Um die Ostsee mit FUN TOO nach Riga
Um die Ostsee mit FUN TOO nach Riga 2005
Gertraud Filgis berichtet
Voriges Jahr, 2004, befand sich Fun Too, über die
Rhone kommend, im Mittelmeer bei Cannes. Sodann zum Canal du Midi und via Biskaya, Engl. Kanal, Holland, Rostock und Rügen nach Karlshamn, Schweden..
Im Juni 05 verlassen wir Karlshamn durch die
Südschären.Lange Wartezeit vor der Hasselöbrücke
bei Karlskrona. Den Aspösund -zw. den Wehrburgen Drottningsskär und Kungsholmen kann
das Militär unter Wasser absperren. Stark gerefft gelangt Fun Too zur Ecke Torshamn und durch
einen betonnten Kanal in die Weite des flachen Meeres raus zur Ostsee. Staunend sehen wir viele
Windkraftwerke im Kalmarsund.die vor 9 Jahren
noch nicht da waren. An Kalmar segeln wir vorbei
mit der Erinnerung an einen Stadtteil voller blumenumrankter Kleinhäuschen. In diesem Burgkomplex mit 5 Türmen wurde 1397 die Kalmaer Union
unterzeichnet und die Dänen herrschten über Teile
von Schweden.
Segelnderweise geht es unter der 6,5 km langen
Ölandbrücke hindurch. Nach 1 Std. ist Schluss
mit lustig. Auftürmende dunkle Wolken und die
angesagte Windänderung auf E 6 Bft. Haben uns
erreicht. Querab auf Öland liegt Soliden, die Sommerresidenz des Königs. Fun Too fängt an zu surfen. Das Reffen ist eigentlich schon überfällig. An
steuerbord steht erhöht und gewaltig die Burgruine
von Borgholm.
Auf Höhe Fyr Slottsbreden laufen wir im ostdrehenden Starkwind ab nach Timmernabben.
Bald regnet es. Der Kalmarsund ist derart voller
Untiefen, so dass nicht in Ufernähe hochgefahren
werden kann, will man Meilen machen. Deshalb
geht es weit raus bis Dämmanfyr,Bla Jungfrun,
Bussgrundfyr und schließlich in die Schären rein,
Richtung Västervik.
In der Vippholmenvik hat der 12 m Kat Arche Noah
IV festgemacht. Spontan folgen wir der Einladung,
den Eigenbau zu besichtigen. Es wird ein Abend
in netter Gesellschaft, inmitten stimmungsvoller
Naturkulisse.Langsam zieht die Fock FunToo durch
die schützenden Außenschären, vorbei am von der
Eiszeit rundgeschliffenen Granit, unterbrochen von
Adrenalinschüben, verursacht durch kurzfristige,
orientierungsstörende Nebelbänke. Ganz schön
spannend! Wir schütteln die Kälte aus den Schultern, sobald die Sonne den Rücken wärmt. An den
Klippen befinden sich oft Festmachringe und WC-
Häuschen.
Bei Flisö liegt, einsam und sehr geschützt, eine
verdorrte Eiche in Ufernähe und ein knorriger Ast
wird per Leinenwurf unsere Boje für die Nacht.
Im glatten Wasser spiegeln sich kopfüber Felsen,
Bäume und Farne zu einem wunderschönen Aquarell. Nur durchdringender Möwenschrei stört die
Stille. Sehr lange noch scheint mild die Mittsommerabendsonne, geht kurz vor Mitternacht über in
einen Dämmerzustand und in der Koje wird mir
klar: von solchen Nächten kann man im Hotelbett
nur träumen.
Mit 3 kn segeln wir stundenlang durch Natur
pur zwischen den grünen Schären von Gryt mit
natürlichen Häfen und Ankerplätzen. Alles ist gut
betonnt durch sichtbaren und unsichtbaren Granit
hindurch.
Bla Kusten, die blaue Küste, hat ihren Namen
daher, dass die Schären hier so klein sind und das
Blau des Meeres überwiegt. Schon zeitig am Nachmittag machen wir fest in Arkösund. (Tankstelle)
Eine sehr tiefe Bucht bringt uns später hinter nach
Trosa (12,- Euro) mit gepflegten Parks, schmucken
Holzhäusern, teils a.d. 17.Jh und duftendem Flieder.
Vor florierenden Hotels parken Volvo, BMW, Porsche und 1 Lamborghini, während drinnen sich der
Stockholmer Luxus bei Kerzenlicht labt.
Mit gerefften Segeln fahren wir um 06 Uhr los. Es
ist ,,kuling", Starkwind, angesagt. Doch schon 2
Stunden später suchen wir Lee am Schilfgürtel von
Mörkö. Hoher Himmel, helles Licht, skandinavische
Weite, Schaumkronen auf Abstand, rote Holzhäuschen zwischen grünem Astwerk. Abends 2 Stunden
Platzregen.
Es folgt ein breiter Sund, der bei Södertälje endet.
Die Boote liegen auf dem Ohr oder rauschen per Spi
vorbei. Direkt vor der Schleuse die Marina (13,-E),
5 Gehminuten zum Zentrum. Hier soll ein Spezialist
unserem Laptop helfen, Probleme zu lösen, die wir
ohne den Computer gar nicht hätten. Per Pendelzug
ist man in 17 Min. in Stockholm. Viele Segler nutzen diese Alternative. Die ,,Diana" fährt vorbei. Die
kleine schmale Fähre fährt schon seit über 30 Jahren
die Strecke Stockholm, Göta- und Trollhättankanal
und Göteborg. Nostalgische Gedanken folgen ihr.
Die Schleuse öffnet alle 30 Min. Brückenhöhe dahinter 17 m. Fun Too fährt ins Süßwasser des Mälaren, einen riesigen See, an dem über 20 Schlösser
liegen, steinreich geworden, durch Granitexporte.
Ein paar Stunden nach backbord gesegelt, und wir
wären, wie mit der Antigua, wieder in Mariefred mit
Schloß Gripsholm. Zu Gustav Wasa Zeit wurde die
Burg umgebaut. In der Nähe liegt das vielbesuchte
Grab von Kurt Tucholsky. Genau vor uns liegt
nun die Insel Björkö mit Birka, ,,Hauptstadt" der
Wikinger. Der deutsche Mönch Ansgar brachte das
Christentum nach Schweden. Das hohe Steinkreuz
zeugt davon.
Guter Segelwind führt uns jetzt an der Insel Ekerö
entlang. Es wurde im Einzugsgebiet von Stockholm
seither viel gebaut. Trotzdem spazieren an den
Ufern Leute entlang, denn im humanen Schweden
gilt das Jedermannsrecht, jeder darf auch auf Privatgrund am Seeufer entlanggehen.
Als wir Gegenwind 5 Bft. Auf die Nase haben, sagt
der Skipper ,,So jetzt mag ich nicht mehr". Auf
Skärholmen ist ein einsamer kleiner Fährkaj gerade
noch lang genug für unser Nachtlager. Nebenan
steht eine Semafore. Das ist ein rundes, fällbares
Schild auf einer Stange befestigt. Stellt man das
Rundschild senkrecht, weiß der vorbeifahrende
Kapitän ,,draußen", dass ein Passagier befördert
werden will und läuft den Kaj an. Bei Dunkelheit
tut man gut daran, mittels mitgebrachter Taschenlampe zusätzlich zu leuchten, sonst fährt die Inselhüpferfähre vorbei und der Pechvogel muß bis zum
nächsten Tag warten. Im Westen verdichtet sich die
rabenschwarze Front des heranziehenden Tiefs mit
mehreren Gewittern als Höhepunkt.
