Plaedoyer für das Trailer-Mehrrumpfboot
Christoph Wentland
Zu unserem Multihull Forum auf der Hanseboot 2008 wurde ich um einen (Vortrags)- Beitrag gebeten. Zwar hatte ich einen fertigen Beitrag zu den Multihull-Netzen, die ich immerhin nun schon im fünften Jahr mit meiner Firma yacht-netze für unsere Schiffe baue, in der Schublade, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass die breite Masse der Zuhörer bei so einem öffentlichem Forum zwar zunehmendes Interesse am Segeln mit dem Multihull zeigt, aber von solch einem Spezial-Gebiet wie der Netze unserer Schiffe, wenig angesprochen wird. Das wird sicherlich zu einem großen Teil daran liegen, dass die Zuhörer (noch) keine Eigner sind oder eben Charterkunden, da stellt sich keine Ausstattungsfrage.
Bunte, sonnige Urlaubsbilder von südlichen Gefilden sind da schon eher geeignet, die Aufmerksamkeit der Messebesucher auf unsere aufrechte Art des Segelns zu lenken. Da wir seit Anfang des Jahres die Vertretung für Corsair in Mitteldeutschland (PLZ 3, 4+5) sowie den Generalimport der ASTUS Trimarane aus Frankreich übernommen haben, was lag da näher, als die Thematik des trailerbaren Multihulls zum Thema zu machen und dies an einer konkreten Fahrt mit unserem F-31 Trailerboot zur Adria festzumachen.
Das bietet die Möglichkeit, technische Aspekte, hoffentlich auch Erkenntnisse, mit schönen farbigen (verführerischen) Urlaubsbildern zu mischen. Zu dem Thema hatte ich vor ein paar Jahren auch schon einen Artikel für den Palstek verfasst und entsprechend recherchiert, als bekennender Trailerboot-Segler mit über 15 Jahren Erfahrung mit den verschiedenen Bootstypen kommt auch der praktische Background zum Tragen.
Das große Interesse und die vielen positiven Rückfragen haben mich erneut von der Aktualität des Themas überzeugt, und veranlasst auch für unseren Boten eine kleine Zusammenfassung zu schreiben, auch wenn hier natürlich nur wenig Bilder gezeigt werden können, dementsprechend werde ich andere Schwerpunkte setzen.
Die Fahrt mit unserem F-31 zur Adria fand im Jahr 2006 statt, um an der jährlichen Corsair Sommerflottille von Corsair-Germany teilzunehmen. Jeden Sommer organisiert Werner Stolz ein Flottillensegeln mit 5- 6 Corsair-Trimaranen, wo zahlenden Gästen die Möglichkeit geboten wird, auf einem Hotel-Schiff zu übernachten, und tagsüber auf den verschiedenen Corsair- Modellen zu segeln, während das Hotel-Schiff zum nächsten Übernachtungsplatz (Hafen oder Ankerplatz, keine Marinas) vorausfährt. Abends, nach Tagesetappen von ca. 30 – 45 SM mit einer ausgiebigen Mittagspause zum Baden und Schnorcheln, machen die Trimarane dann am Hotelschiff fest, und es wird gemeinsam zu Abend gegessen. Die ganze Veranstaltung hat sehr familiären Charakter und bietet viel Abwechslung. Besonders Segler mit Kindern erleben hier ein völlig neues Segelgefühl, die Kinder haben Gesellschaft durch die Kinder der anderen Segler und es kommt mit Sicherheit keine Langeweile auf.
