Ruderblätter bauen
Ruderblätter, egal ob bei Jollen oder Yachten, sollen möglichst steif und vibrationsarm, gleichzeitig aber auch sehr leicht sein. Da jede Yacht nur maximal zwei Ruder hat, kann den Ruderblättern erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden, zumal es hier besonders, „darauf ankommt". Eine schnelle Methode für ein oder zwei Blätter (one-offs) ist nachfolgend beschrieben.
Zunächst werden Sektionen des Profiles etwa alle 25 cm von der Zeichnung abgenommen und aufgezeichnet. Danach werden die Sektionen um den Betrag des späteren Decklaminates vergrößert. Von diesen Zeichnungen nimmt man Negativ-Halbschablonen des Profiles aus Lexan oder Blech ab. Dabei ist es wichtig, daß die Schablonen an den Enden des Profiles jeweils eine ca. 3-4cm lange, waagerechte Auflagefläche sowie eine gerade Centerline haben, damit sie später genau angelegt werden können. Nach diesen Schablonen schneidet man jetzt pro Blatt und Sektion je zwei 6-10 mm Sperrholz-„Spanten“ aus, die im definierten Abstand auf eine vorher genau waagerecht ausgerichtete Helling geklebt werden. Als Helling eignet sich eine einfache Spanplatte, die mit Tesapack beklebt und 2-3 x mit Trennwachs behandelt wird, damit sich die Spanten später wieder lösen. Um auch die verjüngten Randbereiche des Ruders bearbeiten zu können, sollte die Helling auf die genaue Kontur des Blattes ausgeschnitten und auf zwei Blöcken in ange-nehmer Reichhöhe befestigt werden.
Die Rücken dieser Sperrholzspanten werden nun mit schwarzer Farbe angemalt, damit sich beim späteren bearbeiten Schleifspuren deutlich abzeichnen. Jetzt werden in die Zwischenräume Hart-Schaumplatten geklebt, die immer etwas über die Spanten hervorstehen. So entsteht eine Art Pyramide, also ein vieleckiges, halbes Ruderblatt. Die Bereiche höchster Belastung (z.B. Austritt aus dem Ruderkopf oder Umgebung der Ruderwelle) werden mit High-Ddensity Schaum ausgefüllt, um die höheren Scherkräfte aufzunehmen.
Als nächstes wird, zunächst mit dem Surform- oder Elektrohobel, später mit einem langen Schleifbrett, aus der Pyramide ein halbes Ruderblatt geshaped. Dabei dienen die Rücken der Spanten als Tiefenmaß; wo die schwarze Farbe Kratzer bekommt, darf nicht mehr geschliffen werden! Wichtig ist die Länge des Schleifbrettes, es muß den Spantenabstand von 25 cm gut überspannen. Schleifmaschinen eignen sich nicht besonders, meistens verdirbt man damit nur die Form, weil man kein Gefühl für den Abtrag hat.
Wenn die Form stimmt, kann das Decklaminat aufgebracht werden. Bei der Dimensionierung sind die Ingenieure von SP Systems gern behilflich. Mit Epoxidharz und Unidirektionalgelegen werden höchste Festigkeitswerte auch im Handlaminat erreicht. Die beiden Blatthälften werden nach vollständiger Aushärtung von der Helling gelöst und umgedreht. Um sie vernünftig lagern zu können, sind die Reste von den ausgeschnittenen Spanten als provisorische Helling sehr hilfreich. In dieser Position können nun ggf. die Vertiefungen für die Welle bzw. Einsätze für Sperrholzeinlagen im Bereich der Beschläge ausgearbeitet werden.
Im Bereich der Hinter- und Vorderkante wird der Schaum mit einemStecheisen auf ca. 2-3 cm entfernt und durch eine Epoxy/ Mikrofaser-Mischung ersetzt, damit Kollissionsschäden vermieden werden.
Zuletzt können die beiden Hälften mit einer Epoxy/Mikrofaser-Mischung zusammengeklebt und gespachtelt / lackiert werden. Es empfiehlt sich, die Vorderkante mit einem dünnen Glasgewebe überzulaminieren, damit sie nicht aufplatzen kann. Beim Zusammenkleben auf genaue Ausrichtung achten, damit aus dem Ruder keine Banane wird!
Quellen: www.spsystems.de und Infoblatt Gaugler&Lutz, Aalen
Autor: Klaus Ehm