Lovön mit dem Schloss Drottningsholm in dem die
Königsfamilie seit 1981 wohnt. Am Holzkai können
wir anlegen, spazieren durch die Parkanlagen und
statten einen Besuch dem kl. Rokokoschloß Kina
ab. Beim Weiterfahren rund um uns brückenumspannende Wasserarme. Vor uns die vergoldete
Kuppel des Rathauses, neue Wohnsiedlungen. Die
Schleusung zum Saltsjön, dem salzigen Arm der
Ostsee, koset Skr 120,- und wir sind in Stockholm,
dem Venedig des Nordens.
Beim Vasamuseum hängen wir uns an einen Kutter, denn wir benötigen 2 Seekarten, Übersegler für
Finnland und das Baltikum. Die erhalten wir bei
Stockholms Nautiska Magasinet, Slussplan 5 und
zwar: FIN 952 sowie Ostersjön norra delen 7.
Stockholm ist auf 14 Inseln gebaut, das Stadtgebiet besteht zu ca 1/3 aus Wasser. In der Altstadt
betonen das Königsschloß und die staatl. Gebäude
die Rolle als Landeshauptstadt. Auf Kungsholmen
steht das weltbekannte schöne Rathaus, wo jährlich
in der ,,Blauen Halle" und im ,,Goldenen Saal" der
Friedensnobelpreis gefeiert wird.Im überdeckten
Vasamuseum, ein Muß für jeden Stadtbesucher,
steht das majestätische Kriegsschiff ,,VASA",
bestückt mit 64 Kanonen an Bord. 1628 sank es
bei der Jungfernfahrt noch im Hafenbereich, weil
es aus Geltungssucht zu hoch gebaut wurde. 1961
wurde es fast unversehrt geborgen und ist weltweit
das einzige seiner Art.
Es gibt Bankpaläste und pompöse Gebäude aus
dem 19.Jh. An den Kajs liegen Riesenfähren aus
Übersee, Finnland und Deutschland. Jede Schäreninsel hat ihre Fährverbindung, die hier endet.
Es ist ein ständiges Ankommen und Abfahren und
alle verursachen einen Riesenschwell. Wir motoren
vorbei am Vergnügungspark Gröna-Lund.
Die Inselgruppe Fjäderholmarna sind mit kleinen
roten Holzrestaurants geschmackvoll bebaut. Das
Geschäft brummt. Fun Too verlässt Stockholm Die
Insel Djurgarden ist ein Nationalpark mit vielfältigem Freizeitangebot. Mit der Antigua bogen wir
damals rechts bei Nacka ab nach Saltsjöbaden,
zu den Außenschären bis raus nach Sandön mit
Sandhamn. Dort befindet sich der KSSS, der Königl. Schwedische Segelclub. Die Insel liegt an der
Grenze zum offenen Meer und ist seit jeher wichtig
für die Seefahrt. Damals wimmelte es von Booten,
Teilnehmern und Zuschauern, denn das Rennen
,,Gotland rund" wurde anderntags gestartet. Die
Antigua lag neben der 24,5 m langen ,,Very Bright"
des Frantz Nilson Teams.
Heute fahren wir vorbei an Lidingö, der Insel der
Superreichen, wo der Baugrund auch schon knapp
wird.
Vaxholm ist die populäre Hauptstadt des Schärengartens, 13 sm von Stockholm entfernt und Knotenpunkt für jeglich erdenklichen Schwell von Autound Ausflugsfähren, Seglern und den vermaledeiten
Motorbooten als Hundertschaft. Die Hafengebühr
beträgt 12,- Euro. Eigentlich hätten wir Schmerzensgeld für diesen Hafen bekommen müsssen
Es wollen alle zurück zur Natur und zwar per Boot
und alle auch noch gleichzeitig. Die Masten im
Hafen schwingen wie Pendeluhren, dabei ist es
Windstill, denn die kl Motorboote gasen zur Tankstelle in den Hafen rein. ,,Tuuuut, tuuuut", ertönt es
weithin von dampfbetriebenen Verbindungsfähren.
Sie beliefern die umliegenden Inselläden, teils kostenlos. Eine Grundvoraussetzung zum Überleben
da draußen.
Die Inselwelt, die sich von Stockholm aus 80 km in
östl. Richtung ausbreitet, lag zu Christi Geburt noch
größtenteils unter Wasser. In Nähe des Festlandes
sind die Inseln größer und bewirtschaftet. Je weiter
zum Meer man kommt, desto kleiner und flacher
werden die Eilande und schließlich sind sie völlig
kahl. Ihre Zahl wird auf 30.000 geschätzt.
Direkt vorgelagert steht auf Vaxholmen aus grauem
Granit die mächtige Vasaburg, strategisch gelegen,
um dem Feind damals das Eindringen nach Stockholm zu verwehren. Deshalb war es Vorschrift,
den Ort Vaxholm nur aus Holz zu bauen, damit er
schnell abgebrannt werden konnte bei einer Belagerung.
Erst 2 Stunden durch leichten Nebel motort. Dann
nervt 1 Stunde lang der Blister, aber 2 kn sind eh
zu wenig, also wieder den Motor an. An den Ufern
Prunkvillen mit 200/300 qu/m Wohnfläche. Erst
weit draußen wieder die roten Schwedenhäuschen.
Wir finden kl. Läden, voller Eifer betrieben mit einheimischen Produkten wie Fisch, Eier, Frühkartoffeln, Selbstgebackenem, Erdbeeren. Die Wassertemperatur beträgt 17-20 Grad, überall wird gebadet,
denn es ist Sommer!!. Siärö besitzt Bunker und 2
Kanonen aus dem 1.WK. Aus dieser Inselabdeckung
heraus, erfasst uns ein Südwest im Düseneffekt und
Fun Too segelt mit 7 kn an Yxlan entlang, durch
den kurzen Furusund und dann kriecht ziemlich
schnell flächendeckender Nebel vom offenen Meer
her und macht die Gegend ungemütlich. Hart an
der Sichtgrenze tasten wir uns vorwärts unter konzentrierter Anspannung. Bergen die Segel, damit die
Fahrt aus dem Schiff kommt. Laut Seekarte stehen
wir unmittelbar vor einem kleinen Gästehafen. ,,Neben uns muß die Insel Marö liegen, sie ist nicht da."
,,Doch doch, wir können sie nur nicht sehen" ,,Wo ist
dieses Licht und der Grüne?, es ist doch unmöglich,
dass Nebel so kompakt sein kann"! Dafür ist vor uns
was Weißes. ,,Achtung, da steht einer im Wind und
versorgt seine Segel." Erschreckend ertönt von vorne
ein lautes Tuuuut-Signal und die Wellen einer gr.
Finnjetfähreklopfen an Fun Too entlang in der engen
Passage. Dazu fährt achterlich kommend mit vollem
Speed ein kleines Motorboot vorbei und in die Watte
hinein. ,,Die m ü s s e n besoffen sein"! Langsam
tuckert unser Motor vorwärts, die Augen spähen
durchs Fernglas. Nach 15 Min. steht der ,,Grüne" da.
,,So rum um 90 Grad und laaangsam weiter." Und
dann schimmert es wie eine Zahnreihe ,,Boooote".
Wie auf einer engen Slalompiste lenken wir Fun Too
durch die rotgrünen Stangentore mit einer Tiefe
von 1,9 m hindurch. Wir sind im Freizeithafen von
Kappelskär, dem Absprunghafen nach Finnland. Als
nach 30 Min. der Nebel aufreißt, strahlen wir um die
Wette, mit der Sonne.
Es ist Donnerstag vor Mittsommer 17 Uhr und an
den Stegen findet der Auszug aus Ägypten statt.Ca
100 Autos entladen hohe Stapel Bierdosen, Wägelchen voller Taschen und pralle Tüten, Lebensmittel,
Kühlboxen, Hunde mit Schwimmwesten und Kleinkinder mit Windeln zwischen den Knien, Dreiräder
und in grünen Plasttüten klirrende Flaschen der.
