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Um die Ostsee mit FUN TOO nach Riga

Um die Ostsee mit FUN TOO nach Riga 2005
Gertraud Filgis berichtet

Voriges Jahr, 2004, befand sich Fun Too, über die Rhone kommend, im Mittelmeer bei Cannes. Sodann zum Canal du Midi und via Biskaya, Engl. Kanal, Holland, Rostock und Rügen nach Karlshamn, Schweden..
Im Juni 05 verlassen wir Karlshamn durch die Südschären.Lange Wartezeit vor der Hasselöbrücke bei Karlskrona. Den Aspösund -zw. den Wehrburgen Drottningsskär und Kungsholmen kann das Militär unter Wasser absperren. Stark gerefft gelangt Fun Too zur Ecke Torshamn und durch einen betonnten Kanal in die Weite des flachen Meeres raus zur Ostsee. Staunend sehen wir viele Windkraftwerke im Kalmarsund.die vor 9 Jahren noch nicht da waren. An Kalmar segeln wir vorbei mit der Erinnerung an einen Stadtteil voller blumenumrankter Kleinhäuschen. In diesem Burgkomplex mit 5 Türmen wurde 1397 die Kalmaer Union unterzeichnet und die Dänen herrschten über Teile von Schweden.
Segelnderweise geht es unter der 6,5 km langen Ölandbrücke hindurch. Nach 1 Std. ist Schluss mit lustig. Auftürmende dunkle Wolken und die angesagte Windänderung auf E 6 Bft. Haben uns erreicht. Querab auf Öland liegt Soliden, die Sommerresidenz des Königs. Fun Too fängt an zu surfen. Das Reffen ist eigentlich schon überfällig. An steuerbord steht erhöht und gewaltig die Burgruine von Borgholm.
Auf Höhe Fyr Slottsbreden laufen wir im ostdrehenden Starkwind ab nach Timmernabben.
Bald regnet es. Der Kalmarsund ist derart voller Untiefen, so dass nicht in Ufernähe hochgefahren werden kann, will man Meilen machen. Deshalb geht es weit raus bis Dämmanfyr,Bla Jungfrun, Bussgrundfyr und schließlich in die Schären rein, Richtung Västervik.
In der Vippholmenvik hat der 12 m Kat Arche Noah IV festgemacht. Spontan folgen wir der Einladung, den Eigenbau zu besichtigen. Es wird ein Abend in netter Gesellschaft, inmitten stimmungsvoller Naturkulisse.Langsam zieht die Fock FunToo durch die schützenden Außenschären, vorbei am von der Eiszeit rundgeschliffenen Granit, unterbrochen von Adrenalinschüben, verursacht durch kurzfristige, orientierungsstörende Nebelbänke. Ganz schön spannend! Wir schütteln die Kälte aus den Schultern, sobald die Sonne den Rücken wärmt. An den Klippen befinden sich oft Festmachringe und WC- Häuschen.
Bei Flisö liegt, einsam und sehr geschützt, eine verdorrte Eiche in Ufernähe und ein knorriger Ast wird per Leinenwurf unsere Boje für die Nacht. Im glatten Wasser spiegeln sich kopfüber Felsen, Bäume und Farne zu einem wunderschönen Aquarell. Nur durchdringender Möwenschrei stört die Stille. Sehr lange noch scheint mild die Mittsommerabendsonne, geht kurz vor Mitternacht über in einen Dämmerzustand und in der Koje wird mir klar: von solchen Nächten kann man im Hotelbett nur träumen.
Mit 3 kn segeln wir stundenlang durch Natur pur zwischen den grünen Schären von Gryt mit natürlichen Häfen und Ankerplätzen. Alles ist gut betonnt durch sichtbaren und unsichtbaren Granit hindurch.
Bla Kusten, die blaue Küste, hat ihren Namen daher, dass die Schären hier so klein sind und das Blau des Meeres überwiegt. Schon zeitig am Nachmittag machen wir fest in Arkösund. (Tankstelle) Eine sehr tiefe Bucht bringt uns später hinter nach Trosa (12,- Euro) mit gepflegten Parks, schmucken Holzhäusern, teils a.d. 17.Jh und duftendem Flieder. Vor florierenden Hotels parken Volvo, BMW, Porsche und 1 Lamborghini, während drinnen sich der Stockholmer Luxus bei Kerzenlicht labt.
Mit gerefften Segeln fahren wir um 06 Uhr los. Es ist ,,kuling", Starkwind, angesagt. Doch schon 2 Stunden später suchen wir Lee am Schilfgürtel von Mörkö. Hoher Himmel, helles Licht, skandinavische Weite, Schaumkronen auf Abstand, rote Holzhäuschen zwischen grünem Astwerk. Abends 2 Stunden Platzregen.
Es folgt ein breiter Sund, der bei Södertälje endet. Die Boote liegen auf dem Ohr oder rauschen per Spi vorbei. Direkt vor der Schleuse die Marina (13,-E), 5 Gehminuten zum Zentrum. Hier soll ein Spezialist unserem Laptop helfen, Probleme zu lösen, die wir ohne den Computer gar nicht hätten. Per Pendelzug ist man in 17 Min. in Stockholm. Viele Segler nutzen diese Alternative. Die ,,Diana" fährt vorbei. Die kleine schmale Fähre fährt schon seit über 30 Jahren die Strecke Stockholm, Göta- und Trollhättankanal und Göteborg. Nostalgische Gedanken folgen ihr. Die Schleuse öffnet alle 30 Min. Brückenhöhe dahinter 17 m. Fun Too fährt ins Süßwasser des Mälaren, einen riesigen See, an dem über 20 Schlösser liegen, steinreich geworden, durch Granitexporte. Ein paar Stunden nach backbord gesegelt, und wir wären, wie mit der Antigua, wieder in Mariefred mit Schloß Gripsholm. Zu Gustav Wasa Zeit wurde die Burg umgebaut. In der Nähe liegt das vielbesuchte Grab von Kurt Tucholsky. Genau vor uns liegt nun die Insel Björkö mit Birka, ,,Hauptstadt" der Wikinger. Der deutsche Mönch Ansgar brachte das Christentum nach Schweden. Das hohe Steinkreuz zeugt davon.
Guter Segelwind führt uns jetzt an der Insel Ekerö entlang. Es wurde im Einzugsgebiet von Stockholm seither viel gebaut. Trotzdem spazieren an den Ufern Leute entlang, denn im humanen Schweden gilt das Jedermannsrecht, jeder darf auch auf Privatgrund am Seeufer entlanggehen. Als wir Gegenwind 5 Bft. Auf die Nase haben, sagt der Skipper ,,So jetzt mag ich nicht mehr". Auf Skärholmen ist ein einsamer kleiner Fährkaj gerade noch lang genug für unser Nachtlager. Nebenan steht eine Semafore. Das ist ein rundes, fällbares Schild auf einer Stange befestigt. Stellt man das Rundschild senkrecht, weiß der vorbeifahrende Kapitän ,,draußen", dass ein Passagier befördert werden will und läuft den Kaj an. Bei Dunkelheit tut man gut daran, mittels mitgebrachter Taschenlampe zusätzlich zu leuchten, sonst fährt die Inselhüpferfähre vorbei und der Pechvogel muß bis zum nächsten Tag warten. Im Westen verdichtet sich die rabenschwarze Front des heranziehenden Tiefs mit mehreren Gewittern als Höhepunkt.
