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Micros als Einstiegsdroge

Micros sind bewohnbare Trailerboote. Durch die zulässige Straßenbreite von 2,55m ergeben sich in der Regel Längen zwischen 7 und 9 m. Darunter wird’s sehr eng, darüber zu schwer und unhandlich fürs trailern.

"Micros haben sich in Deutschland nie richtig durchgesetzt". Kurt Diekmann schreibt dies in seinem Artikel "Club Kat-Wunder im 3. Millennium" (Multihull VereinsMagazin: Bote Nr. 96 -www.multihull-verein.de), Ralf Weise in der Einleitung zum Test meines FORMAT 700 im Palstek (Heft 1/96). Dieser Satz scheint zur gängigen Meinung über Micros geworden zu sein, aber stimmt der Inhalt wirklich?

Ich kann mich auch an die Diskussion im Boten vor etwa 15 Jahren erinnern, in der man erwog Micros nicht in den Verein Multihull Deutschland aufzunehmen/bzw. auszuschließen. Sie seien nicht seetüchtig und haben zu wenig Komfort, entsprechen also nicht den Vereinszielen.

In Bereich der Kieler Förde schätzte ich Micros zunächst auf 30% der dort segelnden Multis. Eine Zählung ergab, daß es tatsächlich über 50% sind!

Mir scheint es, als sollen Micros gerade in unserem Verein bewußt oder unbewußt totgeschwiegen werden. Nehmen wir die Jahreshauptversammlung 1995 in HH, parallel zur Hanseboot. Ich hatte meinen FORMAT 700 auf der Hanseboot ausgestellt und viele Vereinsmitglieder besuchten meinen Stand. Einige hockten sogar für längere Zeit unter dem Kat und diskutierten meine Mittelschwertlösung. Am Abend bei der JV kam das Gespräch auch auf Micros, ausgehend von Kurt Diekmann`s Darstellung seiner Clou-Konstruktionen. Ehrengast Gerd Engel brachte an diesem Abend sein Projekt Sposmoker Baby ins Gespräch. Ein Mitglied warf dann ein, dass ja ein Micro auf der Hanseboot ausgestellt sei, woraufhin Wolfgang Weber, der damalige 1.Vorsitzende erwiderte: "Ja, so ein kleiner für binnen". Im darauffolgenden Boten resümierte der Servicemann vom Dienst dann in seinem Vorwort 1 Seite über Solarenergie und die wirtschaftliche Katamaranentwicklung in Europa, ab 36-Fuß aufwärts, versteht sich. Immerhin wurde FORMAT 700 stichpunktartig als anwesend aufgeführt.

Schatzmeister Claas Schwand, dessen Bruder Asmus, Ijsselmeerrvierchef Henri Bik segeln einen Micro, Regionalobmann Thomas Gehm und Ex Vorsitzender Thomas Ostwald hatten einen, unser MD-Redakteur Klaus Ehm hat einen gebaut und Neumitglied Heiko Götte treibt es gar mit zweien!

Micros sind sehr oft der Einstieg für Multihullneulinge. Wer sich dann später einen größeren Mehrrümpfer kauft, denkt gerne an die Microzeit zurück. Schneller und direkter kann man segeln auf zwei oder drei Beinen nicht erleben.

Zitat Claas Schwand: "Gut gebaute Boote, auch kleine, halten generell länger als die Nerven der meisten Crews".

Micros sind seetüchtig. Aufgrund Ihrer Konstruktion bieten sich viele Vorteile. Durch die große Breite bei geringem Gewicht und tiefem Schwerpunkt verfügen Micros über enorme Stabilität. Bei den Kats ermöglichen fehlende Mittelaufbauten große Brückenfreiheit. Netze und Trampoline sind flexibel und geben Seeschlag nach. Formel 1 Racer (Fuji, Enza, etc.) sind nach diesen Regeln konzipiert.

Schnell sind Micros allemal. Joachim Harpprecht gewinnt mit seiner "Fliegenklatsche" fast jede Regatta. Keiner wird den Dragonfly und Farriern ihr Potential absprechen wollen. Nebenbei bemerkt ist Quorning die bekannteste und einzige Serienwerft für Multis in Nordeuropa, bekannt und groß geworden durch den fast schon legendären Dragonfly 800, einem lupenreiner Micro.

Ich kann mich auch gut an einen Törn mit meinem Sohn erinnern. Wir waren im Kattegatt und wollten nach Anholt. Bei guten 5 Windstärken und Starkwindwarnung hatten wir die Ostsee fast für uns alleine. Eine der wenigen Yachten, einen 15-16m Mono einer großen norddeutschen Segelschule, hatten wir zunächst vor, dann hinter uns, obwohl unser F 700 mit vollem Urlaubsgepäck sicher nicht leicht war. Ein gutes Beispiel für Geschwindigkeit und Sicherheit wie ich denke. Details erspare ich mir hier, sonst dichtet man mir womöglich wieder eine Beinahkenterung an. Bekanntlich ist gerade dieser Teil der Ostee ein recht ruppiges Revier.

Ein Micro wird die Existenz von kleinen Multihulls noch dokumentieren, wenn an unseren Enkeln schon die Würmer knabbern, Ali und Jürg Andermatt´s "Antonio Pigafetta". Nach diesem Namen Ihres Kats ist nun eine Bucht auf Spitzbergen in den Seekarten benannt, die sie auf Ihrer Reise in den hohen Norden dort entdeckten (MR Bote Nr. 84). Ein gewaltiger Törn, der die Leistungsfähigkeit und Möglichkeiten, gute Seemanschaft vorausgesetzt, mit einem Micro perfekt spiegelt. j.Peter@format-system.de

Autor: j.Peter@format-system.de

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