Systembolage(Laden für Alkohol). Alles landet auf
den vielen Motorbooten, deren Wasserlinien sinken.
Es ist das größte (Sauf) Fest der Schweden, wo keine
Kehle trocken und keine Insel bootfrei bleiben wird.
Freitag: Für die nächsten 6 Tage ist Sauwetter und
,,kuling" angesagt. Karpe diem, nutze den Tag! Schon
um 05.45 Uhr zieht uns der Blister flott zur Ausfahrt
gen Insel Fejan. Heimgesucht von Krieg und Pest im
18. Jh, war Fejan Qarantänestation. Auf diese Insel
flohen im 2. WK 30.000 Esten in kl Booten vor der
russischen Okkupation über die Ostsee (Durchgangslager).
Einige der Außenschären, an welchen wir vorbeisegeln, waren wichtig für die Verteidigung Stockholms.
Es wurden Warnfeuer angezündet, sobald ein fremdes Boot gesichtet wurde. Eine sehr karge Natur hat
die Inselbewohner abgehärtet. Eine Fährhaltestelle
heißt z.B. ,,Hungerland".
Fun Too erreicht die offene Ostsee. 3 Stunden lang
wird es ,,Segeln mit dem großen Löffel" per Spi bei
4 Bft West. Auf halber Strecke wird der Wind SW
6 . Fun Too surft bis zu 9 kn durch die Ostsee,
gefolgt von immer größer werdenden Wellen. Im
Waschbecken der Toilette spritzt Salzwasser hoch.
An backbord taucht auf der Kimm winzig die
Hauptinsel von Aland auf, eine Fähre kommt aus
Mariehamn. Mit der Antigua lagen wir vor der 4
Mastbark ,,Pommern" dort. Jetzt geigt die kleine
Iroquois auf das Feuer von Nyhamn zu, das noch
unsichtbar, laut GPS aber nur noch 10 sm, also gut
1 Stunde entfernt stehen müsste. Und dann wird
es ungemütlich, der Mund trocken, denn Fun Too
läuft 2 x lange quer zu den Wellentälern, bis die
Ruder wieder Wirkung zeigen. Der Skipper muss
aufs Vorschiff, öffnet den Spi, fällt dabei hin, aber
das Flattern ist Musik in meinen Ohren. Breitbeinig
stehend, halte ich Fun Too auf Kurs. Mit Sturmfock
geht's weiter zw. 5/6 kn. Nyhamn Feuerturm wird
passiert, aber es dauert noch über 1 Stunde, bis ein
paar kleine Schären die Wellentäler abbremsen.
Kursänderung. Große Fähren, aus Abo/Turku
kommend, kreuzen unseren Kurs. Als wir auf Föglö
Degerby /Aland am kleinen Steg wohlbehalten
anlangen, liegen 47 sm mit einem Durchschnitt von
6,6 sm hinter uns.
Alle Boote sind mit Birkenzweigen geschmückt,
Mädchen tragen frische Blumenkränze im Haar. Die
Mittsommerstange ist sehr schön geschmückt.
Wir stellen die Uhr um 1Stunde vor. Und die angekündigte Kaltfront kommt so sicher wie das Amen
in der Kirche, die der Skipper vorzugsweise in der
Sauna abwettert. Bald mischen sich in die Böen Regentropfen, die Temperatur sinkt.
Samstag. ,,Teufel, siehst Du nüchtern aus" ist der
Morgengruß unseres Bootsnachbarn. Zeitweise
regnet es, die Nationale steht steif im Nordwind
und als Kompensation ertönen im Radio Melodien
von Sommer, Sonne, Wärme und Volksweisen zum
Tanzen. Sonntag Ruhetag.
Der Regen zog weiter, der Wind bleibt konstant.
Seewetter: NW 6, später 7 Bft. ,,Die Windrichtung
passt." ,,Aber nicht die Stärke." ,,Willst Du nach
Helsinki oder nicht?" Nur unter Sturmfock wird es
ein 11 Stundentag. Als wir in der Außenschäre Gullkrona ( 8.-E plus 4,- E Strom) ankommen, ausgeblasen und frierend, liegen 56 sm hinter uns, davon
40 sm draußen ungeschützt im Finnischen Meerbusen, wo es nur so kachelt. Von Thailands Klima
verwöhnt, trägt die Crew bei 12 Grad gefütterte Skihosen, Pudelmütze und Handschuhe. Die Iroquois
liegt mit der geringen Besegelung leicht am Ruder
und läuft um die 6-11 kn stundenlang. Die letzten
16 sm führen zwischen weit voneinander entfernt
liegenden flachen, kleinen Schären und niedrigen
Inseln mit gedrungener Vegetation hindurch. Zum
Schluss geben sie uns guten Schutz.
Die Seezeichen, im Übersegler nicht vorhanden,
haben uns zunächst konfus gemacht mit den
ungewohnten Farbkombinationen von weiß-gelb-schwarz, je nach Himmelsrichtung. Doch man ist
lernfähig. Und vom nordisch hellblauem Himmel
mit weißen, schnellziehenden Wolken geraten wir
ins Schwärmen. Finnlands Nationale, weiß-blau,
spannt sich sonnig den ganzen Tag über uns. Die
Schären sind weit entfernt am Horizont und klein
wie Fliegenschisse. Der Skipper staunt ,,die Gegend
ist ja riesig hier."
In Kasnäs kostet die Marina 16.- Euro, Sauna inbegriffen. Nach dem Schwitzen baden die Finnen im
Meer. Da wir uns nicht den Tod holen wollen, stellen wir uns mutig unter die laue Dusche. Abends
viel Regen.
Trotz Handschuhwetter schon um 06 Uhr unterwegs. Wieder NW 5-6 Bft, aber ablandig. Schönes
Segeln. Bis, ja bis die Crew im Inselgewirr der
Außenschären 6 sm vor Hangö zwei im Gegenlicht
befindliche rot/grüne Stangen einfach nicht gesehen
hat. Da lob ich mir das narrensichere Betonnungssystem der Franzosen, mit weithin, auch bei Gegen-
licht sichtbaren gelben Bojen, darauf unverwechselbar Konus oder Zylinder. Auf unserem riesigen
Übersegler sind nicht mal Lichter oder Leuchttürme
drauf. Der Anblick dieses Labyrinths von einigen
hundert Inseln ist für mich trotz des Studiums wie
im Katechismus, ein Buch mit 7 Siegeln., aber so
lange der Skipper damit zurechtkommt..... Nichts
ahnend befindet sich Fun Too plötzlich inmitten
von wie Walrücken aussehenden Granitbuckeln,
sowie Geisire spritzenden Untiefen und hellgrünen
Flecken von Unterwasserriffen. Durch das erschrockene Umherschauen schlägt die Fock back, bleibt
am Vorstag hängen, geht auf, flattert als Dreieck im
Starkwind mit Wellentälern. Den Motor runterlassend, versuche ich mich in den Wind zu stellen. Der
Skipper, Granitschrott im Blick, läuft unter weißem
Bart rot an."Hier wird NUR etwas gemacht, wenn
ich es SAGE." (Das nächste mal heirate ich einen
Brieftaubenzüchter, die Viecher haben eingebaute
GPS) Mit Kompasspeilung und Feldstechern finden
wir die Richtung zum übernächsten ,,Tor" Nach einiger Funkstille bekomme ich Schulterklopfen. ,,Mit
etwas Stress und Adrenalin schaffen wir doch alles."