Lovön mit dem Schloss Drottningsholm in dem die Königsfamilie seit 1981 wohnt. Am Holzkai können wir anlegen, spazieren durch die Parkanlagen und statten einen Besuch dem kl. Rokokoschloß Kina ab. Beim Weiterfahren rund um uns brückenumspannende Wasserarme. Vor uns die vergoldete Kuppel des Rathauses, neue Wohnsiedlungen. Die Schleusung zum Saltsjön, dem salzigen Arm der Ostsee, koset Skr 120,- und wir sind in Stockholm, dem Venedig des Nordens.
Beim Vasamuseum hängen wir uns an einen Kutter, denn wir benötigen 2 Seekarten, Übersegler für Finnland und das Baltikum. Die erhalten wir bei Stockholms Nautiska Magasinet, Slussplan 5 und zwar: FIN 952 sowie Ostersjön norra delen 7.
Stockholm ist auf 14 Inseln gebaut, das Stadtgebiet besteht zu ca 1/3 aus Wasser. In der Altstadt betonen das Königsschloß und die staatl. Gebäude die Rolle als Landeshauptstadt. Auf Kungsholmen steht das weltbekannte schöne Rathaus, wo jährlich in der ,,Blauen Halle" und im ,,Goldenen Saal" der Friedensnobelpreis gefeiert wird.Im überdeckten Vasamuseum, ein Muß für jeden Stadtbesucher, steht das majestätische Kriegsschiff ,,VASA", bestückt mit 64 Kanonen an Bord. 1628 sank es bei der Jungfernfahrt noch im Hafenbereich, weil es aus Geltungssucht zu hoch gebaut wurde. 1961 wurde es fast unversehrt geborgen und ist weltweit das einzige seiner Art.
Es gibt Bankpaläste und pompöse Gebäude aus dem 19.Jh. An den Kajs liegen Riesenfähren aus Übersee, Finnland und Deutschland. Jede Schäreninsel hat ihre Fährverbindung, die hier endet. Es ist ein ständiges Ankommen und Abfahren und alle verursachen einen Riesenschwell. Wir motoren vorbei am Vergnügungspark Gröna-Lund.
Die Inselgruppe Fjäderholmarna sind mit kleinen roten Holzrestaurants geschmackvoll bebaut. Das Geschäft brummt. Fun Too verlässt Stockholm Die Insel Djurgarden ist ein Nationalpark mit vielfältigem Freizeitangebot. Mit der Antigua bogen wir damals rechts bei Nacka ab nach Saltsjöbaden, zu den Außenschären bis raus nach Sandön mit Sandhamn. Dort befindet sich der KSSS, der Königl. Schwedische Segelclub. Die Insel liegt an der Grenze zum offenen Meer und ist seit jeher wichtig für die Seefahrt. Damals wimmelte es von Booten, Teilnehmern und Zuschauern, denn das Rennen ,,Gotland rund" wurde anderntags gestartet. Die Antigua lag neben der 24,5 m langen ,,Very Bright" des Frantz Nilson Teams.
Heute fahren wir vorbei an Lidingö, der Insel der Superreichen, wo der Baugrund auch schon knapp wird.
Vaxholm ist die populäre Hauptstadt des Schärengartens, 13 sm von Stockholm entfernt und Knotenpunkt für jeglich erdenklichen Schwell von Autound Ausflugsfähren, Seglern und den vermaledeiten Motorbooten als Hundertschaft. Die Hafengebühr beträgt 12,- Euro. Eigentlich hätten wir Schmerzensgeld für diesen Hafen bekommen müsssen Es wollen alle zurück zur Natur und zwar per Boot und alle auch noch gleichzeitig. Die Masten im Hafen schwingen wie Pendeluhren, dabei ist es Windstill, denn die kl Motorboote gasen zur Tankstelle in den Hafen rein. ,,Tuuuut, tuuuut", ertönt es weithin von dampfbetriebenen Verbindungsfähren. Sie beliefern die umliegenden Inselläden, teils kostenlos. Eine Grundvoraussetzung zum Überleben da draußen.
Die Inselwelt, die sich von Stockholm aus 80 km in östl. Richtung ausbreitet, lag zu Christi Geburt noch größtenteils unter Wasser. In Nähe des Festlandes sind die Inseln größer und bewirtschaftet. Je weiter zum Meer man kommt, desto kleiner und flacher werden die Eilande und schließlich sind sie völlig kahl. Ihre Zahl wird auf 30.000 geschätzt.
Direkt vorgelagert steht auf Vaxholmen aus grauem Granit die mächtige Vasaburg, strategisch gelegen, um dem Feind damals das Eindringen nach Stockholm zu verwehren. Deshalb war es Vorschrift, den Ort Vaxholm nur aus Holz zu bauen, damit er schnell abgebrannt werden konnte bei einer Belagerung.
Erst 2 Stunden durch leichten Nebel motort. Dann nervt 1 Stunde lang der Blister, aber 2 kn sind eh zu wenig, also wieder den Motor an. An den Ufern Prunkvillen mit 200/300 qu/m Wohnfläche. Erst weit draußen wieder die roten Schwedenhäuschen. Wir finden kl. Läden, voller Eifer betrieben mit einheimischen Produkten wie Fisch, Eier, Frühkartoffeln, Selbstgebackenem, Erdbeeren. Die Wassertemperatur beträgt 17-20 Grad, überall wird gebadet, denn es ist Sommer!!. Siärö besitzt Bunker und 2 Kanonen aus dem 1.WK. Aus dieser Inselabdeckung heraus, erfasst uns ein Südwest im Düseneffekt und Fun Too segelt mit 7 kn an Yxlan entlang, durch den kurzen Furusund und dann kriecht ziemlich schnell flächendeckender Nebel vom offenen Meer her und macht die Gegend ungemütlich. Hart an der Sichtgrenze tasten wir uns vorwärts unter konzentrierter Anspannung. Bergen die Segel, damit die Fahrt aus dem Schiff kommt. Laut Seekarte stehen wir unmittelbar vor einem kleinen Gästehafen. ,,Neben uns muß die Insel Marö liegen, sie ist nicht da." ,,Doch doch, wir können sie nur nicht sehen" ,,Wo ist dieses Licht und der Grüne?, es ist doch unmöglich, dass Nebel so kompakt sein kann"! Dafür ist vor uns was Weißes. ,,Achtung, da steht einer im Wind und versorgt seine Segel." Erschreckend ertönt von vorne ein lautes Tuuuut-Signal und die Wellen einer gr. Finnjetfähreklopfen an Fun Too entlang in der engen Passage. Dazu fährt achterlich kommend mit vollem Speed ein kleines Motorboot vorbei und in die Watte hinein. ,,Die m ü s s e n besoffen sein"! Langsam tuckert unser Motor vorwärts, die Augen spähen durchs Fernglas. Nach 15 Min. steht der ,,Grüne" da. ,,So rum um 90 Grad und laaangsam weiter." Und dann schimmert es wie eine Zahnreihe ,,Boooote". Wie auf einer engen Slalompiste lenken wir Fun Too durch die rotgrünen Stangentore mit einer Tiefe von 1,9 m hindurch. Wir sind im Freizeithafen von Kappelskär, dem Absprunghafen nach Finnland. Als nach 30 Min. der Nebel aufreißt, strahlen wir um die Wette, mit der Sonne.
