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Gibt es den idealen Reisekat

fragt sich Jürgen Peter (info@FORMATsystem.de)
Ergänzte Beschreibung von Jürgen Peter - siehe auch Leserbrief von James Wharram

Die Fragen kommen eigentlich immer irgendwann wenn sich jemand über Katamarane informiert. „Kann ich damit den Atlantik überqueren? Ab welcher Größe ist ein Katamaran seetüchtig? Wie groß muss ein Kat sein um darauf längere Zeit leben zu können?“ Meinen neuen Serienkat FORMAT 400 Cabrio biete ich auch als „World Cruiser“ an. Es ist ein sportlich-eleganter Kat, mit einem riesigen Cockpit, was zu zwei Drittel von einem Hardtop permanent geschützt ist. Mit fünf Tonnen Verdrängung und leichter, steifer Sandwichbauweise trägt dieser Kat problemlos alles sinnvolle Equipment für unabhängiges Reisen. Zwölf Meter ist gerade noch ohne aufwendige Technik zu händeln, aber groß genug für komfortables Seeverhalten. Durch das große, geschützte Cockpit ist dieser Kat prädestiniert für eine Weltreise auf der Barfußroute. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich damit dem heute marktgängigen Klischee von einem „richtigen“ Langfahrtkatamaran in mehreren Punkten widerspreche. Kein Salon, zu klein, zu sportlich.

Eric Manners, 27‘BLACK CAT, von Wolfgang Hausner auf die 10m-TABOO verlänger't
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Vielleicht hilft ein Blick zurück die so häufig gestellten Fragen objektiv zu beantworten.

Mit Atlantiküberquerungen Mitte der fünfziger Jahre, zunächst mit einer gerade mal 7 Meter langen „Tangaroa“ und wenige später mit einer 12 Meter „Rongo“, bewiesen drei junge Menschen erstmals, dass Katamarane seetüchtig sein können. Die Sperrholzkonstruktionen hatten polynesische Auslegerboote als Vorbild. Ihre V spantigen Rümpfe waren flexibel verbunden mit Holzträgern und einem „durchlässigen“ Lattenrost als Brückendeck. Die beiden Deutschen, Ruth Merseburger (später Ruth Wharram) und Jutta Schultze-Rhonhof, setzten mit ihren Reisen, gemeinsam mit dem Engländer James Wharram, einen Meilenstein in der Mehrrumpfgeschichte. James Wharram gilt heute weltweit als Ikone der Multihullszene und kann auf über 50 Jahre Erfahrung zurückblicken.

Wolfgang Hausner segelte Mitte der sechziger Jahren als erster mit einem Katamaran um die Welt. Es war ein Erick Manners Design von 9,80 Meter Länge und 4,90 Meter Breite und einem flachen Salon. Wolfgang Hausner resümiert nach seiner Weltreise „Kats unter zehn Meter sind kriminell“. Wer seine Bücher gelesen hat, weiß, dass Wolfgang Hausner sein ganzes Leben abseits der bequemen Routen segelte und auch dort selten zu idealen Jahreszeiten. Dass sein jetziger Kat Taboo III doppelt so groß ist wie sein erster scheint daher nur logisch.

Bill O‘Brien, BOBCAT, 8m, Rudi Wagners HOBBY, 1967
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Ende der sechziger Jahre segelte Rudi Wagner mit einem 8-Meter Bobcat non stopp von England in die Karibik. Wenige Jahre später wiederholte er die Reise mit seinem 10-mopen- bridge-deck-cat „Island Hopper“. Rund 20 Jahre lebte der österreichische Bergsteiger auf seinen Kats in der Karibik. Zwischendurch auf Deutschlandbesuch bei einem Multihull Treffen in Hamburg lief er barfuss, war es einfach nicht mehr gewohnt, Schuhe zu tragen. 1981 erhielt Dr. Ernst Bullmer den TO- Preis für seine Weltumsegelung als erster Deutscher mit einem Katamaran. Er erzählte mir, dass er mit seiner 40 Fuß „Apache“, etwa zeitgleich mit Burghard Pieske und seiner „Schangri- La“, einem 12 Meter Fritz Hartz Design, jederzeit sicher 62.000 Seemeilen segelte. Rod Macalpine-Downies „Indianer“ genießen heute fast schon legendären Ruf.