Fun Too ist wieder auf Kurs durch die Schärenwelt
an der Südspitze Finnlands, wo am äußersten Zipfel
einer langen Landzunge Hangö liegt, die südlichste
Stadt Finnlands..Im Hafen orgelt der Sturm in
den Masten. (17.-Euro). Der alte Kurort besitzt
schmucke Holzvillen mit Türmchen. Vor über 100
J. wanderten von hier etwa 400.000 Finnen aus nach
Australien und Übersee.
Trotz Regenschauer und Nordwind sind viele Yachten unterwegs. Durch teilweise unberührte Inselnatur führt die Route. Es ist sehr kalt. Jetzt weiß ich
auch, warum die Finnen die Sauna erfunden haben::
Damit sie sich, samt Hochprozentigem, im Sommer
aufwärmen können.
Laut GPS stehen wir nach 36 sm in 8 Std. vor dem
Gästehafen, der aber nicht da ist. 3 x tigern wir 100
m auf und ab. Nichts. Auch eine gr. Deutsche Segelyacht ist ratlos, geht ankern. Das wollen auch wir
tun und fahren in eine Schilfwiese, die eine Öffnung
breit wie Fun Too aufweist, die Rinne ist 2,90 m
tief. Und so wie die Stiefmutter hinter den 7 Bergen
Schneewittchen fand, werden auch wir nach 7 Bergschleifen fündig. Der Gästehafen Elisaari-Älgsjön
(8,--E Elchsee) liegt fjordartig zwischen 2 Inseln in
einem Naturschutzgebiet und bietet für 150 !!! Boote
Platz.. Der Skipper sagt siegessicher: ,,Siehst Du, der
GPS hat immer Recht." Und es regnet schon wieder
und die Nacht dazu. ,,habt Ihr hier in Finnland
immer solches Wetter?" ,,Nein, nur im Juni-Juli-August, dann wird es schlechter."
Fun Too trägt als Leinwand heute keine Segel, sondern das große Regenzelt. Es ist wie Camping auf
dem Wasser. Unter Schauern und motorend geht
es zu der Landzunge von Porkala. Dieses Gebiet
musste 1944, der 2. WK war hier schon verloren, als
Militärstützpunkt für 50 Jahre an die Sowjetunion
verpachtet werden. Mehr als 7.000 Einwohner dieses Gebietes wurden kurzfristig evakuiert.
Später folgt unsere Route engen Wasserpfaden in
idyllischer Landschaft. Hier in den Innenschären
tragen manche Felsen Buchstaben. Wir folgen
teilweise diesem Alphabetpfad : A-B-C-D, komisch,
ab er praktisch. Abends sehen wir am Horizont die
Hochhäuser von Helsinki. Und Masten. Nach 33
sm landen wir zufällig beim EsBo-Segelverein. Ein
junger Mann wird die Nacht durch Wache gehen,
denn ,,Finnska Viken ist sehr schmal", lacht er vielsagend. Yachten und Festmacher sind mit dicken
Schlössern versehen. Es hängt ein Foto aus von einer
verschwundenen Segelyacht.
Nach 10 sm fahren wir vorbei am Containerhafen
von Helsinki. Fun Too legt am Havshamn an und die
2. Nacht vis a vis im YH HSS für 15,- E, incl. Sauna,
die aber abgestellt ist. Musikbühne, Esszelte, es geht
um die Meisterschaft im Lachsfischen. Die Ausrüstung hierfür ist enorm,und damit der teuerste Fisch
aller Zeiten. Abends bestaunen wir einen Corso von
Motorrädern und Autos, von Supermodernem bis
Oldtimern. Eine Stunde lang flanieren ,,Amischlit-
ten" mit Heckflossen vorbei, das Männerherz lacht,
die Crew denkt an Elvis.
Per Doppeldeckerbus (a 20.- E) fahren wir an den
Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei. Helsingfors
wurde vom Schwedenkönig Gustav Wasa 1550 gegründet. 18o9 wird es von Russland erobert. 1812 ist
Helsinki Hauptstadt des Großfürstentums Finnland.
Seit dem Unabhängigkeitskrieg 1917 ist das Land
unabhängige Republik.
Der Senatsplatz ist das Herz der Stadt mit Uni und
Regierungspalais. Grandios, ganz in weiß, der Dom.
Das Denkmal Zar Alexander II. Stockmanns Warenhaus, die Goldkuppel der orthodox. Kathedrale,
Nationaltheater. Das Olympiastadion mit 72 m hohem Turm. Wegen des 2. WK fielen 1940 die Spiele
aus, konnten 1952 stattfinden, davor die Statue von
Paavo Nurmi, des legendären Langstreckenläufers
(9 x Gold). Das wunderbare Parlamentsgebäude
aus rotem Granit. Die Sibelius-Musikakademie. Das
Reiterstandbild von Feldmarschall Mannerheim,
der 1918 den finnischen Unabhängigkeitskampf
erfolgreich leitete und 1944-46 Staatspräsident war.
Die Felsenkirche ist direkt in den Berg gebaut. In der
Bucht von Taivallahti liegen mehrere Yachtclubs.
Das Sibeliusdenkmal in Form von hunderten von
Orgelpfeifen aus Stahl zusammengeschweißt, ehrt
Finnlands bed. Komponisten. Der Esplanaden-Park,
das Urho Kekkonen-Denkmal, der als Präsident in
der Nachkriegszeit geschickt mit Russland verhandelt hat, die schwed. Botschaft, die Markthalle im
rotweißen Backsteinbau. Am Katajanokka Terminal
liegt z.Zt. die Eisbrecherflotte Finnlands. Fähren,
Luxus-Schnelljets und Kreuzfahrer gehen nach St.
Petersburg, Tallinn, Rostock, Aland-Stockhom und
Übersee. Diese 1 Stunden Busreise hat sich wirk-
lich gelohnt.
Ein Hoch soll uns die nächsten Tage ruhiges, son-
niges Wetter bescheren. Da Estland nicht unter das
Schengener Abkommen fällt, fahren wir raus nach
Sveaholmen, um beim Pass-Zoll auszuklarieren.
Finnland ade.
Aaelus, der Gott des Windes, hat Ruhetag, streicht
nur mit leichten Katzenpfoten über das Wasser
und die Sonne verwöhnt uns mit Wärme. Über 30
Lachsfischer versuchen 5 sm draußen das kapitale
Exemplar zu fangen, um die Meisterschaft zu gewinnen. Unser Kompasskurs ist überflüssig, denn
Motor-und Segelyachten, Fähren, Kreuzfahrer,
sowie Tragflächenboote schweben, motoren, düsen
vor, mit und hinter uns. Am gestrigen Samstag hat
die Paßsstelle 64 Sportboote abgestempelt!! Ein
Helikopter knattert über uns hinweg. Er benötigt
zwischen den Hauptstädten 18 Min. Flugzeit. Dazu
kreuzt ein schwer beladener russischer Trawler unseren Kurs. Er war einige Monate im Nordatlantik
und Eismeer unterwegs und ist auf dem Heimweg
nach St.Petersburg. Im Radio ertönt Boogie-Woogie-Musik und beschwingt geht es quer über den
Finnischen Meerbusen. So harmlos geht es hier aber
nicht immer zu, wie die Estonia-Fährkatasstrophe
beweist.