Es ist Donnerstag vor Mittsommer 17 Uhr und an den Stegen findet der Auszug aus Ägypten statt.Ca 100 Autos entladen hohe Stapel Bierdosen, Wägelchen voller Taschen und pralle Tüten, Lebensmittel, Kühlboxen, Hunde mit Schwimmwesten und Kleinkinder mit Windeln zwischen den Knien, Dreiräder und in grünen Plasttüten klirrende Flaschen der. Systembolage(Laden für Alkohol). Alles landet auf den vielen Motorbooten, deren Wasserlinien sinken. Es ist das größte (Sauf) Fest der Schweden, wo keine Kehle trocken und keine Insel bootfrei bleiben wird. Freitag: Für die nächsten 6 Tage ist Sauwetter und ,,kuling" angesagt. Karpe diem, nutze den Tag! Schon um 05.45 Uhr zieht uns der Blister flott zur Ausfahrt gen Insel Fejan. Heimgesucht von Krieg und Pest im 18. Jh, war Fejan Qarantänestation. Auf diese Insel flohen im 2. WK 30.000 Esten in kl Booten vor der russischen Okkupation über die Ostsee (Durchgangslager).
Einige der Außenschären, an welchen wir vorbeisegeln, waren wichtig für die Verteidigung Stockholms. Es wurden Warnfeuer angezündet, sobald ein fremdes Boot gesichtet wurde. Eine sehr karge Natur hat die Inselbewohner abgehärtet. Eine Fährhaltestelle heißt z.B. ,,Hungerland".
Fun Too erreicht die offene Ostsee. 3 Stunden lang wird es ,,Segeln mit dem großen Löffel" per Spi bei 4 Bft West. Auf halber Strecke wird der Wind SW 6 . Fun Too surft bis zu 9 kn durch die Ostsee, gefolgt von immer größer werdenden Wellen. Im Waschbecken der Toilette spritzt Salzwasser hoch. An backbord taucht auf der Kimm winzig die Hauptinsel von Aland auf, eine Fähre kommt aus Mariehamn. Mit der Antigua lagen wir vor der 4 Mastbark ,,Pommern" dort. Jetzt geigt die kleine Iroquois auf das Feuer von Nyhamn zu, das noch unsichtbar, laut GPS aber nur noch 10 sm, also gut 1 Stunde entfernt stehen müsste. Und dann wird es ungemütlich, der Mund trocken, denn Fun Too läuft 2 x lange quer zu den Wellentälern, bis die Ruder wieder Wirkung zeigen. Der Skipper muss aufs Vorschiff, öffnet den Spi, fällt dabei hin, aber das Flattern ist Musik in meinen Ohren. Breitbeinig stehend, halte ich Fun Too auf Kurs. Mit Sturmfock geht's weiter zw. 5/6 kn. Nyhamn Feuerturm wird passiert, aber es dauert noch über 1 Stunde, bis ein paar kleine Schären die Wellentäler abbremsen. Kursänderung. Große Fähren, aus Abo/Turku kommend, kreuzen unseren Kurs. Als wir auf Föglö ­ Degerby /Aland am kleinen Steg wohlbehalten anlangen, liegen 47 sm mit einem Durchschnitt von 6,6 sm hinter uns.
Alle Boote sind mit Birkenzweigen geschmückt, Mädchen tragen frische Blumenkränze im Haar. Die Mittsommerstange ist sehr schön geschmückt. Wir stellen die Uhr um 1Stunde vor. Und die angekündigte Kaltfront kommt so sicher wie das Amen in der Kirche, die der Skipper vorzugsweise in der Sauna abwettert. Bald mischen sich in die Böen Regentropfen, die Temperatur sinkt.
Samstag. ,,Teufel, siehst Du nüchtern aus" ist der Morgengruß unseres Bootsnachbarn. Zeitweise regnet es, die Nationale steht steif im Nordwind und als Kompensation ertönen im Radio Melodien von Sommer, Sonne, Wärme und Volksweisen zum Tanzen. Sonntag ­Ruhetag.
Der Regen zog weiter, der Wind bleibt konstant. Seewetter: NW 6, später 7 Bft. ,,Die Windrichtung passt." ,,Aber nicht die Stärke." ,,Willst Du nach Helsinki oder nicht?" Nur unter Sturmfock wird es ein 11 Stundentag. Als wir in der Außenschäre Gullkrona ( 8.-E plus 4,- E Strom) ankommen, ausgeblasen und frierend, liegen 56 sm hinter uns, davon 40 sm draußen ungeschützt im Finnischen Meerbusen, wo es nur so kachelt. Von Thailands Klima verwöhnt, trägt die Crew bei 12 Grad gefütterte Skihosen, Pudelmütze und Handschuhe. Die Iroquois liegt mit der geringen Besegelung leicht am Ruder und läuft um die 6-11 kn stundenlang. Die letzten 16 sm führen zwischen weit voneinander entfernt liegenden flachen, kleinen Schären und niedrigen Inseln mit gedrungener Vegetation hindurch. Zum Schluss geben sie uns guten Schutz.
Die Seezeichen, im Übersegler nicht vorhanden, haben uns zunächst konfus gemacht mit den ungewohnten Farbkombinationen von weiß-gelb-schwarz, je nach Himmelsrichtung. Doch man ist lernfähig. Und vom nordisch hellblauem Himmel mit weißen, schnellziehenden Wolken geraten wir ins Schwärmen. Finnlands Nationale, weiß-blau, spannt sich sonnig den ganzen Tag über uns. Die Schären sind weit entfernt am Horizont und klein wie Fliegenschisse. Der Skipper staunt ,,die Gegend ist ja riesig hier."
In Kasnäs kostet die Marina 16.- Euro, Sauna inbegriffen. Nach dem Schwitzen baden die Finnen im Meer. Da wir uns nicht den Tod holen wollen, stellen wir uns mutig unter die laue Dusche. Abends viel Regen.
Trotz Handschuhwetter schon um 06 Uhr unterwegs. Wieder NW 5-6 Bft, aber ablandig. Schönes Segeln. Bis, ja bis die Crew im Inselgewirr der Außenschären 6 sm vor Hangö zwei im Gegenlicht befindliche rot/grüne Stangen einfach nicht gesehen hat. Da lob ich mir das narrensichere Betonnungssystem der Franzosen, mit weithin, auch bei Gegen- licht sichtbaren gelben Bojen, darauf unverwechselbar Konus oder Zylinder. Auf unserem riesigen Übersegler sind nicht mal Lichter oder Leuchttürme drauf. Der Anblick dieses Labyrinths von einigen hundert Inseln ist für mich trotz des Studiums wie im Katechismus, ein Buch mit 7 Siegeln., aber so lange der Skipper damit zurechtkommt..... Nichts ahnend befindet sich Fun Too plötzlich inmitten von wie Walrücken aussehenden Granitbuckeln, sowie Geisire spritzenden Untiefen und hellgrünen Flecken von Unterwasserriffen. Durch das erschrockene Umherschauen schlägt die Fock back, bleibt am Vorstag hängen, geht auf, flattert als Dreieck im Starkwind mit Wellentälern. Den Motor runterlassend, versuche ich mich in den Wind zu stellen. Der Skipper, Granitschrott im Blick, läuft unter weißem Bart rot an."Hier wird NUR etwas gemacht, wenn ich es SAGE." (Das nächste mal heirate ich einen Brieftaubenzüchter, die Viecher haben eingebaute GPS) Mit Kompasspeilung und Feldstechern finden wir die Richtung zum übernächsten ,,Tor" Nach einiger Funkstille bekomme ich Schulterklopfen. ,,Mit etwas Stress und Adrenalin schaffen wir doch alles." Fun Too ist wieder auf Kurs durch die Schärenwelt an der Südspitze Finnlands, wo am äußersten Zipfel einer langen Landzunge Hangö liegt, die südlichste Stadt Finnlands..Im Hafen orgelt der Sturm in den Masten. (17.-Euro). Der alte Kurort besitzt schmucke Holzvillen mit Türmchen. Vor über 100 J. wanderten von hier etwa 400.000 Finnen aus nach Australien und Übersee.