Genau das war der Grund für unsere Teilnahme an der Flottille, wir wollten unserer Tochter einmal kurzweilige, anregende Segelferien bieten, und keine Familienroutine. Wir waren zwar im Jahr zuvor ebenfalls in diesem Revier unterwegs, aber alleine, da gibt es für ein Einzelkind doch einige lange Stunden, nicht so bei dieser Tour, das Kind war die ganze Zeit beschäftigt, und erinnert dies als die schönsten Segelferien überhaupt. Die Rahmenbedingungen / Organisation: Unser F-31 hat einen Sommer-Wasserliegeplatz auf Fehmarn, wo wir das Boot immer eine lange Saison von April bis Oktober für viele Wochenend- und Kurztouren nutzen und es auch verchartern. An einem Freitag baute ich unser Schiff auf Fehmarn ab und fuhr damit die 330 km nach Gronau. Am Samstag wurden Ostseegegen Adria-Karten getauscht und einiges an Vorräten gebunkert. Am Samstagnachmittag machte ich mich mit einem Segelkumpel auf den Weg nach Grado, Italien (ca.1250 km), kurz nach München übernachteten wir. Am Sonntag nahmen wir in Österreich noch einen weiteren Mitsegler auf und erreichten Grado am späten Nachmittag. Nach der Anmeldung / Einfahrt in der Marina Service Nautioco San Marco stellten wir mit der Jüteinrichtung noch schnell den Mast, auf dem Parkplatz vor dem Travellift, eine Slipbahn gab es leider nicht. Abends gab es ausgiebig Pizza und Bier in Grado. Am nächsten Morgen pumpten wir noch das Beiboot auf, montierten die Solarzellen auf den Seitennetzen, bunkerten Sprit und erledigten ein paar weitere Besorgungen, bevor der Travellift uns ins Wasser setzte. Gegen Mittag machten wir, los und erreichten Novigrat gegen Mitternacht. Dort konnten wir freundlicherweise bis zum Einklarieren am Morgen an der Zollpier liegen. Nach den üblichen Formularen war auch das erledigt und wir machten wieder los gen Süden. In der folgenden Nacht schliefen wir wieder ein paar Stunden auf einem Ankerplatz hinter den Felsen bei Permuda. Am Mittwoch spät in der Nacht fiel in der Bucht von Murter der Anker. Gut 200 sm in 2,5 Tagen mit kurzen Übernachtungsstops, wir waren sehr zufrieden.
Den Donnerstag nutzen wir zum Aufklaren und Entspannen. Am Freitag nahmen die Mitsegler den Bus nach Deutschland, und meine Frau und Tochter kamen mit dem Auto. Am Samstag begann die Flottille. Drei Wochen Familiensegeln in der Sonne, mit Gesellschaft, Entspannung und Abwechselung, in einem der schönsten Segelreviere überhaupt. Frühstück und Abendessen gab es auf dem Hotelschiff, während der mittäglichen Badepause machten wir ausgiebig Brotzeit mit unseren Gästen, abends machten die Trimarane im Päckchen am Hotelschiff fest.
Nach den drei Wochen fuhren meine beiden Frauen wieder mit dem Auto nach Hause, und zwei neue Mitsegler kamen mit dem Bus, um die Rücktour mit mir zu machen. Diese verlief ebenso zügig wie die Hinfahrt, wir verließen Murter Freitag um Mitternacht, stoppten Samstag Nacht für ein paar Stunden und waren am Sonntagabend spät wieder in Grado. Am Montag früh bauten wir ab, und traten mittags die Heimfahrt an. Dienstagabend waren wir mit dem Gespann wieder zu Hause. Das Schiff wiegt ca.1 .750 kg , mit Zuladung und Trailer (750kg) kommen wir auf eine Anhängelast von 2.800 kg, Die ließe sich auch noch gut mit einem Geländewagen oder einem Bus (z.B. Ford oder VW) bewältigen , warum wir diesen zum Wohnmobil umgebauten DB709 haben ist aber eine andere, und längere Geschichte.