Nach 44 sm sind wir in Estland und zwar in Pirita,
mit langem Badestrand, im Tallinn-Olympic-Yacht
Center. Bei der Moskauer Olympiade 1980, die
wegen Tschetschenien boykottiert wurde, fanden
hier die Ruder- und Segelwettbewerbe statt. Die
Einklarierung ist schnell abgestempelt. Die Marina
ist abends knackvoll von Deutschen und Schweden,
aber zu 9o % von finnischen Gästen. Die teuersten
Boote fahren unter blau-schwarz-weißer Flagge Estlands und die Gedanken sind frei- es drängt sich
das Wort Maffia auf. An den Hafenanlagen nagt der
Zahn der Zeit. Es wird der stolze Preis von 17.- Euro
verlangt, ohne ausreichende Sanitäranlagen. WC in
einem Ind.Gebäude, schmutzig, nicht abschließbar,
kein Handwaschbecken, die Dusche weiter weg im
2. Stock für Extrakosten von 2.30 E. Weiter innen
im Fluß liegt noch eine Marina. Da überall ,,privat"
stand, kehrten wir wieder um, wären aber willkom-
men gewesen, zu einem niedrigen Preis und neuen
Sanitäranlagen.
Es floriert der kl. Grenzverkehr über Finnska Viken:
Diesel und Benzin sind hier 40 Cent/l billiger und
bevor ein finnischer Skipper zum Hafenmeister
marschiert (da gibt es Wetter im Internet), deckt
er sich vorher für die nahe Zukunft mit 7-9 Karton
Starkbier und reichlich Hartgetränken ein.
Der Dänenkönig Waldemar besetzt 1140 die Hauptstadt. Aus Reval wird Taami-linn, die ,,dänische
Stadt", daraus Tallinn und der deutsche Ritterorden
übernimmt mit Schwert und Kreuz und Unterdrückung das Sagen. Anschluß an Hanse und Blütezeit.
Mitte 15.Jh. gehört Estland zu Schweden. Im 17.Jh.
kommt es an Peter I und Katharina II. Estland wird
1918 selbstständig, vom Deutschen Reich besetzt,
von Russen zu 53 % zerbombt und zum Schluß
von der Roten Armee okkupiert. Nach dem Fall der
Mauer 1989 gab es Revolution und nach 50 Jahren
wird 1991 das freie Estland anerkannt.
Vom YH gehen oft Busse ins 7 km entfernte Zentrum. Von der 2,3 km alten Stadtmauer stehen von
40 Türmen heute nur noch 26. Die Fassaden der
Hansehäuser sind ganz restauriert. Das gotische 600
J. alte Rathaus konnte auch als Festung Verwendung
finden, der Turm erinnert an ein Minarett. Alle Kirchen haben sehr individuelle Türme. Eine Sehens-
würdigkeit ist das im 13. Jh gebaute Dominikanerkloster. Oben auf 50 m hoher Sandsteinklippe steht
das Schlossgebäude mit Regierungssitz. Die ganze
Altstadt lebt vom Tourismus, ist voller Souvenirläden, Galerien und Restaurants mit Namen wie ,,Old
Hanse" ,,Peppersack" oder ,,Goldenes Ferkel". Im
Supermarkt ist das Angebot reichhaltig und günstig.
In den Kneipen kostet das Bier 2,50 E, Pizza und
Fleischgerichte ab 7,-E, meist 10.-E. Wir finden das
alles überteuert. Der Tourismus diktiert hier in der
Innenstadt die Preise. Die Altstadt steht seit 1997auf
der Liste der UNESCO, was eine super Reklame ist.
5.7. Der flache Küstenabschnitt zwischen Tallinn
und Riga heißt Westland, diesen segelt Fun Too
bei Sonnenschein langsam entlang. Die Baltischen
Länder sind sehr flach und wurden vor 15.000
Jahren durch das Inlandeis geformt. Hinter den
Küstenwäldern dehnen sich Sümpfe. Das Meer ist
heute voller grüner Algenfäden. Ab Sandkap Pakri
mit 54 m hohem Leuchtturm sehen wir nach 32 sm
eine neue Mole samt Baukran. Es entsteht mit EU-
Geld ein neuer Hafen. Dahinter befindet sich noch
der kleine Ind.-Hafen mit 2 blauen Kränen. Die
Mauern sind ca 3 m hoch und erinnern an düstere
Schleusen. Das Festmachen ist sehr schwierig
und nur über ein altes Eisenboot und riesige
senkrechte Gummipoller für die Großschifffahrt
und Rosthaken kann mühsam an Land geklettert
werden. Ist dieses Hindernis geschafft, wird man
vom Schlagbaum gestoppt und von einem mürrischen Zerberus auf russisch-englisch aufgeklärt:
,,prrrivat hirrr,2.- Eurro Meterrr/Boot", Aha, Spaziergang durch Padilskis Plattenbauten-Kasernen.
Hier befinden sich auch die Ruinen der Seefestung
von Peter I, gut erhalten und drinnen war das Ausbildungszentrum für sovj. U-Boote. Die Ortschaft
Padilski war für Nichtmilitärs geschlossen.
Im Anschluss will Fun Too wegen des Lärms der
Pfalschlagmaschine, außerhalb dem Hafengebiet
am öffentl. Badestrand ankern. Da braust der
Zerberus per neuem Auto uns tatsächlich die Ufersandstraße nach, zeigt mit dem Zeigefinger erbost
aufs offene Meer und brüllt ,,dawaj, dawaj"!! Der
Arme muß bleiben, wir können wegfahren. Es ist
erst 19 Uhr. Zwei große Inseln und 1 Stunde später, hinter dem Feuer und einem kl Riff vor Suur
Pakri fällt auf 3 m der Anker. Die Abendsonne
wirft einen Aprikosen-Schein über das glatte Meer,
die Wellen gluckern ans Riff und wer zu letzt lacht,
lacht am besten. Freiheit und Gastfreundschaft,
oder gar das großzügige schwedische Allamannsrecht werden hier noch ganz klein geschrieben und
außer den Buchstaben EU hat sich hier nicht viel
geändert. Hafen Padilski würde ich nur als Nothafen anlaufen. Die beiden großen langen Inseln
Pakri, vor denen Fun Too ankert, sind menschenleer. Sie waren Übungsplatz für Bombenabwürfe
der Warschauer Paktstaaten und der Zerberus ist
ein übrig gebliebenes, überaltertes Stück Zeitgeschichte. Von Umbruch keine Spur. Wir sind halt
unterwegs in einer durch okkupationsbedingte
Politik lange Zeit vergessene Ecke Europas.
Schönes Sommersegeln bei 24 Grad entlang der
monotonen, fast unbewohnten Küstenkulisse. Die
beiden letzten Stunden motoren wir einen 3,5 m
tiefen, gut betonnten Kanal in der Weite des flachen Wassers, zw. den Inseln Vormsi und Pürksi
die Harikurk strait nach Haapsalu. Es geht um eine
lange Halbinsel herum, wo ca 30 Masten zu sehen
sind. Der neue Steg kostet 20,-E, der Steg vom Real
Existierenden Sozialismus kostet 13.-E.
Im interessanten Holzbau mit schöner Malerei des
Kurhauses fiedelt ein Stehgeiger zu Eis und Kuchen. Bis zum 2. WK lebten hier hunderte von Jahren Schweden. Ihre Holzhäuser faulen vor sich hin,
die Farbe blättert ab. Die Fenster sind morsch. Die
Neurenovierten hingegen gleichen Schmuckkästchen. ,,Gib ihnen Zeit, Holz, Farbe und Fenterstöcke, dann erkennst Du das alles in ein paar Jahren
nicht wieder." Die alte Burg der Kreuzritter ist 800
Jahre alt. Die Domkirche dazu überstand Brand- u.
Raubzüge. In diesem Dom landen wir zum Tagesausklang durch Zufall in einem Bachkonzert.
Haapsalus 3 Heil- und Schlammbäder locken Gäste
aus Europa an. Auf dem markanten, extra dafür
gebauten Bahnhof kamen einst die Zaren, der russische Adel und dann die Elite von St. Petersburg
her ins Kurbad. Am Tschaikowski-Denkmal wird
man von seiner Musik berieselt.
