Karibik vor der Haustür
Wenn Ihnen wieder mal ein naßkalter November jegliche Lust zum Arbeiten nimmt sollten Sie sich mit den Kap Verden beschäftigen. Ein Ticket für 1.000 DM und nach 6 Stunden Flug können Sie im Passatwind Segel setzen und bei 28° Lufttemparatur zwischen palmenbewachsenen Inseln kreuzen.
Schon der Landeanflug auf den internationalen Flughafen von Sal zeigt was in den nächsten Tagen angesagt ist: In der Bucht von St. Maria ankern Yachten im türkisfarbenen Wasser vor einem kilometerlangen weißen Strand. Auf der historischen und daher baufälligen Mole siehts dann schon etwas rauher aus. Der Transfer mit dem altersschwachen Dinghi bei meterhoher Dünung gestaltet sich spannend und mühsam und gibt einen ersten Hinweis darauf, daß in den nächsten Tagen Improvisation angesagt ist.
Pünktlich zum Sundowner sitzen wir im herrlich großen Cockpit der CATANA und genießen den ersten Grogue. Kaum zu glauben, daß wir noch am Vormittag in München das Auto im Schneetreiben abgestellt hatten. Dieser Grogue ist das Nationalgetränk der Kap Verden, destilliert irgendwo in den Dörfern und gut gegen oder für alles. Seine tägliche Einnahme hat sich bewährt, denn nicht überall auf den grünen Inseln ist die Infrastruktur so wie es unsere europäischen Verdauungsorgane gewohnt sind.
Dafür ist das Segelrevier optimal. Die beiden Inselgruppen liegen so günstig zum Passat, daß große Strecken mit raumem Wind zu fahren sind. Jede Insel hat Ihren eigenen Charakter, sodaß es vieles zu entdecken gibt. Man sollte daher jeweils eine Woche für einen Törn zwischen den nordwestlichen (Sotavento) und südlichen (Barlavento) Inselgruppe einplanen. Neben herrlichen Segeltagen im angenehm warmen Passat bieten die Kap Verden Gelegenheit zu vielfältigen Aktivitäten: Surfen mit den Profis vor Boavista, Tauchen in unberührten, fischreichen Spots vor Sal oder Santiago, Wandern in der imposanten Gebirgswelt auf Santo Antao und auf der Vulkaninsel Fogo. Oder einfach Inseln entdecken, auf denen die Zeit stehen geblieben ist, und dabei etwas von der spannenden Geschichte des Archipels erfahren.
Noch beschränkt sich der Tourismus auf 1-2 Jets pro Tag und die Kreolen begegnen den Gästen aus Europa überwiegend freundlich Ð aber die Kap Verden sind eines der ärmsten Länder der Welt und gehören zu Afrika, auch wenn sie sich selbst emotional eher Südamerika oder der Karibik zuordnen.
Bei der Infrastruktur tut sich was und immer mehr Yachties legen auf dem Weg in die Karibik einen Stopp ein und versorgen sich entweder in der großen Hafenbucht von Mindelo auf Sao Vicente oder im Fischerhafen Palmeira auf Sal mit Frischwasser und Lebensmitteln.
Das Angebot an Charterschiffen ist begrenzt, kleine Unternehmen, darunter zwei deutsche (CAT SAIL und CABO VERDE SAILING) bieten insgesamt weniger als 10 Boote an, da gibt es an den Ankerplätzen schon keine Drängeleien.
Auf Boavista hat die Zukunft bereits begonnen, der Flughafen wird auf internationale Maße erweitert und die deutschen Touristik-Giganten haben schon die Pläne für großzügige Hotelanlagen eingereicht. Aber das wird alles noch etwas dauern, wie gesagt das Archipel gehört zu Afrika und alleine Boavista hat mindesten 35 km Strand.
Unsere Erfahrungen mit der CATANA 411 in Stichworten: Wunderbar großes, schattiges Cockpit, bequemer Abstieg zum Wasser auch mit Tauchausrüstung, großes Platzangebot unter Deck, hervorragend isolierte Motoren mit niedrigem Verbrauch. Das Rigg wirkt vertrauenerweckend dimensioniert, Handling auch mit kleiner Crew problemlos, Segeleigenschaften gut, insbesondere wenn man die optisch stabile Bauweise berücksichtigt. Unter dem Aspekt Fahrtenschiff unbedingt empfehlenswert.
Autor: Wolfgang Sorg

