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Strom auf Langfahrt

Liebe Freunde der Mehrrumpfboote. Bin inzwischen in SavuSavu auf Fidji, die Wirbelsturmzeit ist vorüber und Anna liegt noch einmal am Strand, um die unteren Kiele mit Antifouling zu bemalen. Hatte einige Emaileingänge als Reaktion auf meine Zeilen im Boten. Es gab unter anderem Fragen zum Thema Energieversorgung auf Langfahrten.

Ich glaube dazu gibt es ziemlich unterschiedliche Ansichten, und meine Zeilen hier sollten wirklich nur als Denkanstöße verstanden werden. Es gibt Segler, die mit Petromaxlampe und einer Batterie für den Motorstart seit Jahren segeln und es gibt Boote, die mit Strom kochen, Waschmaschine und Klimaanlage betreiben. Für beide sind meine Zeilen nicht gedacht.

Man braucht auf einem Boot Gleichstrom (DC) und Wechselstrom (AC). Den Gleichstrom speichert man in Batterien, den Wechselstrom erzeugt man, wenn man ihn benötigt.

Zur DC-Erzeugung bieten sich verschiedene Methoden an; ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sind die gebräuchlichsten: Windgeneratoren, Wassergeneratoren, Lichtmaschine am Motor, portabler Benzingenerator fest installierter Dieselgenrator und Solarpanele. Zur AC Erzeugung, kommen Benzingeneratoren, Dieselgeneratoren und DC/AC-Inverter in Frage.

Zunächst eine Bemerkung zu den Batterien. Als ich 1988 los segelte, gab es auf „Anna“ alle Arten von Batterien. Teure Gel Batterien, wartungsfreie Tiefentladbare und ganz billige Autostarter-Batterien: Alle gingen kaputt, bevor ich in der Karibik war. Eine ziemlich teure Lucas-Batterie, in England gekauft war eine der ersten. Sie hatte lifetime warranty. Als ich später fragte, was mit lifetime gemeint sei, bekam ich die logische Antwort: Solange sie lebt! Anfangs waren meine Batterien von der Größe einer Lastwagenbatterie. Diese lassen sich ziemlich schwierig transportieren.

Batterien gehen meiner Meinung nach am ehesten durch Überladung und Wärme kaputt. In tropische Wärme verdunstet die Flüssigkeit einzelner Zellen trotz regelmäßiger Wartung, wenn man nicht daran denkt. Eine kaputte Batterie entlädt die andere, und das Paket ist flach. Auf „Anna“ gibt es deshalb seit Jahren nur kleine Batterien, der untersten Preisklasse Preis z.B. in Mexiko ca. 40 U$, wenn sie kaputt sind werden sie ersetzt. Einige sollte man unbenutzt auf Lager haben.

An Windgeneratoren, habe ich fast alle Typen auf „Anna“ gehabt. Der erste war ein englischer LVM dessen Flügel nach kurzem abbrachen. Der nächste englische, der mit den vielen schwarzen Flügeln, Ampair, war sehr dekorativ und leise. Als ich mich wegen der geringen Leistung beim Hersteller beklagte, sagte man mir, ich solle die Diode entfernen, was ich tat. Der Windgenerator drehte sich daraufhin besonders schnell bei Windstille, bis die Batterie leer war. In Sint Maarten kaufte ich einen zwei Flügel Windbugger, zum Aufhängen. Seine Leistung ist beeindruckend. Trotz 20 A Diode kamen bei 15-20 kn Wind über 10 Amp. In die Batterie. Und trotz weicher Aufhängung, d.h. kaum Geräuschübertragung, war die Lärmbelästigung ziemlich groß. Wenn der Wind abflaute, klang es, als ob ein Helikopter aufsetzt. Das Gerät muß bei 27 kn abgestellt werden, es erzeugt sonst zu viel Strom, wird zu heiß, und ist eine mechanische Zeitbombe. Die Reihe der Unfälle ist groß. Meiner berührte in Costa Rica in einer Böe des Papagallo eine Want, die Achse verbog sich ca. 25 Grad und der Kohlefaserverstärkte Flügel hackte eine tiefe Kerbe in „Annas“ Deck. Den 4 Winds Generator, der sich selbst mit Hilfsflügel abbremst, hatte ich nicht: Die Firma war angeblich zwischenzeitlich pleite. Inzwischen ist eine neue Errungenschaft auf dem Markt, mit futuristischer Form und langen spitzen Flügeln, die schon mehrfach verändert wurden. Er soll sehr viel Strom erzeugen und Orkansicher sein. Jedesmal wenn ich das Ding kaufen wollte, war er gerade nicht am Lager. Seit meinen Tagen auf PagoPago, American Samoa, bin ich froh, darüber. Ich hatte hinter einer Barge mit anderen Booten fest gebunden, als es einige Tage und Nächte mit 50-65 kn durch den Hafen wehte. Ankern kann man vergessen, der Ankergrund besteht aus dicken Plastiksäcken und Tüten. Von der Barge flog der Rost aufs Deck. Aber das Schlimmste war das Röhren dieses Windgenerators, auf einem Nachbarboot, dessen Flügel sich bei 50kn verformten. Es was das demoralisierendste Geräusch, das ich mir bei Starkwind vorstellen kann.