Vor Estlands Küste liegen ca 800 Inseln, die vier
größten sind Vormsö, Hirumaa(Dagö), Muhu
und Saaremaa (Ösel). Für das dawischen enorm
flache Gebiet tragen wir von einer Spezialkarte
Wegpunkte in den GPS ein. Ein mitziehendes Gewittertief beschert uns einen Kurs hoch am Wind,
bei einer Wassertiefe bis zu 6 Metern. Auf Höhe
Muhu warten wir ankernd, bis beide Gewitter vorbeigezogen sind.
Abends, am kl. Steg des Fährhafens Virtsu (13,-E).
Samstag 9.7. Es beginnt damit, dass ein Motor
warmläuft. Hälsestrecken, Schwimmwesten,
Zurufe, Winken. Die Frauen, aus Erfahrung klug
geworden, strahlen ,,variable 2-3, das heißt Groß
hoch und unter Motor drauf los, egal wo heute das
Ziel liegt" so eine geschnappige Kielerin. 15 Min.
später lässt die kleine Urlaubsarmada von 6 Yachten den leeren Gästesteg zurück und wo die Masten, wie fallen gelassene Mikadostäbe auseinander
streben,nach Norden, seitlich zu einer Insel oder,
wie Fun Too gen Süden. Abends waren die Crews
der 2 deutschen, 2 schwedischen und 2 finnischen
Yachten noch bei uns am möwenverschissenen
Steg zusammengestanden und haben wie Löschpapier alle Informationen aufgesaugt: schriftliche
Wetterfaxe, auf welchen Inseln ausklariert werden
kann, überhöhte Hafenpreise, dass man trotz
gültigem Visum Kaliningrad/Königsberg nicht anlaufen darf, was 120 sm nonstop bedeutet, wo billig
Alkohol im Hafen gebunkert werden kann. (Sehr
wichtig!!) Ein Hafenhandbuch wird gegen
Rheinwein getauscht Und alle wollen wissen, wie
schnell so ein leichter Katamaran segelt und sind
sehr zufrieden, als die Antwort lautet, ,,genau so
langsam wie Ihr, wenn kein Wind geht."
Nach 35 sm machen wir ganz unplanmäßig abends
auf der Insel Manilaid an einem winzigen Kai fest.
Rundum Paradies. Durchs Gebüsch das Dach eines
Bauernhofes, die einsame Hummel, eine Traktorspur im Nichts endend, Glockenblumen satt, 3
Jungschwalben auf hohem Draht. Holunderduft und
Kuhfladen. Vom Wind geneigte Bäume. Fischernetze zum Trocknen auf hohem Gras. Ruderkähne,
um die Kreuzkröten quaken. Findlinge, transportiert in der Eiszeit. Windschiefe, abgestützte
Holzkaten. Abendrot und die Stille der Bucht. Ein
Windhauch in die Idylle der Einsamkeit. Zeit, endlose Zeit und FUN TOO.
10.7. Sonniges Sonntagssegeln um 5 kn mit Frühstück. Der Wind ist auch hier, wie überall, ein
Kapitel für sich.
Nach 20 sm stehen wir vor Pärnu
,,Halte mal auf das altmodische Riesenrad zu". Die
beiden 2 km langen Wellenbrecher führen in den
breiten Fluss, an dessen hinterem Ende der Yachtclub liegt. (15,-E)
Pärnu: Ritterorden, Bischofsstadt, Hanse, geplündert und gebrandschatzt, Russen, Schweden, Polen,
das 3. Reich, die Rote Armee und 50 Jahre Okkupation. Die Stadt, wo man jahrelang jeden mit einem
10-Rubelschein bestechen musste. Heute wieder
der bedeutendste Heil- und Kurort des Landes. 60
km Park und Baumalleen führen durch 18 Parks.
Im Wallgraben von 1670 integriert, befindet sich
die Freiluftbühne, wo 4 Akkordeonspieler dafür
sorgen, dass sich das Volk, auf Betonboden, den
Gehstock in der Hand, das gute Plasttäschchen in
der anderen, dem Tanzrhythmus der 50er Jahre
hingeben kann. Es gibt schmuck renovierte Holz- und Steinhäuser, die bis zu 400 J. alt sind und Backsteingotik aus der Hansezeit, die Ammendel-Villa.
Alle 3 Kirchen haben es mir angetan, bes. die kleine
orthodoxe St. Katerinenkirche. Sehr interessant
der aus Ziegeln gebaute Dom im altrussischen Stil
en masse gibt es Alkoholshops, gut gefüllt, vor und
hinter der Theke.
Der Wind dreht immer mehr. 20 sm entfernt, bietet
sich die kl Insel Kihnu als nächstes Ziel an. Hoch
am Wind bringt uns die Sturmfock hin. Und wir
sind zunächst sprachlos. Inzwischen haben wir
gelernt, dass ein Segelzeichen oder Anker in der
Seekarte hier mit Vorsicht zu deuten sind. Nach
einem Kai für die Fähe in der eisfreien Zeit stehen
halbverwitterte Holzpfähle am Ufer entlang, zusammengehalten von Eisenschienen, Stricken und
Nägeln. Daran befestigt liegen einige ausrangierte
kleine Fischerboote aus einem nicht mehr existierenden Kombinat. Sie dienen als Puffer und ,,Anleger". ,,Unserem" Anleger entströmen die strengen
Düfte von Teer, Lebertran und abgestandenem
Bilgenwasser, er erfüllt aber seinen Zweck als
Landgang . Es kommen drei finnische Motorboote,
peilen die Lage und weg sind sie wieder. Abends
liegen wir dann 4 Yachten, geschützt zum Meer von
einer dichten Schilfwiese. Vor langer Zeit ging man
von hier aus auf Robbenjagd. Man ist dabei, eine
kleine Marina zu bauen. Ein dänischer Danebrog
in Badetuchgröße motort rein, 2 Crewmitglieder
beißen Fingernägel. Die 15 m lange ,,Alotola" hat
einen Tiefgang von 3 Metern. Wir sehen sie, als sie
die letzten Meilen 2 x auf Grund steht. Ich bewundere die Nervenstärke dieses Skippers, bei solch
boddenartigen Bedingungen hier zu segeln.
Kihnu ist mit 9 m die flachste Insel im Golf von
Riga. Stundenlang latschen wir herum. Es gibt
keinen Meter Asphalt. Am nächsten Tag begeben
wir uns per Leihrad auf die 12 km lange Inselrundfahrt über Stock und Stein und Dünensand,
was mit meinem aufgeschlagenen Knie endet.
Wir sehen Holzhäuser und Bauernhöfe mit vom
Wetter aufgedrehten Planken, Außen-WC, Stadel,
dazu aufgeschüttete Erdhügel für Kartoffeln, alles
eingezäunt von Lattenzaun und Fliederhecken:
Dr. Schiwago lässt grüßen. Vereinzelt aber auch
neue, oder buntfarbig neurenovierte Holzhäuser.
Manchmal werden wir total eingestaubt von einem
ururalten russischen Motorrad mit dazugehörigem
obligatorischen Beiwagen. Dieser ist immer eine
Holzkiste Marke Schneewittchensarg. Hier lebt
man genügsam. Der Starkwind Südwest rauscht in
den Föhrenwipfeln und ewig singen die Wälder.
Nach Pärnu zurückgesegelt, sitzen wir abends mit
den Crews von Arche Noah und Aegir, die wir
beide sehr schätzen lernen, auf ein Bier zusammen,
wo nicht alltägliche Pläne geäußert werden, denn
der Mackenzie im Norden Canadas und dann
Japan sind keine Barfußrouten-Ziele. Dazu ertönt
ohrenbetäubender Lärm eines Rockkonzerts anlässlich des Festivals.
