FUSION 40
Hansjörg Hennemann
Die in Serien gebauten Katamarane französischen Provenienz (Privilège, Lagoon, Fountaine- Pajot, Nautitech) kommen ziemlich gleichförmig daher. Kein Wunder, denn sie haben – der wirkungsvollen Pariser Investitionspolitik sei Dank – vor allem die Chartergesellschaften rund um den Globus im Visier und da braucht es immer das Gleiche: viele Kojen, einfaches Handlung, viel Komfort, sichere Riggs und gutmütige Boote. Im Ergebnis führt dies zu breiten Rümpfen, Kielen statt Schwertern, relativ kleinen Segelflächen und vergleichsweise schweren Boote, die an der Kreuz und bei leichten Winden meist nur schwer begeistern können (Am Rande sie hier angemerkt, dass Fountaine-Pajot seit jüngster Zeit nachbessert und deren Kats auf Wunsch mit ausgestellten Großsegeln (Cruising Square Top) ausstattet werden). Der einzige nennenswerte Gegenpol zu diesen Wohn-Kats stellt die Outremer-Werft dar, die rassige Segelkatamarane für ambitionierte Eigner anbietet. Wer sich bisher nicht zwischen Selters und Sekt entscheiden wollte oder konnte, für den mag der Fusion-40-Kat eine Überlegungen wert sein, weil er Segelleistungen und Komfort in einer für die französische Katamaran-Dominanz untypische Weise kombiniert.
Über die Ausrüstung und die Inneneinrichtung
sollen hier nicht viele Worte verloren
werden, denn das Testboot wurde ganz klar
auf die Wünsche seines Eigners, eines erfahrenen
Regattaseglers, zugeschnitten (z.B. je
Rumpf ein Steuerstand, höheres Rigg, Steckschwerter
etc.), der mit dem Kat ausgedehnte
Familientörns im Sinn hat. Der besondere
Einrichtungsplan ordnete sich den beiden
Überschriften „leicht“ und „Zentrierung der
Massen“ konsequent unter und dürfte vielen
Interessenten zu asketisch sein. Das Testboot
ist mit dem Standardsegelplan, der eine Selbstwendefock
in Kombination mit Gennaker oder
Spinnaker plus durchgelattetem Großsegel vorsieht,
ausgestattet. Solange es nicht die Bootsstruktur
berührt, spricht die Werft dem Eigner
also ein weitreichendes Gestaltungsrecht zu.
Der Test-Kat „Kangaroo“ ist auf Jungfernfahrt
Richtung Tropen unterwegs und hat Madeira
mit einem Schnitt von 8,7 Knoten erreicht
(Top-Speed: 18,9 Knoten nur unter dreifach
gerefftem Groß).
Mehr dazu unter www.favrenmer.ch
Das in Australien konzipierte Boot kommt in zwei 40 Fuß Containern, zerlegt in 65 größere Einzelteile (Vinylester-Schaum-Sandwich), nach Europa. Die per Infusionsverfahren gefertigten Teile werden in Bangkok produziert. Derzeit stehen in Europa zwei autorisierte Zusammenbau-Werften zur Verfügung, eine an der französischen Atlantikküste und eine an Frankreichs Mittelmeerküste.
Mit 400TEU ist die getestete Fusion 40 deutlich teurer als ihre Mitbewerber von der Stange (Nautitech 40: ca. 318TEU, Lavezzi 40: ca. 290TEU). Für diesen Mehrpreis kann der Eigner vor allem zwei Dinge erwarten: a) ein Boot eingerichtet und ausgestattet nach seinen Vorstellungen – segeln und wohnen à la carte und b) ein Boot, das im Vergleich zum Serienbau überdurchschnittliche Segelleistungen verspricht, ohne dass auf die typischen Raumund Komfortelemente eines 40-Fuß-Kats verzichtet werden muss.
Eine preisgünstigere Alternative besteht darin, den Bausatz zu einem Preis von 112TEU zu ordern. Obwohl die Einzelteile sorgfältig und passgenau gefertigt sein sollen, erfordert der Zusammenbau einiges an Erfahrung im Kunststoffbau, die geeignete Halle und Werkzeuge sowie Durchhaltevermögen. Wen der Zusammenbau des Puzzles dann doch schreckt, der mag sich vielleicht mit dem Kasko inklusive zwei Motoren für 215 TEU oder mit einer segelfertigen Basisversion ohne Einrichtung für 263 TEU anfreunden. Laut Homepage (www.fusioncats.fr) schwimmt gerade mal der erste Kat vom Typ Fusion 40 in europäischen Gewässern, das Ganze ist also eine ganz brandneue Geschichte. Das letzte Wort in Sachen Bauwerft, Standardausstattung und Preise dürfte demnach noch nicht in Stein gemeißelt sein, ganz im Gegenteil. Mehr zu dem Kat auch unter www.fusionfrance.fr, [1] und unter www.fusion-med.com