Im Mehrrumpfboten Heft 84 - Juli 1997 berichten Ali und Jürg Andermatt über Ihre Reise nach Spitzbergen mit Ihrem Katamaran Antonio Pigafetta. „Antonio“ ist 9 Meter lang und 6 Meter breit und wurde von Altmeister Malcolm Tennant als Trailerkat entworfen. Entsprechend sind zwei Rümpfe mit jeweils 1,25 Meter Innenbreite alles, was dieser sehr sportliche, leichte Open-bridge-deck-kat an Komfort zu bieten hat. Ich kenne ihn in- und auswendig, hatte ihn 1990 über ein Mallgerüst aus Sperrholz gebaut.

Fritz Hartz, TWIN I, 12m-Kat, Burkhard Pieske u.a., SHANGRI-LA
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Ganz nebenbei „entdeckten“ Andermatts auf dieser Reise in den Hohen Norden noch eine Bucht auf einer der Inseln und seither trägt diese Bucht Antonios Namen in allen offiziellen Seekarten „Antonio Pigafetta Bukten“. Antonio, der echte, der Namensgeber, war übrigens der Chronist von Ferdinand Magellan und segelte Anfang des 16. Jahrhunderts an dessen Seite bei der Entdeckung der Philippinen. Magellan wurde dort bei einer Stammesfehde getötet und Pigafetta schwer verletzt.

Im gerade vergangenen Jahr erhielt ich eine schöne E-Mail. Der heutige Eigner reiste mit diesem offenen Katamaran, nun in dritter Hand, elftausend Seemeilen, meist einhand, über Norwegen, Shetlands, Schottland, Irland, Spanien, Portugal, Marokko, Lanzerote, Senegal, Gambia, Barbados, Cuba, USA bis nach Kanada. In Toronto schob er Rümpfe, Beams und Rigg in einen Container und schickte das ganze auf einem Frachter zurück nach Deutschland. Jetzt steht er zum Refit in einer Werft. Ob Multihulls überhaupt seetüchtig sind beschäftigte schon die Jury des Kieler Yacht Clubs. Ingeborg von Heister war mit ihrem Trimaran „Ultima Ratio“ über den Atlantik gesegelt, wahrscheinlich als erste Frau, mit Sicherheit einhand. Den Ludwig-Schlimbach-Preis für herausragende seglerische Leistungen gestand man ihr nicht zu. Dass die Jury des traditionsreichen Clubs an der Förde etwas gegen eine Frau als Preisträgerin gehabt haben könnte wird wohl keiner ernsthaft unterstellen. Es muss also Ihr leichter, schneller 35 Fuss „Nimble Lodestar“ von Piver gewesen sein. Mit dem kleineren 30 Fuß „Nugget“ überquerte der Multihull-Pionier Arthur Piver selbst den Atlantik mehrfach. Viele Jahre später lag im Hafenbecken des gleichen Kieler Yachtclubs ein 8 Meter Katamaran.

Arthur Piver, NIMBLE, 9,15x5,6m. Ingeborg von Hesters LODESTAR war länger: 10,65x5,8m
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Er gehörte einem erfahrenen Kapitän und wurde wohl deshalb respektiert. Mit zwei unverstagten Masten, Gabelbäumen und Mittelschwert segelte die offene Jürgen Sass Konstruktion 35 Grad am Wind. Europas größtes Wassersportmagazin, „Die Yacht“, berichtete in einem großen Artikel über diesen eigenwilligen Kat im einzelnen und über Multihull Deutschland und seine allesamt individualistischen Mitglieder im Besonderen. Unter Vorsitz von Gründervater Heiner Wölper traten Mehrrümpfer damit erstmalig deutlich in der segelnden Öffentlichkeit in Erscheinung. Ich zeichnete dem umtriebigen und querdenkerischem Kapitän und langjährigen Multihuller später einen offenen 9-Meter-Entwurf. Nach seinen, nicht wenigen Erfahrungen, geeignet für weltweite Fahrt. Handlich, mit wenig Technik, auf das Wesentliche reduziert. Resultat aus der Geschichte ist, den wahren Reisekat gibt es nicht. Technische Merkmale spielen nicht die größte Rolle, persönliche Vorstellungen, Ansprüche und Fähigkeiten sind die entscheidenden Kriterien. Oder?

Malcolm Tennant, TURRISSIMO, 9m-Kat, ANTONIO PIGAFETTA
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