16.7. Samstag Vormittag. Bei einem Anlegemanöver mit Fun Too vor dem Steg bricht beim umschalten am Yamaha AB der Befestigungsarm für
Schalt- und Gaszug jäh ab. Fun Toos Bug schert
dadurch blitzartig aus und der Backbordbug bohrt
sich mit Vollgas in den holzbeplankten Motorsegler ,,Dasha" nebenan. Der Hafenmeister ist Zeuge.
Der Besitzer und Pantaenius werden verständigt.
Das Teil kann geschweißt und verstärkt werden.
Abends. Gerade wurde mit einem explosionsartigen Donnerschlag das Ende des 3-wöchigen
Sommers eingeläuted und das Polentief regnet
sich ein. Nebenan liegt das Schwedentief. Unter
4 geöffneten Schirmen sitzen wir zu sechst und
erörtern den soeben gehörten Seewetterbericht aus
Hamburg (SW 6005 KHz) : Starkwindwarnung von
der Deutschen Bucht über Kattegatt bis einschl.
ganze Ostsee und zwar für die nächsten 5 Tage!!
Trend SW 5, später 6 Gewitter und Schauer. Während Schultern und Hintern nassgetropft werden,
erhitzen sich die Köpfe, denn die Zeit drängt, es ist
der 17.7. Die drei Kats Aegir, ArcheNoah und Fun
Too wollen am 20.7. in Riga sein. Einigkeit macht
stark. Hoch die Bierpappbecher und Prost auf
Riga, das 100 sm nah und, wetterbedingt, doch so
fern ist, weil gegenan.
Wieder auf Kihnu, treffen wir die Arche Noah und
die Kauri. Am 19.7. veranlasst Zeitdruck Fun Too
zeitig auszulaufen. Der Gegenwind stand auch
diese Nacht wieder durch. Dazwischen Schauer.
Der AB schafft gegenan 2,3-2,8 kn/h, obwohl der
Wind nur 3 Bft. beträgt. Das Ziel, die Insel Kuhnu,
liegt 40 sm entfernt. Bei dieser Geschwindigkeit
laufen wir Gefahr, gegen abends in die angekündigte Rechtsdrehung mit 4, später SW 6 zu laufen.
Darum kehren wir nach 2 Stunden und 4,9 sm um.
Arche und Kauri knüppeln mit mehr PS-Power
weiter. Nach 40 Min und 7 l Benzin ärmer, legen
wir wieder an ,,unserem" Anleger fest.
Anderntags zieht eine Kaltfront durch. Mit hol-
länd. Flagge läuft ein Este mit einer Corsar F 31
ein. Gemeinsam warten wir auf die angekündigten
NW 5 Bft, die wir so dringend bauchen und die nie
kommen werden. Statt dessen Seewetter um 21,05:
Tief 993 südl. Ostsee vertiefend, morgen Litauen.
Tief 991 Raum Stockholm, Trog Westpolen und wir
mittendrin. Bucht Riga südl. 2-3, ab morgen Mittag
SE 4-5.
,,Also, entweder IMM Riga ade, oder wir fahren
wieder gegenan sofort los." Rein ins Ölzeug und
abgelegt im Regen. ,,Der dämpft die Wellen." Vor
Mitternacht verschwinden Riff-und Inselfeuer
achteraus. Kurs 180 Grad. Und es regnet. Es ist
dadurch finster. Einsam leuchtet das kleine grüne
Rechteck des GPS, auf dem zu sehen ist, dass wir
gute 5 kn Fahrt über Grund machen.
Die Rigaer Bucht ist insges. 252 km lang. Ein Un-
terwasserrücken bildet das Haff, trennt das Land
von der Ostsee.. Über diese Sandbank führt die betonnte Einfahrt. An der Mündung des Daugaflusses
steht der 36 m hohe schwarz-weiße Leuchtturm,
die Einfahrt nach Riga.
Um 04 hört der Regen auf, um 05 sind die SSE
4-5 Bft fast auf die Nase da. Das gereffte Groß und
der Yamaha bringen uns über 2 sehr lange Kreuzschläge nach 16 Stunden und 77 sm, plus 10 sm
den Fluss Daugava hoch. Beim Passieren des Molenkopfes bekomme ich einen Händedruck.
Das Flussufer ist voller Verladekais und Werften.
Rundum dunkle Wolken, das Barometer ist im Keller, das Schwedentief im Anzug. Am Steg um 13.30
Uhr helfende Hände. Begrüßung durch Bekannte
auf deutsch, dänisch, schwedisch. Das tut gut nach
dieser schlaflosen Nacht. Und im Tank ist noch so
viel Benzin, dass man damit leicht ein Feuerzeug
hätte auffüllen können. Ein bisschen Glück gehört
beim Segeln auch dazu.
Der Zoll stempelt freundlich alle Papiere ab, kein
Problem, dass wir in Estland nicht ausklariert
haben.
An den Stegen der Marina liegen 43 Mehrrumpfboote. Ganz schön viel, bedenkt man die
geographische Lage Rigas. Diese Lage war schon
immer das Problem der Balten mit Wikingern und
Kreuzrittern. Im 11. Jh. rückte mit 23 Schiffen der
Bischof von Bremen an und besetzte den Fischerort, baute ihn zur Stadt aus (1208). 1282 Hansestadt. 1558 übernahm Ivan der Schreckliche die
Macht, abgelöst von 90 Jahren Schwedenherrschaft.
Riga war, nach Stockholm, die zweitgrößte Stadt
Schwedens. Im 17. Jh. unter Peter I und Katharina
II träumt Russland von einem eisfreien Hafen an
der Ostsee und bekommt ihn. Dann durch Heirat
an Polen, Wieder Russland, kurze Zeit frei . Im 19.
Jh. brauchte Deutschland ,,Lebensraum im Osten",
1/3 der Letten werden massakriert. Die Rote Armee
deportiert viele Menschen nach Sibirien. Seit 1991
freie Wahlen und Freiheit, die uns gestattet, hier
Gast sein zu dürfen.
Wir melden unsere Ankunft im Büro an und bezahlen 20,- Euro per Nase Teilnahmegebühr. In
einem gr. Hauszelt mit Tischen und Bänken gibt
es abends ein Barbeque sowie je 2 Becher Bier.
Dazu liegt über Schotter eine dicke Gummimatte,
voilà, und die Tanzfläche ist fertig. Die Musik ist
nach dem Geschmack der Gäste und wir verleben
einen sehr netten Abend. Am Stammtisch sitzen
die Crews von Aaegir, Arche Noah, Kauri, Fun
Too, später auch Catorion und Elwa. Herr Kurt
Dieckmann in München erhält eine Unterschriften-Grußkarte.
Anderntags gehen wir auf Entdeckung. Die Lebensmittel sind noch billiger als in Estland. Der Zentralmarkt, einer der größten Europas, befindet sich
in 5 Hallen. Sie waren einst Hangare für Zeppelin-Luftschiffe aus dem 1. WK. Das Warenangebot
ist reichhaltig und frisch. Die Silhouette der Stadt
erinnert etwas an Lübeck Die Türme gehören zahlreichen Kirchen. Uns Teilnehmern der IMM wird
eine kostenlose Altstadtführung angeboten: Der
ganze Stolz des Domes ist die Orgel mit 124 Registern und 6718 Pfeifen .Die hohen bunten Glasfenster erzählen Begebenheiten der umkämpften Stadt.
Am Domplatz die Bremer Stadtmusikanten. Der
imponierende Kreuzgang wird gerade renoviert.