Trotz Regenschauer und Nordwind sind viele Yachten unterwegs. Durch teilweise unberührte Inselnatur führt die Route. Es ist sehr kalt. Jetzt weiß ich auch, warum die Finnen die Sauna erfunden haben:: Damit sie sich, samt Hochprozentigem, im Sommer aufwärmen können.
Laut GPS stehen wir nach 36 sm in 8 Std. vor dem Gästehafen, der aber nicht da ist. 3 x tigern wir 100 m auf und ab. Nichts. Auch eine gr. Deutsche Segelyacht ist ratlos, geht ankern. Das wollen auch wir tun und fahren in eine Schilfwiese, die eine Öffnung breit wie Fun Too aufweist, die Rinne ist 2,90 m tief. Und so wie die Stiefmutter hinter den 7 Bergen Schneewittchen fand, werden auch wir nach 7 Bergschleifen fündig. Der Gästehafen Elisaari-Älgsjön (8,--E Elchsee) liegt fjordartig zwischen 2 Inseln in einem Naturschutzgebiet und bietet für 150 !!! Boote Platz.. Der Skipper sagt siegessicher: ,,Siehst Du, der GPS hat immer Recht." Und es regnet schon wieder und die Nacht dazu. ,,habt Ihr hier in Finnland immer solches Wetter?" ,,Nein, nur im Juni-Juli-August, dann wird es schlechter."
Fun Too trägt als Leinwand heute keine Segel, sondern das große Regenzelt. Es ist wie Camping auf dem Wasser. Unter Schauern und motorend geht es zu der Landzunge von Porkala. Dieses Gebiet musste 1944, der 2. WK war hier schon verloren, als Militärstützpunkt für 50 Jahre an die Sowjetunion verpachtet werden. Mehr als 7.000 Einwohner dieses Gebietes wurden kurzfristig evakuiert.
Später folgt unsere Route engen Wasserpfaden in idyllischer Landschaft. Hier in den Innenschären tragen manche Felsen Buchstaben. Wir folgen teilweise diesem Alphabetpfad : A-B-C-D, komisch, ab er praktisch. Abends sehen wir am Horizont die Hochhäuser von Helsinki. Und Masten. Nach 33 sm landen wir zufällig beim EsBo-Segelverein. Ein junger Mann wird die Nacht durch Wache gehen, denn ,,Finnska Viken ist sehr schmal", lacht er vielsagend. Yachten und Festmacher sind mit dicken Schlössern versehen. Es hängt ein Foto aus von einer verschwundenen Segelyacht.
Nach 10 sm fahren wir vorbei am Containerhafen von Helsinki. Fun Too legt am Havshamn an und die 2. Nacht vis a vis im YH HSS für 15,- E, incl. Sauna, die aber abgestellt ist. Musikbühne, Esszelte, es geht um die Meisterschaft im Lachsfischen. Die Ausrüstung hierfür ist enorm,und damit der teuerste Fisch aller Zeiten. Abends bestaunen wir einen Corso von Motorrädern und Autos, von Supermodernem bis Oldtimern. Eine Stunde lang flanieren ,,Amischlit- ten" mit Heckflossen vorbei, das Männerherz lacht, die Crew denkt an Elvis.
Per Doppeldeckerbus (a 20.- E) fahren wir an den Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei. Helsingfors wurde vom Schwedenkönig Gustav Wasa 1550 gegründet. 18o9 wird es von Russland erobert. 1812 ist Helsinki Hauptstadt des Großfürstentums Finnland. Seit dem Unabhängigkeitskrieg 1917 ist das Land unabhängige Republik.
Der Senatsplatz ist das Herz der Stadt mit Uni und Regierungspalais. Grandios, ganz in weiß, der Dom. Das Denkmal Zar Alexander II. Stockmanns Warenhaus, die Goldkuppel der orthodox. Kathedrale, Nationaltheater. Das Olympiastadion mit 72 m hohem Turm. Wegen des 2. WK fielen 1940 die Spiele aus, konnten 1952 stattfinden, davor die Statue von Paavo Nurmi, des legendären Langstreckenläufers (9 x Gold). Das wunderbare Parlamentsgebäude aus rotem Granit. Die Sibelius-Musikakademie. Das Reiterstandbild von Feldmarschall Mannerheim, der 1918 den finnischen Unabhängigkeitskampf erfolgreich leitete und 1944-46 Staatspräsident war. Die Felsenkirche ist direkt in den Berg gebaut. In der Bucht von Taivallahti liegen mehrere Yachtclubs.
Das Sibeliusdenkmal in Form von hunderten von Orgelpfeifen aus Stahl zusammengeschweißt, ehrt Finnlands bed. Komponisten. Der Esplanaden-Park, das Urho Kekkonen-Denkmal, der als Präsident in der Nachkriegszeit geschickt mit Russland verhandelt hat, die schwed. Botschaft, die Markthalle im rotweißen Backsteinbau. Am Katajanokka Terminal liegt z.Zt. die Eisbrecherflotte Finnlands. Fähren, Luxus-Schnelljets und Kreuzfahrer gehen nach St. Petersburg, Tallinn, Rostock, Aland-Stockhom und Übersee. ­ Diese 1 Stunden Busreise hat sich wirk- lich gelohnt.
Ein Hoch soll uns die nächsten Tage ruhiges, son- niges Wetter bescheren. Da Estland nicht unter das Schengener Abkommen fällt, fahren wir raus nach Sveaholmen, um beim Pass-Zoll auszuklarieren. Finnland ade.
Aaelus, der Gott des Windes, hat Ruhetag, streicht nur mit leichten Katzenpfoten über das Wasser und die Sonne verwöhnt uns mit Wärme. Über 30 Lachsfischer versuchen 5 sm draußen das kapitale Exemplar zu fangen, um die Meisterschaft zu gewinnen. Unser Kompasskurs ist überflüssig, denn Motor-und Segelyachten, Fähren, Kreuzfahrer, sowie Tragflächenboote schweben, motoren, düsen vor, mit und hinter uns. Am gestrigen Samstag hat die Paßsstelle 64 Sportboote abgestempelt!! Ein Helikopter knattert über uns hinweg. Er benötigt zwischen den Hauptstädten 18 Min. Flugzeit. Dazu kreuzt ein schwer beladener russischer Trawler unseren Kurs. Er war einige Monate im Nordatlantik und Eismeer unterwegs und ist auf dem Heimweg nach St.Petersburg. Im Radio ertönt Boogie-Woogie-Musik und beschwingt geht es quer über den Finnischen Meerbusen. So harmlos geht es hier aber nicht immer zu, wie die Estonia-Fährkatasstrophe beweist.