Unser F-31 ist mit seinen 9,30 m schon ein richtiges Fahrtenschiff, wie folgende Bilder zeigen:
Aber so haben wir nicht begonnen. Unser erster Multi mit etwas Innenraum war eine Tiki 21. Die haben wir angeschafft als unsere Tochter geboren wurde, damit wir weiterhin segeln konnten. Schnell war uns aber der wirklich rudimentäre Komfort / Innenraum nicht mehr genug. Auch das Aufbauen selbst eines so kleinen Kats, macht viel Arbeit. Die Suche nach mehr Innenraum brachte uns eine Telstar 8m, die Komfortversion der Telstar MKII, ein stäbiger robuster englischer Fahrtentri, mit nur mäßigem Geschwindigkeitspotential. Trailern ging allerdings recht gut. Der Hauptrumpf stand mit angeklappten Seitenrümpfen auf dem Trailer, zum Aufbauen brauchten diese nur angehoben werden und stabile Stützen mittels Maschinenschrauben dazwischen geschraubt werden. Dieses Schiff hatten wir einige Jahre, nur die mäßige Geschwindigkeit störte uns. Auf der Suche nach mehr Power ergab sich die Möglichkeit einen My-Cat von Lars Outrup einen Sommer zu segeln. Das war Segelspaß pur , einmal erreichten wir sogar über 20kn. Vom Innenraum war es ein Rückschritt, wieder deutlich näher an der Tiki. Auch das Auf- und Abbauen verlangte viel Arbeit, noch mehr als bei der Tiki und ein vielfaches mehr als beim Telstar. Danach folgte ein Edel 33, eindeutig kein Trailerboot mehr, sondern gerade noch demontierbar, aber das macht keiner mehr ohne zwingende Gründe, wie z.B. den Transport von oder nach Übersee, oder einen Landtransport ins Mittelmeer. Für Pflegearbeiten holt so ein Schiff aber niemand in sein binnenländliches Zuhause, weder unserer Voreigner noch wir haben das auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen. Dementsprechend war der Pflegezustand des 16 Jahre alten Schiffs. Natürlich hatten wir die Vorstellung alle diese Rückstände in ein paar Wochenenden aufzuarbeiten, und daraus ein dem Alter entsprechendes, aber echtes Schmuckstück zu machen. Die Praxis lehrte uns etwas anderes, wenn wir im Herbst die 330 km angereist waren um fröhlich ans Werk zu gehen fehlte immer etwas. Entweder ein Spezialwerkzeug, weiteres Material, oder das Wetter spielte einfach nicht mit. Nach einer Saison gaben wir auf, und machten uns wieder auf die Suche nach einem echten Trailerboot, was wir mit unserem derzeitigen F31 in nahezu perfekter Form gefunden haben. Es ist das Boot, was uns bisher die größte Befriedigung gegeben hat, es ist nahezu perfekt. Aufgrund des wirklich hohen Geschwindigkeitspotentials bereitet es maximalen Segelspaß, bei gleichzeitig hohem Wohnkomfort und ist dennoch ein echtes Trailerboot. Was nützt mir ein demontierbares und trailerbares Boot, wenn ich gut 1-2 Tage zum Auf- oder Abbauen brauche, dann habe ich schon keine Lust mehr, das Schiff für einen Revierwechsel zum Urlaub, oder ins Winterlager zu trailern.
Unserer Erfahrung nach sollte auch ein Multihull- Trailerboot leicht und schnell Auf- und Abzubauen sein und einen akzeptablen Innenraum bieten. Trimarane sind da eindeutig im Vorteil.
Da ist zwar auch alles vorhanden, aber man kann wohl eher von Angströhren als von Lebensraum sprechen. Wie schon gesagt muss auch das Aufbauen bewältigt werden, entweder mit Trollys, oder durch einen teuren Expansionstrailer. Aber auch bei den Trimaranen gibt es Unterschiede. Müssen die Seitenrümpfe zum trailern baulich vom Hauptrumpf getrennt werden, erfordert dies einen ähnlich hohen Aufwand wie beim Kat, nur dass die Seitenrümpfe leichter sind. Dafür müssen aber auch zwei Einheiten bewegt und montiert werden, danach müssen noch die Netze komplett montiert werden. Am besten ist ein Schiff, das auf dem Wasser auf Segelbreite gebracht werden kann, und bei dem die Netze angeschlagen bleiben können. Die Corsair-Modelle oder auch die kleinen Astus-Schiffchen erfüllen durchweg diesen Anspruch.