Wassergeneratoren habe ich nie versucht, glaube aber, daß die Strömung zwischen den Rümpfen eines Cat, suboptimal dafür geeignet ist.

Auf Anna gibt es derzeit 6 Solarpaneele, die leicht verzurrt horizontal auf dem Vornetz liegen. Pro Paneel 50 Watt maximale Leistung, aus Japan, kosten in US ca. 280 U$ das Stück. Zwei liefern Strom für den Wassermacher, der Rest lädt die Verbraucher Batterien.

Anfangs hatte ich einen DC/AC Inverter mit etwa 500 Watt 220 V, den ich für meinen ersten Computer brauchte. Als dieser wegen unüberlegter Überlastung sein Leben aushauchte, kamen die neuen Hochfrequenz-Inverter auf den Markt. Diese verbrauchen fast nichts, wenn sie nicht belastet werden, und sind auch deutlich billiger. Ihr Nachteil ist allerdings nicht gering. Sie erzeugen eine massive HF Störung des Radios. Wenn die Batteriespannung fällt, schalten sie sich ab. Vorher schnellt kurzzeitig die Wechselstromfrequenz nach oben, was kürzlich ein Netzteil meines Laptops ausgepustet hat. Ich benutze meinen nur noch für meinen Waterpick, zum Zähneputzen.

Benzin-Generatoren sind kleine Wunderwerke. Einiges sollte man beim Erwerb beachten. Eine Öldruckkontrolle ist wichtig und der Auspuff sollte aus Niro sein. Der US Generator von Coleman mit einem B/S Motor, ist zwar ziemlich billig, hat beides nicht, außerdem ist er so schlecht konstruiert, daß man ihn kaum ohne Beschädigung auseinander nehmen kann. Die Benzin-Generatoren neigen dazu, nach einiger Zeit Verbrennungsrückstände im Zylinderkopf abzulagern. Im Handbuch steht dann „contact the next dealer“. Man nimmt den Zylinderkopf ab, und reinigt Verbrennungsraum und Ventile von der Kohlekruste. Ein Drehmomentschlüssel ist dabei von Vorteil. Man sollte vorsichtig mit der Dichtung umgehen, oder eine in Reserve haben. Auf „Anna“ gibt es zwei luftgekühlte Benzin-Generatoren mit je 1 KW. Beide waren kürzlich durchgebrannt, was ziemlich mißlich war. Inzwischen läuft einer wieder. Beide in USA gekauft erzeugen 120V/60Hz. Die meisten meiner Elektrowerkzeuge sind in US gekauft; dazu habe ich einen großen Trafo für 1,5 KW, für die guten alten Bosch Werkzeuge, die ja fast ewig halten. Hier auf Fidji gibt es wieder 240V/50Hz. Ersatzteilkauf ist daher nicht so leicht, aber ich fand eine Werkstatt, die mir die Statorspule neu gewickelt hat.

Schön wäre ein Inbord-Dieselgenerator, aber der Preis hat mich bisher abgehalten. Hier sah ich einen Yanmar Dieselgenerator mit Wasserkühlung, den man vielleicht marinisieren könnte. Bei Diesel Inbord Generatoren ist es wichtig, den Generator ebenso wie den Motor zu kühlen. Sie gehen nicht selten kaputt, weil die Bordfrau kraftvoll in der Küche alles belastet, was möglich ist, und die Generatorkühlung für europäische Klima Breiten gedacht ist.

Vielmehr fällt mir zum Thema nicht mehr ein. Energie Sparen lohnt sich auch auf dem Wasser. Und aus Sonnenlicht Trinkwasser zu machen, erscheint mir auch sinnvoller als aus teurem Diesel. thomasneuber@hotmail.com

Autor: Dr. Thomas Neuber

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