinkt und für morgen wieder einen schönen Tag verspricht. Zwei Bugsierer fahren hinaus, um die Sedov zu holen und an den Kai zu legen. Es ist schon finster, als die Passagiere zufrieden die Gangway herunterkommen.

Am nächsten Morgen ankern wir im Schwell vor der Ostermole. Es ist eine Augenweide, als alle die Boote, die wir gestern im Fluß sahen, jetzt alle ihre diversen Segel setzen. Es weht ein Ostwind der Stärke 4-5 Bft, also ideal und bald ist der Horizont schneeweiß voller Segel , mit einzelnen rostbraunen oder grünen Tupfen dazwischen. Der Masten der Illbruck fällt durch die Höhe auf und dem fast schwarzen Großsegel, das aus Kohlefasern besteht.

Es dämmert bereits, als wir die 12 Km nach Rostock wieder hochmotoren. Die Wasserpolizei ist zu loben, wie sie kleine Segler, große Windjammer, Großfähren und querfahrende Lokalfähren per Fingerzeig dirigiert, so dass zwischen den Mohlenköpfen und Innenbojen alles reibungslos von statten geht, denn der Verkehr läuft Bordwand an Bordwand ab, dazu das Schraubenwasser und hohe Querwellen von den ewig rücksichtslosen Motorbooten.

Am gebührenfreien Ufer Rostocks steht die Feuerwehr bei Fuß. Dort liegt Fun Too vor Anker. Um 22.30 Uhr beginnt ein Feuerwerk, welches sogar das von Travemünde in den Schatten stellt und das will was heißen!!!

Fazit, die Hanse Sail Rostock war ein Erlebnis der Superlative und dazu seit Tagen bestes Sommer-Seglerwetter. Es soll die nächsten Tage noch so bleiben.

Skin by RIL Partner