Aber es gibt noch ein paar wenige andere Modelle, die das ebenfalls können. Hier noch ein paar Gedanken zu den generellen Vorteilen eines Trailerboots: - Unabhängigkeit und Flexibilität, besonders für „Binnenländer“ - freie Wahl und schneller Wechsel des Segelreviers - keine, bzw. nur geringe Liegeplatz- oder Winterlagerkosten - viele Einspar-Möglichkeiten bei Wartung, Pflege und Instandhaltungsarbeiten - Diese lassen sich wesentlich flexibler planen und durchführen - wer will, und die Zeit erbringen kann, hat die Möglichkeit fast alle Arbeiten kostengünstig zum Materialpreis vor der Haustür selbst zu erledigen - auch wenn das Schiff für längere Zeit in einer Marina, besonders im Süden bleibt, deutlich niedrigere Kosten aufgrund der geringeren Breite - zusätzlich können private Unterstell-Möglichkeiten im Binnenland außerhalb einer Marina genutzt werden - hohe Wertbeständigkeit, die anerkannten und gut trailerbaren Serien haben zwar einen hohen Preis, aber gerade deshalb ist die Nachfrage auf dem Gebraucht-Markt recht hoch - viele Eigner der ersten faltbaren Tris konnten diese nach etlichen Jahren durchaus profitabel verkaufen und haben inzwischen ein neues / größeres Modell gekauft - bei einem anstehenden Verkauf kann das Vorführen und Besichtigen am Wohnort des Verkäufers stattfinden, erst wenn das Geschäft im Prinzip abgeschlossen ist, erfolgt der finale Probeschlag auf dem Wasser - durch die Trailerbarkeit kann das Boot ohne Schwierigkeiten europaweit angeboten und verkauft und ausgeliefert werden
Ich will nicht sagen, jeder sollte ein Trailerboot segeln, wer aber nicht direkt an der Küste, oder in erreichbarer Nähe lebt, sollte ein Trailerboot ernsthaft in Erwägung ziehen, so können viele Probleme / Kosten minimiert werden. Generell, denke ich, sollte ein Schiff der jeweiligen Lebenssituation entsprechen. Wer in unserer schnelllebigen Zeit in Brot und Arbeit steht, wird in der Regel nicht die Zeit haben, Monate auf dem Schiff zu leben und Ozeane zu überqueren. Auch wenn der verständliche Wunsch vieler Segler nach einem möglichst großen und komfortablen Schiff geht, weniger ist oft mehr und verringert Kosten und Mühe. Was nützt mir heute ein großer, zugegebenermaßen komfortabler und angenehmer, aber teurer Kreuzerkat, auf dem ich in acht bis zehn Jahren, im Ruhestand über die Weltmeere kreuzen will? Nichts. Ein Schiff sollte den derzeitigen Erfordernissen und Anforderungen entsprechen und nicht im Vorgriff auf die in eventuell in acht bis zehn Jahren zu erwartenden Verhältnisse gekauft werden. Ob die geplante Situation wirklich so eintritt ist nicht besonders sicher, es brauchen sich nur der Gesundheitszustand, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, oder die persönlichen und familiären Voraussetzungen zu ändern, schon hat man, ganz abgesehen von den Anschaffungskosten, viele Jahre die hohen Unterhaltskosten zu tragen, ohne das Schiff wirklich zu nutzen. Und dies für ein Schiff einer Größenordnung, die man eigentlich gar nicht gebraucht hat. Hätte man von vornherein das Schiff der aktuellen und mittelfristigen Situation angepasst gekauft, mit Ausblick auf einen weiteren Wechsel im Ruhestand, so hätte man viel Geld und Einsatz gespart. Aber auch für den wirklich älteren Segler, dem sein großes Schiff langsam zur Last wird, bietet ein kleines Trailerboot die Möglichkeit, die Lebenssegelzeit zu verlängern. Ist das große Schiff verkauft, oder evtl. gegen eine südliche Immobilie getauscht, kann das
nunmehr kleinere Boot leichter bewältigt werden , und noch ein paar Jahre unbeschwerten Segelspaß bieten, auch wenn dies vielleicht „nur“ Daysailing ist. Aufgrund der vorgenannten Marktsituation haben wir tief in die Tasche gegriffen und für unsere Firma das Maximum-Trailerboot geordert, eine Corsair 37: Trotz der Länge von 11,3 m und dem respektablen
Innenraum: ist dies ein echtes Trailerboot, es faltet wie die kleineren Modelle auf dem Wasser, und ist genauso leicht zu trailern, allerdings nur mit Sondergenehmigung, denn die gefaltete Breite beträgt 2,99 m. In Deutschland ist das kein Problem, hier gibt es gegen geringe Gebühr eine auf drei Jahre befristete Dauergenehmigung, danach muss neu beantragt werden. Europaweit ist die Regelung sehr unterschiedlich, in Frankreich z.B. ist die Regelung wie bei uns, nur die Gebühr ist etwas höher, dafür gilt die Genehmigung auch vier Jahre. In anderen Ländern ist es unter Umständen schwieriger, in manchen bekommt man nur eine Einzelgenehmigung, wie z.B. in Italien, wo diese auch noch besonders teuer ist. Wir haben unser Schiff gewogen, mit 2.800 kg inkl. Segel und Rigg, lässt sich mit einem Alutrailer die 3,5 t Marke noch ganz gut einhalten, das hängt von der Ausstattung und dem Motor ab.