Nach 44 sm sind wir in Estland und zwar in Pirita, mit langem Badestrand, im Tallinn-Olympic-Yacht Center. Bei der Moskauer Olympiade 1980, die wegen Tschetschenien boykottiert wurde, fanden hier die Ruder- und Segelwettbewerbe statt. Die Einklarierung ist schnell abgestempelt. Die Marina ist abends knackvoll von Deutschen und Schweden, aber zu 9o % von finnischen Gästen. Die teuersten Boote fahren unter blau-schwarz-weißer Flagge Estlands und ­ die Gedanken sind frei- es drängt sich das Wort Maffia auf. An den Hafenanlagen nagt der Zahn der Zeit. Es wird der stolze Preis von 17.- Euro verlangt, ohne ausreichende Sanitäranlagen. WC in einem Ind.Gebäude, schmutzig, nicht abschließbar, kein Handwaschbecken, die Dusche weiter weg im 2. Stock für Extrakosten von 2.30 E. Weiter innen im Fluß liegt noch eine Marina. Da überall ,,privat" stand, kehrten wir wieder um, wären aber willkom- men gewesen, zu einem niedrigen Preis und neuen Sanitäranlagen.
Es floriert der kl. Grenzverkehr über Finnska Viken: Diesel und Benzin sind hier 40 Cent/l billiger und bevor ein finnischer Skipper zum Hafenmeister marschiert (da gibt es Wetter im Internet), deckt er sich vorher für die nahe Zukunft mit 7-9 Karton Starkbier und reichlich Hartgetränken ein. Der Dänenkönig Waldemar besetzt 1140 die Hauptstadt. Aus Reval wird Taami-linn, die ,,dänische Stadt", daraus Tallinn und der deutsche Ritterorden übernimmt mit Schwert und Kreuz und Unterdrückung das Sagen. Anschluß an Hanse und Blütezeit. Mitte 15.Jh. gehört Estland zu Schweden. Im 17.Jh. kommt es an Peter I und Katharina II. Estland wird 1918 selbstständig, vom Deutschen Reich besetzt, von Russen zu 53 % zerbombt und zum Schluß von der Roten Armee okkupiert. Nach dem Fall der Mauer 1989 gab es Revolution und nach 50 Jahren wird 1991 das freie Estland anerkannt.
Vom YH gehen oft Busse ins 7 km entfernte Zentrum. Von der 2,3 km alten Stadtmauer stehen von 40 Türmen heute nur noch 26. Die Fassaden der Hansehäuser sind ganz restauriert. Das gotische 600 J. alte Rathaus konnte auch als Festung Verwendung finden, der Turm erinnert an ein Minarett. Alle Kirchen haben sehr individuelle Türme. Eine Sehens- würdigkeit ist das im 13. Jh gebaute Dominikanerkloster. Oben auf 50 m hoher Sandsteinklippe steht das Schlossgebäude mit Regierungssitz. Die ganze Altstadt lebt vom Tourismus, ist voller Souvenirläden, Galerien und Restaurants mit Namen wie ,,Old Hanse" ,,Peppersack" oder ,,Goldenes Ferkel". Im Supermarkt ist das Angebot reichhaltig und günstig. In den Kneipen kostet das Bier 2,50 E, Pizza und Fleischgerichte ab 7,-E, meist 10.-E. Wir finden das alles überteuert. Der Tourismus diktiert hier in der Innenstadt die Preise. Die Altstadt steht seit 1997auf der Liste der UNESCO, was eine super Reklame ist.
5.7. Der flache Küstenabschnitt zwischen Tallinn und Riga heißt Westland, diesen segelt Fun Too bei Sonnenschein langsam entlang. Die Baltischen Länder sind sehr flach und wurden vor 15.000 Jahren durch das Inlandeis geformt. Hinter den Küstenwäldern dehnen sich Sümpfe. Das Meer ist heute voller grüner Algenfäden. Ab Sandkap Pakri mit 54 m hohem Leuchtturm sehen wir nach 32 sm eine neue Mole samt Baukran. Es entsteht mit EU- Geld ein neuer Hafen. Dahinter befindet sich noch der kleine Ind.-Hafen mit 2 blauen Kränen. Die Mauern sind ca 3 m hoch und erinnern an düstere Schleusen. Das Festmachen ist sehr schwierig und nur über ein altes Eisenboot und riesige senkrechte Gummipoller für die Großschifffahrt und Rosthaken kann mühsam an Land geklettert werden. Ist dieses Hindernis geschafft, wird man vom Schlagbaum gestoppt und von einem mürrischen Zerberus auf russisch-englisch aufgeklärt: ,,prrrivat hirrr,2.- Eurro Meterrr/Boot", Aha, Spaziergang durch Padilskis Plattenbauten-Kasernen. Hier befinden sich auch die Ruinen der Seefestung von Peter I, gut erhalten und drinnen war das Ausbildungszentrum für sovj. U-Boote. Die Ortschaft Padilski war für Nichtmilitärs geschlossen.
Im Anschluss will Fun Too wegen des Lärms der Pfalschlagmaschine, außerhalb dem Hafengebiet am öffentl. Badestrand ankern. Da braust der Zerberus per neuem Auto uns tatsächlich die Ufersandstraße nach, zeigt mit dem Zeigefinger erbost aufs offene Meer und brüllt ,,dawaj, dawaj"!! Der Arme muß bleiben, wir können wegfahren. Es ist erst 19 Uhr. Zwei große Inseln und 1 Stunde später, hinter dem Feuer und einem kl Riff vor Suur Pakri fällt auf 3 m der Anker. Die Abendsonne wirft einen Aprikosen-Schein über das glatte Meer, die Wellen gluckern ans Riff und wer zu letzt lacht, lacht am besten. Freiheit und Gastfreundschaft, oder gar das großzügige schwedische Allamannsrecht werden hier noch ganz klein geschrieben und außer den Buchstaben EU hat sich hier nicht viel geändert. Hafen Padilski würde ich nur als Nothafen anlaufen. Die beiden großen langen Inseln Pakri, vor denen Fun Too ankert, sind menschenleer. Sie waren Übungsplatz für Bombenabwürfe der Warschauer Paktstaaten und der Zerberus ist ein übrig gebliebenes, überaltertes Stück Zeitgeschichte. Von Umbruch keine Spur. Wir sind halt unterwegs in einer durch okkupationsbedingte Politik lange Zeit vergessene Ecke Europas.
Schönes Sommersegeln bei 24 Grad entlang der monotonen, fast unbewohnten Küstenkulisse. Die beiden letzten Stunden motoren wir einen 3,5 m tiefen, gut betonnten Kanal in der Weite des flachen Wassers, zw. den Inseln Vormsi und Pürksi die Harikurk strait nach Haapsalu. Es geht um eine lange Halbinsel herum, wo ca 30 Masten zu sehen sind. Der neue Steg kostet 20,-E, der Steg vom Real Existierenden Sozialismus kostet 13.-E.
Im interessanten Holzbau mit schöner Malerei des Kurhauses fiedelt ein Stehgeiger zu Eis und Kuchen. Bis zum 2. WK lebten hier hunderte von Jahren Schweden. Ihre Holzhäuser faulen vor sich hin, die Farbe blättert ab. Die Fenster sind morsch. Die Neurenovierten hingegen gleichen Schmuckkästchen. ,,Gib ihnen Zeit, Holz, Farbe und Fenterstöcke, dann erkennst Du das alles in ein paar Jahren nicht wieder." Die alte Burg der Kreuzritter ist 800 Jahre alt. Die Domkirche dazu überstand Brand- u. Raubzüge. In diesem Dom landen wir zum Tagesausklang durch Zufall in einem Bachkonzert.
Haapsalus 3 Heil- und Schlammbäder locken Gäste aus Europa an. Auf dem markanten, extra dafür gebauten Bahnhof kamen einst die Zaren, der russische Adel und dann die Elite von St. Petersburg her ins Kurbad. Am Tschaikowski-Denkmal wird man von seiner Musik berieselt.