Das Joh. Gottfried Herder Denkmal, der vor 250
Jahren hier als Pastor, Lehrer und Poet wirkte. Das
einmalige Schifffahrtsmuseum, die Rolandsfigur
am Rathausplatz. Aus dem 16. Jh stammen die
kl. Gilde für Handel und Handwerk, sowie die gr.
Gilde für Stadtrat und Politiker. Wir sehen die Uni,
den Palast der Wissenschaftsakademie, die Oper,
das Theater, das Katzenhaus. Die St. Peterskirche
a.d. 12. Jh. wurde immer wieder um- und angebaut, auf den 72 m hohen Turm führt ein Lift zur
Aussichtsplattform. Der aufgeschüttete Basteiberg
und der Nachbau des Pulverturms zeugen von Rigas wechselhafter Eroberungsgeschichte. Im Park
der Esplanaden steht das gr. Granitdenkmal des
Dichters Rainis.
In Parknähe steht das 40 m hohe, obeliskförmige
Freiheitsmonument mit behauenen Statuen. Es
wurde 1930/35 gebaut und wird gekrönt von
einer Frauenfigur, die mit erhobenen Händen 3
vergoldete Sterne hält, Symbol für die 3 Provinzen
Kurland, Livland und Lettgallen. Zwei Soldaten hal-
ten Mahnwache. Es gab Zeiten, wo Menschen, die
hier Blumen niederlegten, nach Sibirien deportiert
wurden. Im Gegenzug kamen Russen nach Lettland
als Siedler. Heute sind 43 % der Bevölkerung noch
immer Russen, die sich nie integriert haben, der
Landessprache nicht mächtig und somit heute ohne
Arbeit sind. ,,Wovon leben sie denn?" Die Studentin der Rundtour zuckt die Achseln ,,Gute Frage".
Wenige Stunden später wird mir die Geldbörse mit
120,- Euro aus der Umhängtasche entwendet. Der
Skipper weiß: ,,z.Zt. leben sie von uns."
Die 3 Brüder sind ein liebevoll renoviertes Wohnhaustrio, 500 und 300 Jahre als. Viele Bauten
stammen aus dem Mittelalter. Das Schloss stammt
aus dem 14., 17. und 18. Jh., viele Nationen haben
daran gebaut, heute z.T. Staatskanzlei. Am Rathausplatz steht ein profanes Gebäude, das Schwarzhäupterhaus vom Schwertbruderorden zum Schutz
der Kaufleute. Es ist voller Silberschalen, Pokalen
Schätzen. Die meisten Gegenstände sind aber geraubt und stehen heute in Bremen. Dies konnte der
Schutzpatron, der Hl Mauritius mit dem Mohrenkopf auch nicht verhindern. Wuchtig und gedrungen sieht die russ./orthod. Christigrabkirche aus
mit den vergoldeten Kuppeln auf kurzen Türmen.
In den 60ern wurde sie umgebaut und dient jetzt als
Planetarium und wissenschaftl. Zwecken.
Wir sehen so viel, aber eine Rarität sind Briefkästen. Alle Touristen laufen mit geschriebenen Ansichtskarten herum und wissen nicht, wohin damit.
Wir gehen durch die Schwedenpforte, eine Erinnerung aus der Besatzungszeit Sie wurde damals aus
der Stadtmauer gehauen, angeblich, um eine kürzere Verbindung zur Brauerei zu bekommen.
In der Albertstr.stehen ca 750 Jugendstilhäuser,
alle mit ornamentaler Pracht Jedes Bauwerk ist
ein Prunkbau für sich. Alle sind stuckverziert mit
ausgefallenen Fensterformen. Löwen als Wächter,
Drachenköpfe, die Reichtum versprechen, balkontragende Männergestalten. Das Auge entdeckt
immerzu etwas Neues.
Inzwischen fand bei 7-8 Bft. vor dem Leuchtturm
die IMM-Regatta statt. Dabei ging es ganz schön zur
Sache. Beim finnischen Tri ,,Flyver`n ,, brach der
Masten ab. Sie werden später die Heimreise nach
Finnland mit Notrigg und viel Benzin antreten. Der
Vorsitzende, Herr Wolfgang Koch, streift durch die
Marina.
Abends findet die große Dinnerparty statt, wo auf
Großleinwand die Regattateilnehmer in Aktion
gezeigt und dann Siegerpreise verteilt werden. Der
Partyservice hat dafür gesorgt, dass sich die Tische
vom Feinsten biegen. Vom kalten Buffet: Fleisch,
Wurst, Pasteten Salaten, Obst, Broten, Gebäck,
Kuchen, Windbeutel großer Riesentorte, Weinen,
Säften, Wasser, Kaffee und und ... Dazu unterhält
eine Show-Tanzgruppe. Es spielt eine 8 Mann
Jazzkapelle rhythmisch bis nach Mitternacht. Den
ganzen Abend ist der Bär los und alle nicht blinden
Skipper können sich satt sehen an wippenden jungfräulichen festen Busen in superengen Tops. Um 02
kehrt Ruhe ein, die IMM 2005 ist zu Ende.
Wir benötigen und bekommen von Yachtzubehör
,,Regata" Nähe der Hallen, Schaltzuege sowie 2
Batterien frei Boot geliefert. Tagsüber ist die Männerwelt der IMM wie Heinzelmännchen, sie klettert
von Boot zu Boot und hilft sich gegenseitig mit den
Computern. Darunter gibt es Freaks und solche, die
es werden wollen.
Der Skipper der Aegir sorgt mit Können und Fleiß
dafür, dass uns über die vergangenen Yachthafen-
und Stadttage ein netter Filmabend beschert wird.
Danke Ecki!
Nicht zu vergessen die von der Außenelbe (längster Anfahrtsweg) kommende Arche Noah IV mit
Waltraud und Erwin Ramin, die großzügig jeden
Abend ihren Salon zur Verfügung stellen. Er wird
zur Heimstatt für bis zu 11 Personen, die so bunt
zusammen gewürfelt sind, wie die Gläser auf dem
Tisch mit Höhepunkt des Öffnens eines Bierfasses.
Danke!!
Nach dem Ende der IMM mit 4 freien Liegeplatznächten sollen die Multihulls nun 150 % bezahlen
Der Skipper der Fun Too interveniert, dass Riga
zwar schön, aber nicht die Cote d'Azur sei. Außerdem ist die Marina zu 80 % leer. Der Hafenmeister
telefoniert mit dem Betreiber: Boote bis 10 m bezahlen 10.- Euro, darüber 13,- Euro. Na also. Wir
bleiben auch noch 3 Nächte.
Für Rigareisende empfehlen sich im Zentrum das
günstige Pfannkuchenhaus, sowie das stilvolle
,,Lido", ein sehr gutes und trotzdem preiswertes
Selbstbedienungslokal.
Resumee des IMM 2005: Wir sind in Riga herzlich
empfangen und überreich bewirtet worden mit
Barbeque und auch einer Dinner-night-party. Die
Organisation war Spitze, Note 1 A mit Stern. Im Namen aller Sportsfreunde möchte ich mich hiermit
dafür bedanken: PALDIES!!
Die wahren, bewundernswerten Enthusiasten dieser
IMM aber sind der Skipper der ,,Quidam" im zarten
Rentenalter (68 J) und sein Goldstück von Crew, die
auf dem Turngerät eines kleinen Edelkats 26 von
Wismar kommend, als Nr. 44 anreisen, auf dem
offenen Brückendeck nächtigen und unter spartanischen Verhältnissen leben, als wir sie bei unserer
Rückreise in Haapsalu/Estland, noch einmal bei
Regen unter kleiner Plastplane und Schirm treffen.
Bei der Abreise wünschen wir ihnen und in Gedanken allen Rückreisenden der IMM gute Fahrt und
sicheres Heimkommen.