Vor Estlands Küste liegen ca 800 Inseln, die vier größten sind Vormsö, Hirumaa(Dagö), Muhu und Saaremaa (Ösel). Für das dawischen enorm flache Gebiet tragen wir von einer Spezialkarte Wegpunkte in den GPS ein. Ein mitziehendes Gewittertief beschert uns einen Kurs hoch am Wind, bei einer Wassertiefe bis zu 6 Metern. Auf Höhe Muhu warten wir ankernd, bis beide Gewitter vorbeigezogen sind.
Abends, am kl. Steg des Fährhafens Virtsu (13,-E). Samstag 9.7. Es beginnt damit, dass ein Motor warmläuft. Hälsestrecken, Schwimmwesten, Zurufe, Winken. Die Frauen, aus Erfahrung klug geworden, strahlen ,,variable 2-3, das heißt Groß hoch und unter Motor drauf los, egal wo heute das Ziel liegt" so eine geschnappige Kielerin. 15 Min. später lässt die kleine Urlaubsarmada von 6 Yachten den leeren Gästesteg zurück und wo die Masten, wie fallen gelassene Mikadostäbe auseinander streben,nach Norden, seitlich zu einer Insel oder, wie Fun Too gen Süden. Abends waren die Crews der 2 deutschen, 2 schwedischen und 2 finnischen Yachten noch bei uns am möwenverschissenen Steg zusammengestanden und haben wie Löschpapier alle Informationen aufgesaugt: schriftliche Wetterfaxe, auf welchen Inseln ausklariert werden kann, überhöhte Hafenpreise, dass man trotz gültigem Visum Kaliningrad/Königsberg nicht anlaufen darf, was 120 sm nonstop bedeutet, wo billig Alkohol im Hafen gebunkert werden kann. (Sehr wichtig!!) Ein Hafenhandbuch wird gegen Rheinwein getauscht Und alle wollen wissen, wie schnell so ein leichter Katamaran segelt und sind sehr zufrieden, als die Antwort lautet, ,,genau so langsam wie Ihr, wenn kein Wind geht."
Nach 35 sm machen wir ganz unplanmäßig abends auf der Insel Manilaid an einem winzigen Kai fest. Rundum Paradies. Durchs Gebüsch das Dach eines Bauernhofes, die einsame Hummel, eine Traktorspur im Nichts endend, Glockenblumen satt, 3 Jungschwalben auf hohem Draht. Holunderduft und Kuhfladen. Vom Wind geneigte Bäume. Fischernetze zum Trocknen auf hohem Gras. Ruderkähne, um die Kreuzkröten quaken. Findlinge, transportiert in der Eiszeit. Windschiefe, abgestützte Holzkaten. Abendrot und die Stille der Bucht. Ein Windhauch in die Idylle der Einsamkeit. Zeit, endlose Zeit und FUN TOO.
10.7. Sonniges Sonntagssegeln um 5 kn mit Frühstück. Der Wind ist auch hier, wie überall, ein Kapitel für sich.
Nach 20 sm stehen wir vor Pärnu ,,Halte mal auf das altmodische Riesenrad zu". Die beiden 2 km langen Wellenbrecher führen in den breiten Fluss, an dessen hinterem Ende der Yachtclub liegt. (15,-E)
Pärnu: Ritterorden, Bischofsstadt, Hanse, geplündert und gebrandschatzt, Russen, Schweden, Polen, das 3. Reich, die Rote Armee und 50 Jahre Okkupation. Die Stadt, wo man jahrelang jeden mit einem 10-Rubelschein bestechen musste. Heute wieder der bedeutendste Heil- und Kurort des Landes. 60 km Park und Baumalleen führen durch 18 Parks. Im Wallgraben von 1670 integriert, befindet sich die Freiluftbühne, wo 4 Akkordeonspieler dafür sorgen, dass sich das Volk, auf Betonboden, den Gehstock in der Hand, das gute Plasttäschchen in der anderen, dem Tanzrhythmus der 50er Jahre hingeben kann. Es gibt schmuck renovierte Holz- und Steinhäuser, die bis zu 400 J. alt sind und Backsteingotik aus der Hansezeit, die Ammendel-Villa.
Alle 3 Kirchen haben es mir angetan, bes. die kleine orthodoxe St. Katerinenkirche. Sehr interessant der aus Ziegeln gebaute Dom im altrussischen Stil en masse gibt es Alkoholshops, gut gefüllt, vor und hinter der Theke.
Der Wind dreht immer mehr. 20 sm entfernt, bietet sich die kl Insel Kihnu als nächstes Ziel an. Hoch am Wind bringt uns die Sturmfock hin. Und wir sind zunächst sprachlos. Inzwischen haben wir gelernt, dass ein Segelzeichen oder Anker in der Seekarte hier mit Vorsicht zu deuten sind. Nach einem Kai für die Fähe in der eisfreien Zeit stehen halbverwitterte Holzpfähle am Ufer entlang, zusammengehalten von Eisenschienen, Stricken und Nägeln. Daran befestigt liegen einige ausrangierte kleine Fischerboote aus einem nicht mehr existierenden Kombinat. Sie dienen als Puffer und ,,Anleger". ,,Unserem" Anleger entströmen die strengen Düfte von Teer, Lebertran und abgestandenem Bilgenwasser, er erfüllt aber seinen Zweck als Landgang . Es kommen drei finnische Motorboote, peilen die Lage ­ und weg sind sie wieder. Abends liegen wir dann 4 Yachten, geschützt zum Meer von einer dichten Schilfwiese. Vor langer Zeit ging man von hier aus auf Robbenjagd. Man ist dabei, eine kleine Marina zu bauen. Ein dänischer Danebrog in Badetuchgröße motort rein, 2 Crewmitglieder beißen Fingernägel. Die 15 m lange ,,Alotola" hat einen Tiefgang von 3 Metern. Wir sehen sie, als sie die letzten Meilen 2 x auf Grund steht. Ich bewundere die Nervenstärke dieses Skippers, bei solch boddenartigen Bedingungen hier zu segeln.
Kihnu ist mit 9 m die flachste Insel im Golf von Riga. Stundenlang latschen wir herum. Es gibt keinen Meter Asphalt. Am nächsten Tag begeben wir uns per Leihrad auf die 12 km lange Inselrundfahrt über Stock und Stein und Dünensand, was mit meinem aufgeschlagenen Knie endet.
Wir sehen Holzhäuser und Bauernhöfe mit vom Wetter aufgedrehten Planken, Außen-WC, Stadel, dazu aufgeschüttete Erdhügel für Kartoffeln, alles eingezäunt von Lattenzaun und Fliederhecken: Dr. Schiwago lässt grüßen. Vereinzelt aber auch neue, oder buntfarbig neurenovierte Holzhäuser. Manchmal werden wir total eingestaubt von einem ururalten russischen Motorrad mit dazugehörigem obligatorischen Beiwagen. Dieser ist immer eine Holzkiste Marke Schneewittchensarg. Hier lebt man genügsam. Der Starkwind Südwest rauscht in den Föhrenwipfeln und ewig singen die Wälder. Nach Pärnu zurückgesegelt, sitzen wir abends mit den Crews von Arche Noah und Aegir, die wir beide sehr schätzen lernen, auf ein Bier zusammen, wo nicht alltägliche Pläne geäußert werden, denn der Mackenzie im Norden Canadas und dann Japan sind keine Barfußrouten-Ziele. Dazu ertönt ohrenbetäubender Lärm eines Rockkonzerts anlässlich des Festivals.
16.7. Samstag Vormittag. Bei einem Anlegemanöver mit Fun Too vor dem Steg bricht beim umschalten am Yamaha AB der Befestigungsarm für Schalt- und Gaszug jäh ab. Fun Toos Bug schert dadurch blitzartig aus und der Backbordbug bohrt sich mit Vollgas in den holzbeplankten Motorsegler ,,Dasha" nebenan. Der Hafenmeister ist Zeuge. Der Besitzer und Pantaenius werden verständigt. Das Teil kann geschweißt und verstärkt werden. Abends. Gerade wurde mit einem explosionsartigen Donnerschlag das Ende des 3-wöchigen Sommers eingeläuted und das Polentief regnet sich ein. Nebenan liegt das Schwedentief. Unter 4 geöffneten Schirmen sitzen wir zu sechst und erörtern den soeben gehörten Seewetterbericht aus Hamburg (SW 6005 KHz) : Starkwindwarnung von der Deutschen Bucht über Kattegatt bis einschl. ganze Ostsee und zwar für die nächsten 5 Tage!! Trend SW 5, später 6 Gewitter und Schauer. Während Schultern und Hintern nassgetropft werden, erhitzen sich die Köpfe, denn die Zeit drängt, es ist der 17.7. Die drei Kats Aegir, ArcheNoah und Fun Too wollen am 20.7. in Riga sein. Einigkeit macht stark. Hoch die Bierpappbecher und Prost auf Riga, das 100 sm nah und, wetterbedingt, doch so fern ist, weil gegenan.
Wieder auf Kihnu, treffen wir die Arche Noah und die Kauri. Am 19.7. veranlasst Zeitdruck Fun Too zeitig auszulaufen. Der Gegenwind stand auch diese Nacht wieder durch. Dazwischen Schauer. Der AB schafft gegenan 2,3-2,8 kn/h, obwohl der Wind nur 3 Bft. beträgt. Das Ziel, die Insel Kuhnu, liegt 40 sm entfernt. Bei dieser Geschwindigkeit laufen wir Gefahr, gegen abends in die angekündigte Rechtsdrehung mit 4, später SW 6 zu laufen. Darum kehren wir nach 2 Stunden und 4,9 sm um. Arche und Kauri knüppeln mit mehr PS-Power weiter. Nach 40 Min und 7 l Benzin ärmer, legen wir wieder an ,,unserem" Anleger fest.
Anderntags zieht eine Kaltfront durch. Mit hol- länd. Flagge läuft ein Este mit einer Corsar F 31 ein. Gemeinsam warten wir auf die angekündigten NW 5 Bft, die wir so dringend bauchen und die nie kommen werden. Statt dessen Seewetter um 21,05: Tief 993 südl. Ostsee vertiefend, morgen Litauen. Tief 991 Raum Stockholm, Trog Westpolen und wir mittendrin. Bucht Riga südl. 2-3, ab morgen Mittag SE 4-5.
,,Also, entweder IMM Riga ade, oder wir fahren wieder gegenan sofort los." Rein ins Ölzeug und abgelegt im Regen. ,,Der dämpft die Wellen." Vor Mitternacht verschwinden Riff-und Inselfeuer achteraus. Kurs 180 Grad. Und es regnet. Es ist dadurch finster. Einsam leuchtet das kleine grüne Rechteck des GPS, auf dem zu sehen ist, dass wir gute 5 kn Fahrt über Grund machen.
Die Rigaer Bucht ist insges. 252 km lang. Ein Un- terwasserrücken bildet das Haff, trennt das Land von der Ostsee.. Über diese Sandbank führt die betonnte Einfahrt. An der Mündung des Daugaflusses steht der 36 m hohe schwarz-weiße Leuchtturm, die Einfahrt nach Riga.
Um 04 hört der Regen auf, um 05 sind die SSE 4-5 Bft fast auf die Nase da. Das gereffte Groß und der Yamaha bringen uns über 2 sehr lange Kreuzschläge nach 16 Stunden und 77 sm, plus 10 sm den Fluss Daugava hoch. Beim Passieren des Molenkopfes bekomme ich einen Händedruck.
Das Flussufer ist voller Verladekais und Werften. Rundum dunkle Wolken, das Barometer ist im Keller, das Schwedentief im Anzug. Am Steg um 13.30 Uhr helfende Hände. Begrüßung durch Bekannte auf deutsch, dänisch, schwedisch. Das tut gut nach dieser schlaflosen Nacht. Und im Tank ist noch so viel Benzin, dass man damit leicht ein Feuerzeug hätte auffüllen können. Ein bisschen Glück gehört beim Segeln auch dazu.
Der Zoll stempelt freundlich alle Papiere ab, kein Problem, dass wir in Estland nicht ausklariert haben.
An den Stegen der Marina liegen 43 Mehrrumpfboote. Ganz schön viel, bedenkt man die geographische Lage Rigas. Diese Lage war schon immer das Problem der Balten mit Wikingern und Kreuzrittern. Im 11. Jh. rückte mit 23 Schiffen der Bischof von Bremen an und besetzte den Fischerort, baute ihn zur Stadt aus (1208). 1282 Hansestadt. 1558 übernahm Ivan der Schreckliche die Macht, abgelöst von 90 Jahren Schwedenherrschaft.
Riga war, nach Stockholm, die zweitgrößte Stadt Schwedens. Im 17. Jh. unter Peter I und Katharina II träumt Russland von einem eisfreien Hafen an der Ostsee und bekommt ihn. Dann durch Heirat an Polen, Wieder Russland, kurze Zeit frei . Im 19. Jh. brauchte Deutschland ,,Lebensraum im Osten", 1/3 der Letten werden massakriert. Die Rote Armee deportiert viele Menschen nach Sibirien. Seit 1991 freie Wahlen und Freiheit, die uns gestattet, hier Gast sein zu dürfen.
Wir melden unsere Ankunft im Büro an und bezahlen 20,- Euro per Nase Teilnahmegebühr. In einem gr. Hauszelt mit Tischen und Bänken gibt es abends ein Barbeque sowie je 2 Becher Bier. Dazu liegt über Schotter eine dicke Gummimatte, voilà, und die Tanzfläche ist fertig. Die Musik ist nach dem Geschmack der Gäste und wir verleben einen sehr netten Abend. Am Stammtisch sitzen die Crews von Aaegir, Arche Noah, Kauri, Fun Too, später auch Catorion und Elwa. Herr Kurt Dieckmann in München erhält eine Unterschriften-Grußkarte.
Anderntags gehen wir auf Entdeckung. Die Lebensmittel sind noch billiger als in Estland. Der Zentralmarkt, einer der größten Europas, befindet sich in 5 Hallen. Sie waren einst Hangare für Zeppelin-Luftschiffe aus dem 1. WK. Das Warenangebot ist reichhaltig und frisch. Die Silhouette der Stadt erinnert etwas an Lübeck Die Türme gehören zahlreichen Kirchen. Uns Teilnehmern der IMM wird eine kostenlose Altstadtführung angeboten: Der ganze Stolz des Domes ist die Orgel mit 124 Registern und 6718 Pfeifen .Die hohen bunten Glasfenster erzählen Begebenheiten der umkämpften Stadt.
Am Domplatz die Bremer Stadtmusikanten. Der imponierende Kreuzgang wird gerade renoviert. Das Joh. Gottfried Herder Denkmal, der vor 250 Jahren hier als Pastor, Lehrer und Poet wirkte. Das einmalige Schifffahrtsmuseum, die Rolandsfigur am Rathausplatz. Aus dem 16. Jh stammen die kl. Gilde für Handel und Handwerk, sowie die gr. Gilde für Stadtrat und Politiker. Wir sehen die Uni, den Palast der Wissenschaftsakademie, die Oper, das Theater, das Katzenhaus. Die St. Peterskirche a.d. 12. Jh. wurde immer wieder um- und angebaut, auf den 72 m hohen Turm führt ein Lift zur Aussichtsplattform. Der aufgeschüttete Basteiberg und der Nachbau des Pulverturms zeugen von Rigas wechselhafter Eroberungsgeschichte. Im Park der Esplanaden steht das gr. Granitdenkmal des Dichters Rainis.
In Parknähe steht das 40 m hohe, obeliskförmige Freiheitsmonument mit behauenen Statuen. Es wurde 1930/35 gebaut und wird gekrönt von einer Frauenfigur, die mit erhobenen Händen 3 vergoldete Sterne hält, Symbol für die 3 Provinzen Kurland, Livland und Lettgallen. Zwei Soldaten hal- ten Mahnwache. Es gab Zeiten, wo Menschen, die hier Blumen niederlegten, nach Sibirien deportiert wurden. Im Gegenzug kamen Russen nach Lettland als Siedler. Heute sind 43 % der Bevölkerung noch immer Russen, die sich nie integriert haben, der Landessprache nicht mächtig und somit heute ohne Arbeit sind. ,,Wovon leben sie denn?" Die Studentin der Rundtour zuckt die Achseln ,,Gute Frage". Wenige Stunden später wird mir die Geldbörse mit 120,- Euro aus der Umhängtasche entwendet. Der Skipper weiß: ,,z.Zt. leben sie von uns."
Die 3 Brüder sind ein liebevoll renoviertes Wohnhaustrio, 500 und 300 Jahre als. Viele Bauten stammen aus dem Mittelalter. Das Schloss stammt aus dem 14., 17. und 18. Jh., viele Nationen haben daran gebaut, heute z.T. Staatskanzlei. Am Rathausplatz steht ein profanes Gebäude, das Schwarzhäupterhaus vom Schwertbruderorden zum Schutz der Kaufleute. Es ist voller Silberschalen, Pokalen Schätzen. Die meisten Gegenstände sind aber geraubt und stehen heute in Bremen. Dies konnte der Schutzpatron, der Hl Mauritius mit dem Mohrenkopf auch nicht verhindern. Wuchtig und gedrungen sieht die russ./orthod. Christigrabkirche aus mit den vergoldeten Kuppeln auf kurzen Türmen. In den 60ern wurde sie umgebaut und dient jetzt als Planetarium und wissenschaftl. Zwecken.
Wir sehen so viel, aber eine Rarität sind Briefkästen. Alle Touristen laufen mit geschriebenen Ansichtskarten herum und wissen nicht, wohin damit. Wir gehen durch die Schwedenpforte, eine Erinnerung aus der Besatzungszeit Sie wurde damals aus der Stadtmauer gehauen, angeblich, um eine kürzere Verbindung zur Brauerei zu bekommen.
In der Albertstr.stehen ca 750 Jugendstilhäuser, alle mit ornamentaler Pracht Jedes Bauwerk ist ein Prunkbau für sich. Alle sind stuckverziert mit ausgefallenen Fensterformen. Löwen als Wächter, Drachenköpfe, die Reichtum versprechen, balkontragende Männergestalten. Das Auge entdeckt immerzu etwas Neues.
Inzwischen fand bei 7-8 Bft. vor dem Leuchtturm die IMM-Regatta statt. Dabei ging es ganz schön zur Sache. Beim finnischen Tri ,,Flyver`n ,, brach der Masten ab. Sie werden später die Heimreise nach Finnland mit Notrigg und viel Benzin antreten. Der Vorsitzende, Herr Wolfgang Koch, streift durch die Marina.
Abends findet die große Dinnerparty statt, wo auf Großleinwand die Regattateilnehmer in Aktion gezeigt und dann Siegerpreise verteilt werden. Der Partyservice hat dafür gesorgt, dass sich die Tische vom Feinsten biegen. Vom kalten Buffet: Fleisch, Wurst, Pasteten Salaten, Obst, Broten, Gebäck, Kuchen, Windbeutel großer Riesentorte, Weinen, Säften, Wasser, Kaffee und und ... Dazu unterhält eine Show-Tanzgruppe. Es spielt eine 8 Mann Jazzkapelle rhythmisch bis nach Mitternacht. Den ganzen Abend ist der Bär los und alle nicht blinden Skipper können sich satt sehen an wippenden jungfräulichen festen Busen in superengen Tops. Um 02 kehrt Ruhe ein, die IMM 2005 ist zu Ende.
Wir benötigen und bekommen von Yachtzubehör ,,Regata" Nähe der Hallen, Schaltzuege sowie 2 Batterien frei Boot geliefert. Tagsüber ist die Männerwelt der IMM wie Heinzelmännchen, sie klettert von Boot zu Boot und hilft sich gegenseitig mit den Computern. Darunter gibt es Freaks und solche, die es werden wollen.
Der Skipper der Aegir sorgt mit Können und Fleiß dafür, dass uns über die vergangenen Yachthafen- und Stadttage ein netter Filmabend beschert wird. Danke Ecki!
Nicht zu vergessen die von der Außenelbe (längster Anfahrtsweg) kommende Arche Noah IV mit Waltraud und Erwin Ramin, die großzügig jeden Abend ihren Salon zur Verfügung stellen. Er wird zur Heimstatt für bis zu 11 Personen, die so bunt zusammen gewürfelt sind, wie die Gläser auf dem Tisch mit Höhepunkt des Öffnens eines Bierfasses. Danke!!
Nach dem Ende der IMM mit 4 freien Liegeplatznächten sollen die Multihulls nun 150 % bezahlen Der Skipper der Fun Too interveniert, dass Riga zwar schön, aber nicht die Cote d'Azur sei. Außerdem ist die Marina zu 80 % leer. Der Hafenmeister telefoniert mit dem Betreiber: Boote bis 10 m bezahlen 10.- Euro, darüber 13,- Euro. Na also. Wir bleiben auch noch 3 Nächte.
Für Rigareisende empfehlen sich im Zentrum das günstige Pfannkuchenhaus, sowie das stilvolle ,,Lido", ein sehr gutes und trotzdem preiswertes Selbstbedienungslokal.
Resumee des IMM 2005: Wir sind in Riga herzlich empfangen und überreich bewirtet worden mit Barbeque und auch einer Dinner-night-party. Die Organisation war Spitze, Note 1 A mit Stern. Im Namen aller Sportsfreunde möchte ich mich hiermit dafür bedanken: PALDIES!!
Die wahren, bewundernswerten Enthusiasten dieser IMM aber sind der Skipper der ,,Quidam" im zarten Rentenalter (68 J) und sein Goldstück von Crew, die auf dem Turngerät eines kleinen Edelkats 26 von Wismar kommend, als Nr. 44 anreisen, auf dem offenen Brückendeck nächtigen und unter spartanischen Verhältnissen leben, als wir sie bei unserer Rückreise in Haapsalu/Estland, noch einmal bei Regen unter kleiner Plastplane und Schirm treffen. Bei der Abreise wünschen wir ihnen und in Gedanken allen Rückreisenden der IMM gute Fahrt und sicheres Heimkommen.

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